Das Fach Geographie ist umstritten

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SStändig werden neue Schulfächer nachgefragt. Wirtschaft, Gesundheit, Ökologie, Ernährung zum Beispiel. Keine dieser Forderungen kann leicht zurückgewiesen werden. Alles ist wichtig, alles ist nützlich, alles ist interessant und lehrreich, wenn es gut unterrichtet wird. Grundsätzlich könnte man aus fast allem ein Schulfach machen. Wenn nur gesagt würde, woher die entsprechenden Lektionen und Lehrer kommen sollen.

Jürgen Kaube

Die Forderung, den Zeitplan zu ändern, ergibt sich jedoch nicht aus dem Interesse an den entsprechenden Teilen der Welt. Vielmehr möchte man ein gutes Gewissen haben und alle Probleme in Schulen lösen, in denen die Erwachsenen versagen. Wirtschaftskurse sind überhaupt nicht erforderlich, weil diejenigen, die nach ihnen fragen, viel über ihn nachdenken. Vielmehr, weil Ministerien und Verbände durch wirtschaftswissenschaftlichen Unterricht ein angemessenes Verhältnis zur Bedeutung wirtschaftlicher Fragen bei jungen Menschen anstreben. Dies war besonders absurd nach der Finanzkrise im Jahr 2008, als einige vorgaben, es liege an mangelnden wirtschaftlichen Kenntnissen, weshalb es dringend notwendig ist, endlich an Schulen Wirtschaft zu unterrichten.

Ähnlich verhält es sich mit der Stärkung von Politik und Geschichte, die gerade in Hessen in den Fokus der Oberstufen gerückt wurde. Nicht, weil der Lehrplan irgendwelche Spuren historischen oder politischen Denkens enthielt. Sie sind so langweilig und erwartungsvoll wie immer. Sondern weil man den Schülern ihre bürgerliche Existenz näher bringen will.

Auf Kosten ihrer kosmopolitischen Existenz. Die Kosten für längere Schulzeiten in der Politik werden derzeit von der Geographie getragen, auf die der Bund Deutscher Schulgeographen seit langem hinweist. Nach seinen Angaben bieten nur sieben Prozent aller hessischen Schulen einen Fortgeschrittenenkurs in Geographie an. Der Großteil der Geographie wird auch von Lehrern unterrichtet, die etwas anderes studiert haben. In anderen Bundesländern sieht es nicht viel besser aus.

Geographie bekommt neue Aufgaben

Dagegen kann jetzt im Kontext der Gegenwart und der vermuteten Zukunft protestiert werden. Eine Petition "Geographie für Hessen" des Vereins im Internet macht es möglich. Ironischerweise drängt eine Koalition, in der die Grünen die Geographie schulpolitisch beiseite schieben, da es das Thema ist, in dem ihre Anliegen am besten behandelt werden: die Stadtentwicklung und die Folgen der monokulturellen Landwirtschaft, die Versiegelung des Bodens und die Abholzung des Regenwaldes, des Waldes und der Abfälle der Meere. Darüber zu sprechen, ein paar Werte zu verteilen, freitags auf die Straße zu gehen und diese dann für die Politik zu nehmen, ist für Protestbewegungen angemessen. Auf der anderen Seite wäre es die Aufgabe der Schule in den höheren Klassen, verständlich zu machen, was "Wüstenbildung" oder "Zersiedelung" bedeutet.

Aber viel wichtiger als die Verbindung des Klassenzimmers mit den Debatten in den Massenmedien und den Weltproblemen sind Erfolge im Fach Geographie, die zunächst nichts damit zu tun haben. In einer Zeit, in der das räumliche Bewusstsein vieler Kinder, Jugendlicher und Erwachsener stark durch die Nutzung von Smartphones, Navigationssystemen und Reiseportalen beeinflusst wird, wächst ein neues raumwissenschaftliches Thema. Der Geografielehrer, der in der Vergangenheit oft Sportlehrer war (männlich) und ein zusätzliches Fach hat, das leicht zu absolvieren ist, könnte der Vergangenheit angehören. Geographie ist keine Nebensache. Es gibt mehr in Begriffen wie "Mobilität" und "Ressource", als sich Ökonomen vorstellen. Wie ist Orientierung im Raum bei privatem Verkehr? Was ist der Unterschied zwischen einem Dorf und einer Stadt? Wie funktioniert der Tourismus? Was ist ein Bach und was ist ein Steinbruch?

Lehren heißt, alle Fächer, Begriffe und begrifflichen Zusammenhänge zu klären und den Nachwuchs mit Vokabeln auszustatten. Wissen ist dafür notwendig und Intuition, wo es entwickelt werden kann. Die bekannte Erklärung, dass die Kardinalpunkte den Raum nicht nach links und rechts oben und unten unterteilen, ist ein grundlegendes Beispiel dafür, was räumliches Denken bedeutet. Unser Wortschatz ist voll von geografischen Begriffen. Vegetation, Gletscher, Region, Erdbeben, Lage, Hafen, Stadt, Lawine, Landschaft und so weiter. Die Entwicklung eines Sinns für sie würde die Geografie zu einem wichtigen Schulfach machen, selbst wenn wir uns nicht darum kümmern müssten, die polaren Eiskappen zu schmelzen oder die Menschheit mit Wasser zu versorgen.

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