Athen will Geldhäuser mit Bad Bank schützen

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Athen Die Corona-Pandemie stürzt Griechenland in eine tiefe Rezession. Für die Geschäftsbanken kommt der wirtschaftliche Absturz zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Sie hatten gerade begonnen, den Berg der notleidenden Kredite abzutragen, um ihre Bilanzen zu bereinigen. Diese Konsolidierung gerät nun ins Stocken. Auf die Geldinstitute kommt eine neue Welle von Kreditausfällen zu.

Branchenexperten rechnen damit, dass die Summe der notleidenden Kredite um zehn bis 15 Prozent ansteigen wird. Das werde „die Kapitalposition der griechischen Banken schwächen“, fürchtet Jakob Suwalski, Griechenland-Experte bei der deutschen Ratingagentur Scope Ratings, und zwar „trotz der Flexibilität, die die europäischen Behörden den Banken bei der Entscheidung über die Einstufung von Krediten als notleidend gewährt haben“.

Dabei hat Griechenland die Corona-Pandemie bisher gut gemeistert. Früher als in anderen europäischen Ländern führte die Regierung in Athen Kontaktsperren ein und fuhr die Wirtschaft herunter, vorsichtiger als andere lockert sie jetzt die Beschränkungen. Mit 14 Covid-19-Toten auf eine Million Einwohner steht das Land im europäischen Vergleich sehr gut da. In Deutschland ist die Zahl sechsmal so hoch. Aber wirtschaftlich trifft Corona das Land härter als alle anderen Staaten der EU. Die EU-Kommission prognostiziert den Griechen für dieses Jahr einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 9,7 Prozent.

Der Hauptgrund ist die hohe Abhängigkeit des Landes vom Tourismus. Er steuert nach Berechnungen des World Travel & Tourism Council (WTTC) direkt 21 Prozent zum BIP bei und stellt jeden vierten Arbeitsplatz. Indirekt geht sogar fast ein Drittel der Wirtschaftsleistung auf das Konto des Tourismus, so eine Studie des Branchenverbands SETE. Wie die griechische Wirtschaft insgesamt ist auch der Tourismussektor kleinteilig aufgestellt.

Viele der 10 121 Hotels sind Familienbetriebe. Das macht den Charme des Urlaubsziels Griechenland aus. Aber die meisten dieser Unternehmen sind schwach kapitalisiert und haben wenig Liquiditätsreserven. Wie viele von ihnen die Krise überleben werden, ist ungewiss. Laut einer Umfrage im Auftrag der griechischen Hotelkammer fürchten zwei von drei Hotelbesitzern, dass Corona sie in die Pleite treibt. Jeder fünfte Hotelier ist sogar „ziemlich sicher“, dass er infolge der Pandemie Insolvenz anmelden muss.

Ermutigt durch die seit 2013 ununterbrochen steigenden Urlauberzahlen, haben viele Hoteliers in den vergangenen Jahren Darlehen für den Bau neuer Häuser und die Modernisierung bestehender aufgenommen. Nicht nur diese Forderungen geraten in Gefahr. Auch viele Kreditnehmer, die in den vergangenen Jahren mit den Banken Umschuldungen ausgehandelt haben, könnten jetzt erneut in Zahlungsschwierigkeiten geraten.

Fortschritte zunichtegemacht

Dabei hatten die vier systemischen griechischen Geschäftsbanken – Piraeus Bank, National Bank of Greece, Eurobank und Alpha Bank – in den vergangenen Jahren gute Fortschritte beim Abbau der Problemkredite gemacht. Sie bauten die Summe der nicht mehr bedienten und akut ausfallgefährdeten Forderungen (NPE) mit Abschreibungen, Verkäufen und Umschuldungen von 107,2 Milliarden Euro im Jahr 2006 auf jetzt unter 70 Milliarden ab. Die Summe entspricht allerdings immer noch 40 Prozent der ausgereichten Darlehen. Das ist mit Abstand die höchste Quote in der Euro-Zone.

Bis Ende 2021 planten die Banken den Anteil der NPE auf 20 Prozent zu halbieren. Wichtigstes Instrument dabei sollte der vom Finanzministerium ausgearbeitete „Plan Herkules“ sein. Er sieht vor, dass die Banken notleidende Kredite verbriefen und in ein sogenanntes Asset Protection Scheme (APS) auslagern. Das APS fungiert als eine Art Risikoabsicherung. Dazu stellt der Staat Bürgschaften bereit, um die vorrangigen Papiere zu unterlegen. Die staatlich garantierten Forderungen können auf diese Weise in den Bankbilanzen verbleiben. Das stärkt die Kapitalisierung der Institute.

Aber nun wächst der Berg der Problemkredite wieder. Theodoros Kalantonis, CEO des Kreditverwerters Eurobank FPS, erwartet, dass die Coronakrise zu Kreditausfällen von sieben bis zehn Milliarden Euro führen wird. Damit könnte die Summe der notleidenden Forderungen auf 80 Milliarden Euro anwachsen.

„Zugleich verzögern sich die Verbriefungen der Problemkredite wegen der erhöhten Risikoaversion aufgrund des Covid-19-Schocks“, erklärt Scope-Analyst Suwalski. Die griechischen Banken seien zwar dank guter Kapitalisierung nicht unter unmittelbarem Verkaufszwang, sagt Suwalski. Auch gebe es seitens der europäischen Bankenaufsichtsbehörden keinen Verkaufsdruck. „Aber das Kernproblem ist, dass die hohen NPE-Bestände negative Auswirkungen auf die Kreditvergabe der Banken an die Wirtschaft haben, die gerade jetzt dringend notwendig ist“, meint der Griechenland-Experte.

Details bis Ende Mai

Um Druck von den Geldinstituten zu nehmen, arbeitet die griechische Notenbank jetzt an Plänen für eine Bad Bank. Einzelheiten will sie bis Ende Mai den Geschäftsbanken, der Regierung und der Euro-Bankenaufsicht SSM vorlegen. Die Zentralbank sieht ihren Vorschlag nicht als Ersatz für den „Herkules“-Plan der Regierung, sondern als Ergänzung. Das Konzept sieht vor, dass die Geldinstitute Problemkredite, deren Verbriefung sich wegen der widrigen Marktlage verzögert, in eine Bad Bank überführen können. Man brauche jetzt eine schnelle Lösung der NPE-Problematik, heißt es in Zentralbankkreisen. Es gehe darum, die Banken zu entlasten und sie in die Lage zu versetzen, der Wirtschaft dringend benötigte Liquidität bereitzustellen.

Überlegungen für die Gründung einer europäischen Bad Bank gibt es derzeit auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Idee stößt aber auf regulatorische Hürden. Überdies tangiert sie die politisch heikle Frage einer steuerfinanzierten Bankenrettung. Eine nationale Lösung, wie sie jetzt die Athener Notenbank vorschlagen will, ließe sich einfacher umsetzen.

Auch Scope-Analyst Suwalski sieht Vorteile in einer nationalen Bad Bank: „Solche Systeme haben sich auf nationaler Ebene als wirksam erwiesen, wenn sie landesspezifisch ausgelegt sind.“ Problemkredite könnten so aus den Bankbilanzen herausgenommen und die Vermögenswerte nach Auflösung der Darlehen in einem festgelegten Zeitraum an die Banken zurückverkauft oder anderweitig veräußert werden, erläutert der Griechenland-Experte.

Die Europäische Bankenaufsicht hat zwar regulatorische Maßnahmen beschlossen, um den Geldinstituten Luft zu verschaffen. Dennoch ist der Wiederanstieg der faulen Kredite für die griechischen Banken und ihre Aktionäre ein gefährlicher Trend. Die vier systemischen Institute mussten in den Krisenjahren 2012 bis 2015 bereits dreimal mit insgesamt 50,6 Milliarden Euro rekapitalisiert werden. Davon kamen 42,3 Milliarden vom staatlichen Bankenrettungsfonds HFSF und 8,3 Milliarden von privaten Investoren. Sollte sich jetzt neuer Kapitalbedarf ergeben, könnte das die Verstaatlichung der Geldhäuser bedeuten.

Mehr: Das Coronavirus durchkreuzt Athens Privatisierungspläne

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