Beta Samati: Gebet am Rande der Sahara – Wissen

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Die Luft im Hochland von Nordäthiopien ist staubig und trocken. Die Berge erheben sich am Horizont. In dieser Region haben Archäologen in Beta Samati die Überreste der ältesten christlichen Kirche südlich der Sahara ausgegraben. Das Sakralgebäude war einst etwas mehr als 18 Meter lang und 12 Meter breit. Es wurde im 4. Jahrhundert n. Chr. In Form einer Basilika errichtet, als der römische Kaiser Konstantin I. das Christentum 313 n. Chr. Legalisierte.

Das Gebäude und andere religiöse Funde wie Steinamulette mit Kreuzen sind erstaunlich, denn sie zeigen, wie früh sich die neue Religion in Afrika verbreitete, schreibt ein internationales Forscherteam unter der Leitung des amerikanischen Archäologen Michael Harrower von der Johns Hopkins University im Fachmagazin Antike,

Die Siedlung Beta Samati mit ihren Kirchen-, Wohn- und Lagergebäuden wurde einst von den Aksumiten erbaut, einem rätselhaften Volk, das in der Spätantike im Nordosten Afrikas ein Handelsimperium errichtete. Die Entdeckung, insbesondere des großen Sakralbaus aus dem 4. Jahrhundert nach Christus, legt nahe, dass sich das Christentum über Fernhandelsnetze schnell verbreitete. Aksum war damals ein wichtiger Knotenpunkt auf dem Weg vom Mittelmeer über das Rote Meer nach Zentralafrika und Südasien.

Der Ort war eine Drehscheibe für Olivenöl, Silber und Wein aus dem Mittelmeerraum

Die Forscher entdeckten 2009 die ersten Spuren von Beta Samati, gefolgt von weiteren Ausgrabungen. "Das Reich von Aksum war eine der einflussreichsten Zivilisationen der Antike", sagte Harrower. "Aber wir wissen wenig über diese Kultur." Es ist nur bekannt, dass es eine Drehscheibe für Silber, Olivenöl und Wein aus dem Mittelmeerraum und Eisen, Glasperlen oder Obst aus Städten am Indischen Ozean war.

Unter den Funden befinden sich – zusätzlich zu den christlichen Artefakten – einige Schmuckstücke wie ein Gold- und Karneolring mit dem Bild eines Stierkopfes und andere Darstellungen von Rindern. Diese zeigen, dass sich das Hochland von Äthiopien zu dieser Zeit in einer Übergangsphase befand. Vorchristliches heidnisches Denken war zu dieser Zeit ebenso präsent wie römische Einflüsse und die Bezüge zu den ersten christlichen Traditionen. Zum Beispiel wurde ein Kreuz und das alte äthiopische Wort "ehrwürdig" auf einen Steinanhänger geschnitzt.

In der Nähe der Ostwand der Kirche stießen Archäologen auf eine Inschrift, in der sie gefragt wurden: "Christus sei freundlich zu uns." Um die Kirche herum befanden sich auch einige weltliche Gegenstände, Tierfiguren und Siegel, die höchstwahrscheinlich in der Verwaltung verwendet wurden. Die Basilika war offensichtlich kein rein religiöser Ort und auch ein Schmelztiegel für verschiedene kulturelle Einflüsse. "Wir finden eine ungewöhnliche Mischung aus heidnischen und frühchristlichen Elementen", sagt Harrower.

Bisher gab es nur einen vagen Bericht darüber, wie Äthiopien zu einem christlichen Reich wurde. Ein griechischsprachiger Missionar namens Frumentius soll den aksumitischen Herrscher Ezana Mitte des vierten Jahrhunderts bekehrt haben. In Beta Samati fanden die Forscher konkrete Informationen, wie sich so etwas erstmals im Alltag als bunter Mix verschiedener Traditionen bemerkbar macht. Die Region wurde von Archäologen als "Kontaktzone" bezeichnet, als Austauschort für verschiedene Kulturen.

Die Archäologen wollen nun weitere Beweise für die weit verzweigten alten Handelsnetze in Beta Samati im Hochland von Äthiopien finden und so auch mehr über die Machtstrukturen des mysteriösen Königreichs der Aksumiten erfahren. Die Region ist immer etwas Besonderes. Die christliche Tradition hält bis heute im Hochland von Äthiopien an.

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