Alexander Zverev verliert im Halbfinale der Australian Open: Bent, aber aufrecht

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Dominic Thiem und Alexander Zverev gehören zum sogenannten „Next Gen“ im Tennis. Sie mögen diesen Sport jahrelang prägen, aber angesichts der Dominanz von Novak Djokovic, Roger Federer und Rafael Nadal hat die neue Generation noch keinen Grand Slam-Titel gewonnen. Der Österreicher, 26, ist bereits einen Schritt weiter als Zverev, er ist jetzt zum dritten Mal bei den Australian Open in einem großen Finale. Thiem, dreieinhalb Jahre älter als Zverev, trifft am Sonntag auf Djokovic (9.30 Uhr, Live-Ticker SPIEGEL.de; TV: Eurosport). Er geht davon aus, dass der Deutsche bald nachziehen wird.

„Sascha“ – wie Zverev von seinen Freunden genannt wird – „hätte heute genauso gut gewinnen können“, sagte Thiem in seinem siegreichen Interview mit John McEnroe. „Es war sein Durchbruch und es wird nicht lange dauern, bis er im Grand-Slam-Finale steht.“ Im ersten Halbfinale eines der vier großen Turniere war Zverev über weite Strecken gleichauf, am Ende verlor er 6: 3, 4: 6, 6: 7 und 6: 7.

Zverev verbirgt seine Nervosität

Gut zwei Stunden vor dem Beginn des bislang wichtigsten Spiels in Zverevs Karriere zeigte das Thermometer noch 38 Grad Celsius an. Der 22-Jährige spielte 1573 mit seinem sogenannten „Schlagpartner“ Sergej Bubka auf dem Turnierplatz. Die Hitze schien den Deutschen im Abschlusstraining nicht zu stören. Zverev sah konzentriert aus, ließ sich nicht von ein paar einfachen Fehlern verärgern und hatte das Gefühl, dass er nur in die große Rad Laver Arena wollte, um loszulegen.

Deutschlands bester Tennisspieler fand dieses Spiel sofort und knüpfte an seine früheren Leistungen in Melbourne an. „Ich war am Anfang sehr nervös, aber das ist normal“, sagte Zverev nach dem Spiel. Auf dem Platz war nichts zu spüren. Thiem, der Rafael Nadal bereits im Viertelfinale zu langen Rallyes gezwungen hatte, hatte sich diese Idee überlegt. Zverev akzeptierte diesen Spielplan jedoch zu Beginn hervorragend und brachte im ersten Satz beeindruckende 85 Prozent der österreichischen Aufschläge zurück. Nach 40 Minuten stand es 6: 3 für Zverev.

Das kurz vor Spielbeginn geöffnete Dach wurde nun wieder geschlossen. Draußen hatte es angefangen zu regnen. Die Hallenparty konnte erst jetzt so richtig beginnen. Und das Publikum, das sich im Vergleich zum Vorabend, als Roger Federer und Novak Djokovic im anderen Halbfinale gegeneinander antraten, zunächst merklich zurückhielt, wurde erst jetzt trotz der Hitze aufgetaut – und mitgerissen.

Unzählige Highlight-Ballwechsel prägten dieses Duell zwischen den beiden jungen Stars, und das Level stieg von Minute zu Minute. Dies war vor allem Thiem zu verdanken, der im zweiten Satz deutlich besser abschnitt und Zverev zu Fehlern zwang. Das im Tennis so oft beschworene siebte Spiel ging durch eine Pause an Thiem, der daraufhin den zweiten Satz mit 6: 4 gewann.

Kurz darauf kam es zu einer Unterbrechung, weil einige Deckenleuchten an der T-Linie nicht mehr funktionierten. Der DJ ließ die Bee Gees in der Pause durch die Lautsprecher dröhnen. Für einen Moment schien Zverev in der Pause den Fokus verloren zu haben. Das war aber falsch. Nach einem 1: 3-Rückstand gewann er drei Spiele hintereinander, verteilte immer wieder genau geschlagene Sieger und hatte sogar zwei gesetzte Bälle. Thiem, der inzwischen unter Bauchkrämpfen litt, fand seinen Weg zurück und gewann das Set im Tie-Break.

Zverev: „Ich muss auch fertig werden“

Der zweifache Finalist der French Open war in den entscheidenden Momenten aktiver und aggressiver. Zverev sah das auch so: „Das Spiel war sehr ausgeglichen, aber Dominic hat in den wichtigen Momenten einfach besser gespielt als ich. Vielleicht war er auch mutiger.“

Im vierten Satz hatten die Zuschauer ein ähnliches Bild: Das Spiel schwankte hin und her, wieder ging es in die Unentschieden und wieder war es nicht Thiem, der den Ball gewann, sondern Zverev, der diesmal einen doppelten Fehler machte und einen Fehler machte Overhead-Ball bis zu einem gewissen Grad sogar den fünften Satz und die Chance auf den Sieg. Nach drei Stunden und 42 Minuten war dieses denkwürdige Match endlich vorbei und Zverevs letzter Traum war geplatzt.

Der Deutsche musste sich zusammenreißen, um seine Enttäuschung zu verbergen: „Ich hatte so viele Chancen, so viele Breakballs (14)“, sagte Zverev. „Ich muss es das nächste Mal besser machen und es beenden.“ Aber – das war es auch, was Zverev in den Wochen von Melbourne geprägt hat – im nächsten Moment hob er auch die positiven Dinge hervor: „Ich habe hier gutes Tennis gespielt. Ich werde nicht aufhören und heute ist nichts zu Ende.“

Im Gegenteil: Zverev machte den nächsten Sprung in Australien, besonders wenn es um Sport ging. Während des gesamten Turniers beeindruckte er mit seinem ersten Aufschlag mit einer Quote von 79 Prozent, niemand im gesamten Männerfeld erreichte eine bessere Quote. Trotzdem waren Thiems Lobreden für Zverev nur ein kleiner Trost. Immerhin eine auf realistischer Basis.

Icon: Der Spiegel

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