Dax rutscht aus – Hedgefonds steigen aus Lufthansa-Aktien aus

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Nach einer kurzen Verschnaufpause am gestrigen Handelstag gibt der Dax heute deutlich nach. Im Morgenhandel ist der führende deutsche Index bereits um 1,8 Prozent auf 12.587 Punkte gefallen, mehr als 230 Punkte weniger als am Vortag.

Die Erholung seitdem ist grob in zwei Phasen unterteilt: Von Ende März bis Anfang Mai stieg sie von 8.400 auf 11.000 Punkte. Das war eine Steigerung von 30 Prozent in sechs Wochen.

Die zweite Phase läuft seit Mitte Mai. Mittlerweile liegt der Dax nur noch weniger als 1000 Punkte von seinem Allzeithoch entfernt, das der Index am 14. Februar mit 13.597 Punkten erreichte. Und wenn die zweite Phase der ersten ähnlich ist, könnte sich der Index in diesem Monat dem Rekordhoch nähern.

Die Anzeichen deuten jedoch auf eine deutliche Korrektur hin, einen Ausverkauf an der deutschen Börse. Nicht zu verwechseln mit einem Absturz wie im März. Aber ist der heutige Handelstag mit den hohen Verlusten bereits der Beginn einer Korrektur? Die Frage kann nur im Nachhinein beantwortet werden.

Die Anlegerstimmung zeigt also bereits euphorische Merkmale. “Die derzeitige Euphorie reicht aus, um vor weiteren Einkäufen auf dem aktuellen Niveau zu warnen”, sagt Stephan Heibel, Leiter des Animusx-Analysehauses, nach Auswertung der aktuellen Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment. “Die Chance, dass die Rallye in Deutschland fortgesetzt wird, ist deutlich geringer als das Risiko einer Korrektur.”

Es ist jedoch unklar Zeitraum für den Beginn der Korrektur. Ein Rückblick zeigt: Vor dem Dax-Crash, der Mitte Februar 2020 begann, gab es laut Handelsblatt-Umfrage am 10. Januar eine erste Welle der Euphorie. Zu diesem Zeitpunkt lag der Frankfurter Benchmark bei rund 13.480 Punkten. Es folgte eine vierwöchige Seitwärtsbewegung mit anhaltender Feierstimmung. Dem anschließenden Anstieg auf 13.597 Punkte folgten massive Preisverluste und ein beispielloses Schicksal der Umfrageteilnehmer.

Sogar ein Blick auf die Bärenmarktgeschichte der letzten neun Jahrzehnte lehrt: Investoren sollten nicht einfach auf die Tagesordnung gehen. Zum Beispiel hat der US-Index S & P 500 nach sechs Monaten nach einem Preisverfall von 30 Prozent während einer Rezession keinen Tiefpunkt erreicht, warnen die Analysten der Bank of America. Dies droht am 23. März sein Tief von 2192 Punkten zu testen. Dies würde einen weiteren Preisverfall von rund 30 Prozent bedeuten.

Die Experten der Bank Société Générale (SocGen) haben sogar die Bärenmärkte der letzten 150 Jahre untersucht und sind zu dem Schluss gekommen, dass der S & P 500 nach einem vergleichbaren Crash nach zwei Jahren in der Regel nur noch 40 Prozent über seinem Tief liegt und nicht wie derzeit der Fall nach zweieinhalb Monaten.

Interessant sind derzeit die hohen Kursgewinne der Lufthansa-Aktie. In den letzten zwei Handelstagen stieg der Preis jeweils um mehr als neun Prozent. Zu Beginn der Woche stieg das Papier tatsächlich um mehr als 15 Prozent. Ab Dienstag betrug die Wertsteigerung zu Handelsbeginn mehr als fünf Prozent, ist aber jetzt auf weniger als drei Prozent geschrumpft. Es ist anzunehmen, dass Hedge-Fonds ihre Spekulationen über fallende Preise auflösen, weil die Wette nicht funktioniert hat.

Das Handelsvolumen ist nicht nur zu Beginn des heutigen Handels mit knapp sechs Millionen Papieren in den ersten Handelsstunden sehr hoch, sondern lag bereits an den beiden vorangegangenen Tagen. Am Montag wurden 23,7 Millionen Papiere und am Freitag 25,58 Millionen Papiere gehandelt. In den letzten vier Wochen betrug der Durchschnitt nur 12,6 Millionen.

Drei Hedgefonds nahmen am Freitag ebenfalls an den Kursgewinnen teil, die einen kleinen Teil ihrer Wette auf massiv fallende Lufthansa-Aktienkurse am Ende der Woche abgeschlossen hatten.

Wie aus den aktuellen Daten des Bundesanzeigers hervorgeht, haben die drei Fonds Ende der Vergangenheit insgesamt 0,31 Prozent aller frei handelbaren Aktien zurückgekauft, was 1,48 Millionen Aktien entspricht. Entsprechende Daten für gestern Montag und natürlich für heute Dienstag sind noch nicht verfügbar.

Denn Leerverkäufer spekulieren über sinkende Preise, indem sie Aktien eines Unternehmens verleihen und verkaufen, beispielsweise an Investmentfonds. Um diese Aktien nach Ablauf der Frist zurückzugeben, müssen Sie sie vorher erneut kaufen – wenn möglich natürlich zu einem günstigeren Preis.

Insgesamt befinden sich mittlerweile mindestens 10,32 Prozent der frei handelbaren Lufthansa-Aktien in den Händen von acht Leerverkäufern. Die Quote ist nach wie vor hoch und entspricht 49,34 Millionen Aktien.

Dies bedeutet, dass die Leerverkäufer insgesamt 49,34 Millionen Lufthansa-Aktien zurückkaufen müssen, wenn sie alle ihre Wetten abschließen möchten. Zum Vergleich: Das durchschnittliche Tagesvolumen seit Jahresbeginn beträgt 11,1 Millionen Papiere.

Investoren nutzen auch die starken Kursgewinne der letzten Tage, um Gewinne aus Bank- und Reiseaktien mitzunehmen. Der europäische Bankenindex fiel um 4,7 Prozent. Es war in den letzten fünf Handelstagen um ein Fünftel gewachsen. Im Dax endeten die Aktien der Deutschen Bank mit einem Abschlag von 5,5 Prozent, im MDax hielten die Aktien der Deutschen Pfandbriefbank die rote Laterne mit minus 7,3 Prozent, gefolgt von der Commerzbank mit minus 5,1 Prozent und der Aareal Bank mit minus 4,8 Prozent.

Die neuen Wirtschaftsdaten zeigen keine Anzeichen von Hoffnung. Beispielsweise sind die deutschen Exporte aufgrund der Korona-Rezession bei wichtigen Handelspartnern wie Frankreich und den USA wie nie zuvor eingebrochen. Im April verkauften die Unternehmen Waren im Wert von nur 75,7 Milliarden Euro im Ausland, 31,1 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Dies ist der größte Rückgang seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950. “Vom Exportboom der letzten zehn Jahre ist wenig übrig geblieben”, kommentierte der Chefökonom am Bankhaus Lampe, Alexander Krüger.

Schauen Sie sich die einzelnen Werte an

Volkswagen: Herbert Diess, Leiter der Gruppe, schwindet bei der Automobilgruppe. Das Management der Kernmarke übergibt er an Ralf Brandstätter, der zuvor das operative Geschäft leitete. Dies wurde kürzlich wiederholt von Gruppen von Arbeitern kritisiert. Verzögerungen im Golf 8 und Probleme mit der Software des neuen Elektroautos ID.3 waren dem CEO angelastet worden. Dies hat jedoch nur geringe Auswirkungen auf die Aktie. Zu Handelsbeginn ist das Papier um 0,3 Prozent schwächer.

Wirecard: Auch wenn es in Ausnahmefällen keine neuen Nachrichten gibt, lohnt sich immer ein Blick auf die Tabelle des Online-Zahlungsdienstleisters. Gestern rutschte das Papier um 7,4 Prozent zur Eröffnung ab, um mit einer Steigerung von 1,7 Prozent aus dem Geschäft zu gehen. Und auch an diesem Dienstag wird das Papier um weitere 0,5 Prozent steigen.

Für einen Dax-Wert bleibt das Papier jedoch sehr volatil: Der Preis hat sich vom 22. April (Hoch von 140,90 EUR) bis zum 14. Mai (Tief von 72 EUR) fast halbiert.

Stratec: Die Aktien des Laborausrüsters Stratec werden mit einem Dividendenabschlag gehandelt. Die Dividende beträgt 84 Cent, der Schlusskurs am Montag beträgt 79,50 Euro. Derzeit kostet das Papier jedoch nur minus 50 Cent bei 79,00 Euro.

Hellofresh: Der Kochboxanbieter betritt den dänischen Markt. Damit steigt der Anteil um 2,8 Prozent und führt damit die MDax-Gewinnerliste an. Das Land mit rund 2,7 Millionen potenziellen Kundenhaushalten ist ein sehr attraktiver Markt, begründete das Berliner Unternehmen seinen Umzug. HelloFresh sammelte seine ersten Erfahrungen in Skandinavien, als es vor etwa einem Jahr in Schweden begann. Der Anbieter, der sich als Marktführer bezeichnet und mittlerweile mehr als vier Millionen Kunden hat, ist in 14 Ländern aktiv.

Was die Diagrammtechnik sagt

Das deutsche Aktienbarometer ist weiterhin äußerst stressresistent, und der gestrige Handelstag war mit einem neuen Hoch und einem Mini-Minus zum Handelsschluss ebenfalls sehr konstruktiv.

Für die Optimisten liegt die nächste Hürde für die weitere Aufwärtsbewegung im Bereich von 13.237 / 13.501 Punkten. Hier liegt die große Preislücke ab Mitte März. Solche Preislücken nach unten entstehen, wenn der niedrigste Punkt an einem Handelstag (in diesem Fall 13.501 Punkte) über dem höchsten Preis am folgenden Tag liegt, der 13.237 Punkte betrug. Solche Preisunterschiede nach unten sind laut Chart-Technologie ein wichtiger Widerstand.

Trotz einer derzeit optimistischen Einschätzung sollten Anleger ein striktes “Geldmanagement” verfolgen, aber die 200-Tage-Linie bei 12.128 Punkten ist eine gute Wahl als wichtiger Schutz für die erzielten Gewinne. Diese 200-Tage-Linie setzt den langfristigen Trend.

Hier ist die Seite mit dem Dax-Kurs, hier sind die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Leerverkaufsdatenbank.

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