Auch Magen-Darm-Grippe-Viren verbreiten sich über den Speichel

Durchfall verursachende Magen-Darm-Grippe-Viren wie Norovirus und Rotavirus sind ebenfalls über Speichel ansteckend. Dies geht aus einem Test hervor, der zeigte, dass infizierte Mäusewelpen die Viren durch ihren Speichel auf die Muttermaus übertragen konnten, die sie säugte.

Bisher gingen Forscher davon aus, dass Magengrippe-Erreger nur durch fäkale Kontamination entstehen, doch nun scheint es einen zweiten Weg zu geben. An diesem Mittwoch erschien in Natur eine Veröffentlichung mit den neuen Erkenntnissen.

Die Entdeckung des Speichelwegs geht auf eine Studie zurück, in der der Forscher Nihal Altan-Bonnet von den National Institutes of Health in den Vereinigten Staaten den Verlauf einer Gastroenteritis bei neugeborenen Mäusen verfolgen wollte. Diese Tiere sind noch so jung, dass sie noch kein eigenes Abwehrsystem entwickelt haben, wodurch sie auf Antikörper der Mutter angewiesen sind, die sie über die Milch bekommen.

Muttermilch-Antikörper

Mäuse, die mit einem Norovirus oder einem Rotavirus infiziert waren, entwickelten drei bis fünf Tage nach der Infektion den höchsten Viruspeak in ihrem Darmtrakt, wonach die Infektion sieben bis zehn Tage nach der Infektion vollständig verschwunden war. Am dritten Tag der Infektion sahen die Forscher, dass die Konzentration der Antikörper im Darm des Jungen stark angestiegen war, parallel zur Konzentration der Antikörper in der Muttermilch. Weitere Untersuchungen zeigten, dass sich das Virus auch in der Brustdrüse der zuvor nicht infizierten Mutter aktiv vermehrte. Diese Infektion löste offenbar die Antikörper aus, von denen der Junge später profitierte.

Aber wie hat sich die Mutter angesteckt? War das nicht durch Kontamination durch Poop durch ihren Mund? Um dies weiter zu untersuchen, infizierte das Team absichtlich eine Muttermaus, die gerade geboren hatte, durch den Mund. Das führte zwar zu einer Darminfektion, aber die Milchdrüsen blieben virusfrei und es war kein Anstieg der Antikörper in ihrer Milch nachweisbar. Ein zweites Experiment bestätigte dies, bei dem die infizierten Welpen einer Mutter nach einem Tag gegen nicht infizierte Welpen und Mutter ausgetauscht wurden. Zwei Tage später hatten beide Mütter nachweislich viel Virus in den Milchdrüsen und alle Welpen waren auch infiziert. Das Virus wurde also vom Welpen auf die Mutter übertragen und umgekehrt.

Das Team von Nihal Altan-Bonnet führte dann einen Speicheltest mit erwachsenen Mäusen durch (dafür waren die Welpen noch zu klein). Zwei Tage später, nach der Ansteckung, konnte eine große Virusmenge im Speichel gemessen werden, die bei manchen Virusstämmen noch mindestens drei Wochen danach messbar blieb. Der Speichel erwies sich als ansteckend für andere erwachsene Mäuse und Welpen.

Die Entdeckung ist eine große Neuigkeit in der Wissenschaft von Infektionskrankheiten

Das sind große Neuigkeiten bei Infektionskrankheiten. In der wissenschaftlichen Literatur wurde oft beschrieben, dass manchmal Magenviren im Speichel eines Patienten vorhanden sein können. Doch das galt bisher immer als Überlaufen des Magen-Darm-Infekts. Größere Gastroenteritis-Ausbrüche – die auf Kreuzfahrtschiffen berüchtigt sind – werden daher stets durch Isolierung der Patienten, gründliche Desinfektion von Oberflächen, insbesondere sanitären Anlagen, und strenge Hygienemaßnahmen bekämpft. Aber diese zielen alle darauf ab, eine fäkal-orale Übertragung zu verhindern.

Kann die Übertragung auch über Speichel erfolgen, wie Altan-Bonnet bei den Mäusen zeigte, kommen auch Husten, Niesen und Küssen als Ansteckungsrisiko in Betracht. Auch bei einer asymptomatischen Ausbreitung des Virus könnte eine Speichelübertragung eine Rolle spielen, zumal Magen-Grippe-Viren teilweise auch im Speichel von Personen nachgewiesen wurden, die sonst keine Symptome aufwiesen.

Jedes Jahr infizieren sich weltweit schätzungsweise eine Milliarde Menschen mit Magenviren, die Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen verursachen. Es verursacht eine erhebliche Krankheitslast und in schweren Fällen den Tod, insbesondere bei sehr kleinen Kindern und älteren Menschen. Austrocknung ist die größte Gefahr.

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