Andrew Bailey wird neuer Gouverneur der Bank of England

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Bailey folgt auf Mark Carney, dessen Vertrag Ende Januar ausläuft. Der Kanadier hatte seinen Vertrag wegen der Brexit-Unsicherheit zweimal verlängert. Jetzt, da der ungeordnete Brexit abgewendet zu sein scheint, ist die lang ersehnte Zeit für die Übergabe gekommen.

Im Gegensatz zu Carney, der 2012 überraschend aus dem Ausland übernommen wurde, ist Bailey so etwas wie ein natürlicher Nachfolger. Er hatte seine gesamte Karriere bei der Bank of England verbracht. Zuletzt war er Leiter der PRA-Bankenaufsicht bei der Zentralbank und einer der Stellvertreter von Carney, bevor er 2016 an die Spitze der britischen Finanzaufsicht FCA wechselte.

Seit seiner Abreise war erwartet worden, dass Bailey eines Tages als Gouverneur zurückkehren könnte. Die Suche nach einem Nachfolger war jedoch langwierig und komplex. Baileys Chancen schienen zu sinken, nachdem die FCA in mehreren Finanzskandalen in diesem Jahr keinen guten Eindruck hinterlassen hatte. Bailey musste öffentlich Fehler eingestehen, es gab Rücktrittsgesuche.

Zuletzt galt Minouche Shafik als Favorit. Anfang dieser Woche hatten mehrere Medien den Ökonomen der London School of Economics im Visier. Last but not least hätte die Regierung mit der Ernennung der ersten Frau an der Spitze der Zentralbank der Kritik entgegenwirken können, dass die Organe der Zentralbank zu stark auf Männer ausgerichtet seien. Allerdings sei Shafik in den vergangenen Tagen mitgeteilt worden, dass sie nicht mehr in der Auswahl stehe, berichtete die "FT".

Bailey ist diplomatisch

Ein Grund soll ihre Haltung gegenüber dem Brexit gewesen sein. Wie Carney ist Shafik ein entschiedener Gegner des Austritts aus der EU. Der Kanadier hatte die konservative Regierung wiederholt verärgert, indem er vor den wirtschaftlichen Folgen des Brexit gewarnt hatte. Anscheinend wollte Johnson diese Erfahrung nicht noch einmal machen.

Bailey ist diplomatischer. Als Leiter der Finanzaufsicht war es ihm immer peinlich, neutral zu bleiben und sich auf die operativen Herausforderungen des Brexit zu konzentrieren. In Grundsatzreden hatte er mehrfach darauf hingewiesen, dass die Regulierung des Finanzsektors nach dem Brexit flexibler werde: Sie sei weniger regelbasiert und ergebnisorientierter. Sowohl die Bank of England als auch der FCA haben jedoch immer betont, dass sie weiterhin auf strenge Regulierung setzen werden.

In ersten Reaktionen wurde Bailey als gute Wahl begrüßt. Er sei "eine sichere Wahl", sagte Simon French, Chefökonom bei Broker Panmure Gordon, der BBC. Er war der "fähigste Beamte", mit dem er bei der Zentralbank zusammengearbeitet hatte. hat Nick Macpherson, ehemaliger Finanzsekretär, getwittertBailey hatte in der Finanzkrise bewiesen, dass er auch unter Druck ruhig blieb. Er würde keine unnötigen Wellen schlagen.

Der Doktor der Wirtschaftsgeschichte ist mit der politischen Professorin Cheryl Schonhardt-Bailey verheiratet, die an der London School of Economics unterrichtet. Sie haben zwei erwachsene Kinder.

Der neue Gouverneur nimmt seine Aufgaben in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wahr. Seit der Finanzkrise sind die Banken besser auf alle möglichen Schocks vorbereitet und haben ihre Kapitalbasis gestärkt. Aber wie alle Zentralbanker wird Bailey mit dem Problem konfrontiert sein, dass die Geldpolitik angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus an ihre Grenzen zu stoßen scheint.

Darüber hinaus steckt die Bank of England seit Jahren in einer Art Brexit-Rigidität. Ein chaotischer Brexit mag zunächst abgewendet werden, aber die Unsicherheit über das künftige Verhältnis zur EU und die Belastung der britischen Wirtschaft bleibt bestehen.

In jedem Fall hat Bailey eine wichtige Eigenschaft für den Job: Als Chef der FCA ist er an scharfe Kritik gewöhnt. Einmal wurde er im Finanzausschuss des Unterhauses bissig gefragt, ob er zu Bankern zu nett sei. Bailey antwortete: "Ich stehe morgens nicht auf, um geliebt zu werden."

Mehr: Ein Dienstleister der Bank of England hat den Audio-Feed von Pressekonferenzen heimlich an Hedgefonds verkauft. Dies verschaffte den Hochfrequenzhändlern einen Zeitvorteil gegenüber dem Markt.

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