Condor: Flugbegleiter müssen mit Arbeitsplatzverlust rechnen – SPIEGEL ONLINE

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Mit dem Ferienflugzeug Condor sind weitere Arbeitsplatzverluste geplant. Rund 150 Vollzeitstellen sollen nach Angaben der Geschäftsführung bei rund 2.500 Kabinenmitarbeitern abgebaut werden, ein "vorhandener Personalüberschuss".

Ver.di zufolge wurde vereinbart, diesen Abbau auf sozialverträgliche Weise durchzuführen. Das heißt: Entlassungen sollten zunächst vermieden werden. Bis Ende Januar 2020 wird es ein Freiwilligenprogramm und möglicherweise auch eine Transferfirma geben.

Wenn nicht genügend Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausscheiden, könnte das dramatisch werden: Condor-Chef Ralf Teckentrup hat in Gesprächen mit Gewerkschaftern immer wieder betont, dass Mitarbeiter mehr Zugeständnisse machen müssen, wenn ein Investor gefunden werden soll. Er forderte eine Senkung des Gehalts und eine Erhöhung des Mehrstundenlimits. Berichten zufolge handelt es sich um Konzessionen im zweistelligen Millionenbereich.

Ver.di wandte sich auch wegen Überstunden an Condor. Flugbegleiter können nun länger im Dienst sein als bisher im Tarifvertrag vorgesehen. In bestimmten Fällen ist es sogar nicht erforderlich, eine "Flugzulage" zu zahlen.

Kürzungen im Urlaub zahlen

Die Mitarbeiter sollten auch die Urlaubsvergütung kürzen. Vor kurzem gab es eine Pauschale von 1075 Euro, jetzt wird sie vom Ergebnis des Condor abhängig gemacht. Aus einem Vorsteuergewinn von 90 Millionen Euro werden nur 150 Euro ausgezahlt. Um den laufenden Zahlungen noch näher zu kommen, müsste der Gewinn mindestens 130 Millionen Euro betragen.

Purser, wie Kabinenchefs genannt werden, können dem Papier zufolge künftig auch "grundsätzlich als Flugbegleiter" eingesetzt werden. Immerhin, schreibt die Gewerkschaft, wurde die Zusicherung gegeben, dass Condor "als Ganzes erhalten bleiben sollte". Es wurde auch vereinbart, dass Condor-Strecken mit Condor-Flugnummer nur mit Firmenflugzeugen und mit eigenem Kabinenpersonal geflogen werden sollten – eine sogenannte externe Navigation wäre nur beim Testen neuer Strecken möglich. Bis Ende 2023 sind betriebsbedingte Kündigungen "weitgehend ausgeschlossen".

Im Gegensatz zu Ver.di befindet sich die UFO-Kabinengewerkschaft noch in Verhandlungen – und sie ist hart im Nehmen. Wenn die Ergebnisse massiv von der Vereinbarung von Ver.di abweichen, könnte dies unangenehm sein. In einem solchen Fall ist die Gewerkschaft maßgeblich, die die meisten Arbeitnehmer vertritt. Es ist keineswegs klar, was das ist und zuerst bestimmt werden sollte.

Finanzinvestor als Interessent

Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass Condor dem UFO sehr entgegenkommt. Der Druck ist hoch, der Verkauf soll Ende März besiegelt werden.

Der US-Finanzinvestor Apollo gilt als Perspektive mit guten Chancen, die deutsche Fluggesellschaft zu übernehmen. Der milliardenschwere Private-Equity-Fonds ist bereits im Airline-Geschäft aktiv und hält Anteile an der spanischen Billigfluggesellschaft Volotea und einer Leasinggesellschaft für Flugzeuge. Bei Condor steht eine Flottenerneuerung an, Apollo könnte die Flugzeuge seines Vermieters problemlos bewegen. Insider halten es für denkbar, dass Apollo sich mit Reiseveranstaltern zusammenschließt, um den Condor-Vertrag zu gewinnen.

Es müsste jedoch sichergestellt werden, dass Condor zu mindestens 51 Prozent im deutschen Eigentum bleibt. Dies ist eine rechtliche Voraussetzung für die Erlangung der Lizenz zum Betrieb der Fluggesellschaft. Hier könnte ein Fundamentbau Sicherheit bieten, wie Lufthansa ihn bereits häufig genutzt hat.

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