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Angst schwächt die Messen

Düsseldorf Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona ist das größte Treffen der Mobilfunkbranche. Über 100.000 Geschäftsleute aus aller Welt kommen im Februar nach Spanien, um die Innovationen von Konzernen und Start-ups zu bestaunen.

In diesem Jahr dürfte die Messe, die am 24. Februar startet, deutlich kleiner ausfallen: Zwei wichtige Aussteller haben bereits aufgrund des Koronavirus abgesagt. Nach dem koreanischen Elektronikhersteller LG gab auch der schwedische Netzwerkanbieter Ericsson am Freitag seine Kündigung bekannt.

Die Gruppe gab am Freitag bekannt, dass sie aufgrund einer „detaillierten internen Risikobewertung“ beschlossen habe, sich zurückzuziehen. Der Mobilfunkverband GSMA, der die Konferenz organisiert, hat alles getan, um das Risiko zu kontrollieren.

“Aber als einer der größten Aussteller hat Ericsson jeden Tag Tausende von Besuchern in seiner Halle”, sagte Ericsson-Chef Börje Ekholm. Selbst wenn das Risiko gering ist, kann das Unternehmen die Gesundheit und Sicherheit von Mitarbeitern und Besuchern nicht garantieren.

Die Angst vor dem Koronavirus aus China hat internationale Messen getroffen und wirkt sich nun auch auf das Geschäft außerhalb Chinas aus. Nirgendwo spiegelt sich die Globalisierung der Welt so stark wider wie in den Innovationsschauen der Wirtschaft. Zumal China in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Messeländer unter Ausstellern, Veranstaltern und Besuchern geworden ist.

Die Folgen des Koronavirus sind auf deutschen Messen längst spürbar. Mit rund 17.000 Ausstellern und rund 100.000 Besuchern pro Jahr ist die Volksrepublik ein wichtiger Teilnehmer in diesem Land. Die Hallen der vor einer Woche zu Ende gegangenen Spielwarenmesse in Nürnberg waren deutlich leerer als üblich. Nur zwei von 300 chinesischen Ausstellern stornierten. Allerdings kamen nur 63.500 Einkäufer und Händler nach Nürnberg, rund 3.400 weniger als im Vorjahr. Der Veranstalter führte dies auf “Sorge um das Koronavirus” zurück.

Auf der internationalen Süßwarenmesse in Köln haben letzte Woche sieben von 70 Ausstellern aus China abgesagt. Mit 300 chinesischen Fachbesuchern kamen 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Koelnmesse hatte überall Vorräte und Spender mit Desinfektionsmitteln aufgestellt. Trotzdem hielten sich viele Gäste von der Messe fern. Die Besucherzahl ging um 2000 auf 37.000 zurück. Dies mindert auch das Einkommen von Hotels, Restaurants und Taxiunternehmen, die ihre Haupttätigkeit auf Messen ausüben.

Auf der weltgrößten Konsumgütermesse Ambiente, die derzeit in Frankfurt stattfindet, stornierten 37 registrierte Unternehmen aus China. Das sind rund fünf Prozent der chinesischen Aussteller. Im Vorjahr war die Volksrepublik mit 4880 Besuchern das drittwichtigste Teilnehmerland.

“Sicherlich werden nicht alle Chinesen, die an der Messe teilnehmen wollten, in naher Zukunft nach Deutschland kommen können – schon wegen der reduzierten Flugverbindungen”, erwartet der Verband der deutschen Messewirtschaft Auma. Viele Stände würden jedoch mit Firmenpersonal aus Europa ausgestattet sein. Dies gilt auch für die Besucherseite.

Huawei mit strengen Quarantäne-Bestimmungen

Was die deutschen Messeveranstalter viel stärker betrifft, ist der Einfluss des Virus auf ihr internationales Geschäft. Schließlich ist China der wichtigste Auslandsmarkt. Deutsche Veranstalter organisieren jährlich rund 90 Messen in der Volksrepublik. Besonders betroffen ist die Messe Frankfurt, die mehr als 40 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erzielt.

In China müssen einige wichtige Frankfurter Messen auf Anordnung der Behörden verschoben werden. Dazu zählen Prolight + Sound, Asiamold und die SIAF-SPS Industrial Automation Fair in Guangzhou. Betroffen sind auch Toy & Edu China in Shenzhen, die Intertextile Shanghai Apparel und die Auto Maintenance and Repair Expo in Peking. Auch die Frankfurter Niederlassung der Automechanika in Ho-Chi-Minh-Stadt (Vietnam) findet vorerst nicht statt.

“Mögliche Konsequenzen sind derzeit noch nicht absehbar”, erklärt die Messe Frankfurt. Es wird davon ausgegangen, dass die verschobenen Messen zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden. „Dies bedeutet, dass die gegenseitige Erbringung von Dienstleistungen gilt. Alles weitere besprechen wir mit unseren Kunden. ”

Es ist offen, ob alle Veranstaltungen verschoben werden können. “Das Verschieben von Messen ist nie einfach”, sagt der Auma-Messeverband. “Der Veranstalter muss auf dem oft dicht besiedelten Messegelände einen neuen Termin finden, der auch den Interessen der Aussteller entspricht.”

In jedem Fall entstehen allen Beteiligten spürbare Kosten. Messeveranstalter sind in der Regel versichert. „Das Koronavirus ist jedoch höhere Gewalt. Schadensersatzansprüche aus dem Aufschub einer Messe für Aussteller, Veranstalter oder sonstige Betroffene können somit nicht geltend gemacht werden “, erklärt Koelnmesse.

Kann das Koronavirus die Weltwirtschaft langfristig schädigen?

So muss das Unternehmen aus der Domstadt die Messe für die Möbelherstellung Interzum in Guangzhou von Ende März auf unbestimmte Zeit verschieben. Die Art Basel hat ihre Filiale in Hongkong aufgelöst und zwei Schmuckmessen wurden ebenfalls von März auf Mai verschoben. Die bekannte Beijing Motor Show steht Ende April auf dem Programm. Die Autohersteller befürchten nun, dass diese Messe aufgrund des Coronavirus ebenfalls verschoben wird.

In jedem Fall dürfte der Mobile World Congress in Barcelona durch das Koronavirus deutlich geschwächt werden. Der Mobilfunkverband kann damit rechnen, dass nach LG und Ericsson weitere große Aussteller einen Teil ihrer Veranstaltungen absagen oder zumindest absagen werden.

Der Aufruf des Verbandes klingt fast verzweifelt: Es ist von großer Bedeutung, die Branche weiterhin “in dieser kritischen Zeit, in der die Konnektivität an der Schwelle einer neuen industriellen Revolution steht”, zusammenzurufen.

Der Branchenverband kündigte vorsorgliche Maßnahmen für die Messe an. Zum Beispiel will er die medizinische Versorgung vor Ort ausbauen und eine kostenlose Service-Hotline einrichten. Öffentliche Orte wie Toiletten sollten in kurzen Abständen desinfiziert werden. Der Verband empfahl außerdem allen Teilnehmern, sich nicht die Hand zu geben.

Der chinesische Netzwerkanbieter Huawei hat angekündigt, strenge Quarantäneregelungen für seine chinesischen Mitarbeiter anzuwenden. Wer vom chinesischen Festland nach Barcelona will, wird zunächst für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt und medizinisch überwacht, um sicherzustellen, dass die Betroffenen nicht infiziert sind, aber noch keine Symptome zeigen.

Mehr: Je mehr Peking gegen Corona vorgeht, desto größer sind die Konsequenzen für die Realwirtschaft. Chinas Gewicht in der Welt macht die Krise gefährlich.

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