Beethovenfest Bonn – Klassik wird politisch | Kunst.21 – Das Kulturmagazin | DW

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Es sind turbulente Zeiten in Osteuropa. Im Jahr 2020 wurde ein Volksaufstand in Belarus unterdrückt und das darauf folgende Vorgehen gegen abweichende Künstler geht weiter. Unterdessen bedroht Putins Invasion in der Ukraine im Februar weiterhin die nationale und kulturelle Identität des Landes. Der weißrussische Dirigent Vitali Alekseenok und seine Kollegen in Kiew und Minsk sehen sich gezwungen, politisch Stellung zu beziehen: „Wir hatten keine Zeit zum Weinen, zum Nachdenken – wir müssen reagieren, wir müssen handeln“, sagt Alekseenok.

Im Juni 2021 wurde er künstlerischer Leiter des Kharkiv Music Fest, das während des Krieges Konzerte in Luftschutzbunkern, U-Bahnen und Krankenhäusern der Stadt veranstaltete. Jetzt hat er den Sophia Chamber Choir aus Kiew, den Free Choir aus Minsk und den Gewandhaus-Jugendchor aus Leipzig für das vom Beethovenfest und der Deutschen Welle initiierte „Campus Project: Eastern Europe“ zusammengebracht.

Der Freie Chor veranstaltete während der Proteste in Weißrussland gegen Diktator Alexander Lukaschenko Flashmobs, die weltweit Aufsehen erregten. Mitglieder des Chores wurden anschließend eingesperrt und gefoltert. Sie tragen jetzt Masken, wenn sie in der Öffentlichkeit auftreten, um ihre Sicherheit zu schützen. Der 2007 gegründete Sophia Chamber Choir ist heute ein fester Bestandteil der Kiewer Kulturlandschaft. Der Krieg hat die Wahrnehmung ihrer Rolle und Identität verändert. Heute sieht sich der Chor als kultureller Botschafter seines Landes und hofft, mit seinen Konzerten zur Stimmungsaufhellung beitragen zu können. Ein Höhepunkt des Campuskonzerts des diesjährigen Festivals war die Uraufführung von „The Sky of Mary“, einem Auftragswerk der Deutschen Welle. Die belarussische Komponistin Olga Podgaiskaya widmete „The Sky of Mary“ ihrer Kindheitsfreundin Maria Kolesnikova, einer prominenten Aktivistin in Belarus und einer erbitterten Gegnerin von Lukaschenko, der derzeit hinter Gittern sitzt. Arts.21 begleitete Vital Alekseenok und die Musiker bei den Proben in Warschau und beim Konzert, das Anfang September stattfand.

Wir trafen auch Tatsiana Khomich, Kolesnikovas Schwester, die uns erzählte, wie viel Musik der inhaftierten Aktivistin bedeutet. Arts 21 fragt: Wie überleben Kunst und Kultur in Zeiten von Krieg und Unterdrückung? Welche Rolle kann es spielen?

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