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Corona zwingt die Nivea-Mutter zu retten

Düsseldorf Bei der virtuellen Hauptversammlung in Beiersdorf an diesem Mittwoch stand die Frage im Mittelpunkt: Welche Auswirkungen hat Corona auf das Geschäft des Konsumgüterherstellers mit Cremes, Deodorants und Klebstoffen? Reinhard Pöllath, Vorsitzender des Aufsichtsrats, machte deutlich, dass dies von Bedeutung sein würde: “Die Krise ist und bleibt eine schwere Belastung für Beiersdorf, für Händler und Geschäftspartner, für Aktionäre und Aktionäre für Sie alle”, sagte er .

Auch CEO Stefan de Loecker, der kurz darauf – natürlich frisch desinfiziert – ans Rednerpult kam, sagte: “Unsere Welt befindet sich im Ausnahmezustand.” Und: “Die Krise ist noch lange nicht vorbei.”

Eine gute Viertelstunde später in seiner Rede wurde der gebürtige Belgier, der bereits Anfang April die Prognosen für 2020 zurückgezogen hatte, noch deutlicher: Das Ausmaß der wirtschaftlichen Folgen der Koronakrise “kann noch nicht quantifiziert werden”. , aber sie “sind auch in Beiersdorf klar erkennbar”.

Und so kündigte der Beiersdorfer Chef, der seit Januar 2019 im Amt ist, an, dass er sparen werde: Aufgrund des erwarteten Umsatzrückgangs musste die Gruppe “Entscheidungen über Kosteneinsparungen treffen” und unterzeichnete eine Vereinbarung mit dem Namen “Solidarpakt”. Je nach Gruppierung leistet jeder im Konzern, vom Aufsichtsrat über den Vorstand bis hin zu den Führungskräften aller Mitarbeiter, einen Beitrag.

Insbesondere verzichten alle Mitglieder des Exekutivkomitees im Zeitraum von April bis Dezember auf 20 Prozent ihrer festen Vergütung, die nächste Führungsebene auf fünf Prozent ihrer festen Vergütung. Die Gruppen der leitenden Angestellten sowie der Lohn- und Nichtlohnangestellten würden ebenfalls einen Beitrag zu den Einsparungen leisten – nicht näher spezifiziert.

Trotz dieses Engagements für die Krise bemühte sich der seit über einem Jahr im Amt befindliche Leiter der Gruppe, optimistisch zu sein: “Beiersdorfs Fundamente sind stark genug, um diese beispiellose Krise gemeinsam zu meistern und zu überwinden – und in der Krise daraus hervorzugehen langfristig stärker. “

Rückblickend warf de Loecker einen weiteren klaren Blick in die Kamera: “2019 war ein starkes Jahr für Beiersdorf!” Zur Gruppe gehören Marken wie Nivea, Hansaplast und Labello. Das Unternehmen übertraf den Markt mit einem Wachstum von 4,1 Prozent, führte erfolgreiche Produktinnovationen ein, leitete den Einstieg in die Naturkosmetik ein und brachte den digitalen Wandel mit Innovationen, die 40 Prozent höher waren als im Vorjahr, deutlich voran.

Insbesondere die aktuelle Krise zeigt, wie elementar digitale Fähigkeiten sind. Der digitale Ruck in Beiersdorf, der die elementare Komponente der Konzernstrategie “Care +” von de Loecker darstellt, bedeutet, dass der Konsumgüterhersteller nun nach Bayer eines der ersten DAX-Unternehmen ist und zusammen mit Munich Re die Möglichkeiten von a nutzt rein virtuelle Hauptversammlung.

Die erste Online-Aktionärsversammlung begann jedoch nicht ohne Probleme: Bei der Einwahl war die Einwahl ruckartig, einige mussten Fehlermeldungen ignorieren oder es sogar ein zweites, drittes oder viertes Mal versuchen. Gleichzeitig ist sowohl in Beiersdorf als auch in einer anderen Gruppe klar: Der rein virtuelle Modus sollte zu der Gruppe passen, die sich mehrheitlich im Besitz der Tchibo-Gründerfamilie Herz und ihrer verbundenen Unternehmen befindet.

Auch wenn de Loecker zu Beginn seiner Rede zu den Aktionären sagte: “Der jährliche Austausch mit Ihnen ist mir wichtig”, findet er es schade, dass wir uns vor Ort nicht persönlich treffen können: Die Familie Herz ist stets bemüht, die Vertraulichkeit zu wahren, und die Gruppe ist dafür bekannt, nur das zu veröffentlichen, was ein börsennotiertes Unternehmen veröffentlichen muss.

Bei einem echten persönlichen Treffen hätte ein Versprechen des Aufsichtsratsvorsitzenden Pöllath Lacher vor der Frage-und-Antwort-Sitzung zur Verfügung gestellt: Er las den Satz “Wir haben alle Fragen beantwortet”, bevor der erste kam. Dann wandten sie sich natürlich den Folgen der Koronapandemie zu.

Darüber hinaus lag der Schwerpunkt vor allem auf Fragen der Akquisitionspolitik und der Dividende: Seit 2009 verteilt der einkommensstarke Konsumgüterkonzern, der für seinen soliden operativen Cashflow und gehorteten Barreserven von mehr als vier Milliarden Euro bekannt ist magere 70 Cent pro Aktie.

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Gleichzeitig ist nach dem Kauf der US-amerikanischen Sonnenschutzmarke Coppertone durch Bayer im vergangenen Jahr für knapp 500 Millionen Euro, zum Beispiel für den Investor und Großaktionär Deka, die Frage offen: „Das Geld ist da, die Preise sind gestiegen billiger – war Coppertone der einzige Deal oder sind weitere Akquisitionen geplant? “”

Hier wurde de Loecker so deutlich wie möglich: Akquisitionsplanung ist schwierig, alles hängt „von der sich bietenden Chance“ ab; von. Aber klar: “Wenn wir Chancen sehen, unsere Strategie durch Akquisitionen zu beschleunigen”, blieben Akquisitionen Teil der Strategie, “trotz der Krise in diesem Jahr und den kommenden Jahren”.

Vertreter der Schutzgemeinschaft für Investoren erkundigten sich auch nach dem Coppertone-Deal – der größten Akquisition in der Geschichte der Gruppe – und nach weiteren Einzelheiten zu Marktanteilen. Darüber hinaus schauen sich Aktionärsvertreter den Einstieg von Beiersdorf in den Naturkosmetikmarkt an.

Es boomt, aber der Hamburger Konsumgüterkonzern ist erst Ende 2019 dort angekommen – und zunächst nur auf den Testmärkten Italiens und Frankreichs. Auch hier gab de Loecker in seiner Eröffnungsrede zu, dass die Auswirkungen von Corona besonders gewalttätig sind und Prognosen daher erst viel später als ursprünglich erwartet gemacht werden können. Die SdK möchte daher mehr darüber erfahren, wann und warum Produkte auf dem deutschen Hauptmarkt so spät in Betracht gezogen werden.

Die Gruppe wird jedoch wahrscheinlich alle Fragen zu Corona umgehen oder ablehnen. In ihrer Rede zur finanziellen Situation machte CFO Dessi Temperley erneut deutlich: Das Wissen vom 2. April, als Beiersdorf seine Prognose für 2020 zurückzog und keinen neuen Hinweis auf die Unsicherheiten gab, gilt weiterhin. “Aufgrund der großen Unsicherheit können derzeit keine verlässlichen Prognosen abgegeben werden”, betonte der gebürtige Bulgare, der auf dieser Hauptversammlung hauptsächlich Englisch und jetzt Deutsch spricht.

Langsam und mit leichtem Akzent sagte sie am Ende ihrer Rede: Es war ihr immer noch wichtig zu sagen, dass “Beiersdorf finanziell auf sehr sicheren Füßen steht”. Immerhin hat der Konzern sein Geld schon lange aufbewahrt und verfügt derzeit über eine Nettoliquidität von mehr als vier Milliarden Euro. Hinzu kommen 9,99 Prozent der eigenen Aktien – das Maximum, das für börsennotierte Unternehmen zulässig ist -, die derzeit einen Wert von rund 2,4 Milliarden Euro haben.

Mehr: Die Bilanzprüfung zeigt, dass Beiersdorf eine Oase der Liquidität ist.

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