Auch die Gaspreise für den nächsten Winter fallen bereits, aber ein neuer Unsicherheitsfaktor kommt hinzu

Aufgrund des milden Wetters und gut gefüllter Lager fallen die Gaspreise weiter. Selbst für Gas, das erst im nächsten Winter geliefert wird, zahlen Händler „nur“ etwa 70 Euro pro Megawattstunde. Im Moment sind die Aussichten vielversprechend, aber der aktuelle Winter wird noch lange dauern, warnen Experten.

Anton Goegebeur

Händler, die in zwölf Monaten Gas wollen, zahlen dafür jetzt rund 70 Euro pro Megawattstunde. In den Sommermonaten, als die Angst vor einem strengen Winter groß war, zahlten Händler mehr als 300 Euro. Das ist bemerkenswert, denn noch mehr als dieser Winter 2023-2024 wäre eine große Bewährungsprobe für die europäische Energieversorgung.

„Die große Panik am Markt ist vorbei“, sagt Energieexperte Kris Voorspools. Europa ist in den vergangenen Wochen zu keinem Zeitpunkt auf Probleme gestoßen. Es gab immer genug Benzin, auch während der heftigen, aber kurzen winterlichen Stachelsaison. Eine wichtige Erklärung: Als Alternative zu den russischen Pipelines tauchten in ganz Europa Terminals für Flüssiggas (LNG) auf. Zudem reduzierten die hohen Preise und die überwiegend milde Witterung die Gasnachfrage. Viele Länder verfügen daher noch über gut sortierte Vorräte.

Laut Voorspools können diese Vorräte unsere Hausaufgaben für den nächsten Winter erheblich erleichtern. „Normalerweise werden sie im Sommer aufgefüllt, aber jetzt gibt es ein Szenario, dass wir diesen Winter mit vollen Beständen herauskommen werden. Dann wird es im Sommer weniger Nachfrage geben und der Preis kann viel niedriger sein.“

Aber es bleibt knifflig. Der Winter ist noch lange nicht vorbei. „Ein starker Frost im Februar oder März wird die Nachfrage und die Preise wieder erhöhen. Der Gaspreis bleibt jedoch hoch. Bis vor zwei Jahren waren 20 Euro normal und 30 Euro absolut außergewöhnlich“, sagt Voorspools.

Faktor der Unsicherheit

Der aktuelle Rückgang sei ein Glücksfall, sollte uns aber nicht beruhigen, sagt Energieexperte Bram Claeys. „Die zugrunde liegenden strukturellen Gründe für die hohen Preise bleiben bestehen: Krieg in der Ukraine, dezimierte Gaslieferungen aus Russland und stockende französische Atomkraftwerke.“ Die niedrigeren Preise können zu einer höheren Nachfrage der Verbraucher führen, was wiederum den Preis beeinflusst.

China ist laut Claeys ein wichtiger Unsicherheitsfaktor. „Dort galten lange strenge Corona-Maßnahmen. Wie werden sich dort die Wirtschaft und die Gasnachfrage erholen? In Europa konnten wir im vergangenen Jahr unsere Reserven auffüllen, auch weil die Nachfrage in China gering war. Das kann sich ändern und das wird uns dann betreffen.“

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