Dax verteidigt Vortagesgewinne – Hedgefonds haben Einsatz auf fallende Wirecard-Kurse erhöht

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Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt startet quasi unverändert: Der Dax liegt in der ersten Handelsstunde minimal im Minus bei 10.657 Zählern. Am gestrigen Montag ging der Index bei einem Stand von 10.660 Punkten aus dem Handel, ein Plus von 3,1 Prozent.

Die Wirtschaftsprüfer hätten keine „belastenden Belege“ für die Vorwürfe der Bilanzmanipulation gefunden und es hätten sich keine „substanziellen Feststellungen“ ergeben, die zu einem Korrekturbedarf der Jahresabschlüsse von 2016 bis 2018 führten, teilte das Unternehmen mit.

Als Reaktion stürzt Aktienkurs um rund zwölf Prozent auf 115 Euro ab. Vorbörslich war der Kurs bereits auf 110 Euro abgerutscht. Die Aktie war am Montagnachmittag kurzzeitig um rund zwölf Prozent auf 135 Euro abgestürzt, erholte sich danach aber wieder.

Dass alles sorgt für eine interessante Situation bei der Wirecard-Aktie. Noch am vergangenen Freitag hatten Hedgefonds veröffentlicht, dass sie ihre Spekulationen auf fallende Kurse erhöht haben.
Diese Quote liegt mittlerweile bei 4,31 Prozent aller frei handelbarer Aktien, also 5,325 Millionen Aktien (Stand 24. April). Am Tag zuvor lag diese Quote noch 4,1 Prozent – die Differenz beträgt auf Aktien umgerechnet rund 260.000 Papiere.

Das Kursplus setzt die Hedgefonds unter Druck. Denn solch ein Leerverkauf, eine Spekulation auf fallende Kurse, erfolgt nach folgendem Prinzip: Bislang haben sich die Hedgefonds die 45,27 Millionen Aktien von Wirecard-Aktionären wie beispielsweise Investmentfonds geliehen und verkauft. Doch um diese Aktien wieder zurückzugeben, müssen sie vorher wieder kaufen. Natürlich möglichst zu einem niedrigeren Kurs.

Bei einem durchschnittlichen Handelsvolumen in den vergangenen vier Wochen von rund 1,7 Millionen Aktien pro Tag ist dieser Rückkauf von 5,325 Millionen nicht einfach umzusetzen. In den vergangenen vier Wochen ist die Wirecard-Aktie um mehr als 32 Prozent gestiegen, seit Jahresanfang knapp 23 Prozent.

Am heutigen Dienstag beginnt die heiße Phase der US-Berichtssaison: Der Google-Mutterkonzern legt als erster der „Big Five“-Technologie-Konzerne Zahlen vor. Danach folgen Apple, Microsoft, Amazon und Facebook.

Warum sind diese fünf Unternehmen so wichtig? Laut Berechnungen der Bank of America stehen sie inzwischen für mehr als 20 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des US-Börsenbarometers S&P 500.

Diese massive Marktkonzentration übertrifft selbst den Spitzenwert auf dem Höhepunkt der Internetblase von Anfang 2000, als die Giganten Microsoft, General Electric, Cisco, Intel und Walmart rund 18 Prozent des S&P 500 ausmachten.

Blick auf andere Assetklassen

Die Ölpreise haben am Dienstag nach dem Preissturz vom Wochenstart weiter nachgegeben. Der Preis für US-Öl fiel daher im asiatischen Handel zeitweise unter die Marke von elf Dollar. Vor einer Woche war der Preis für US-Öl zum Kontraktwechsel zeitweise in den Negativbereich gerutscht.

Am Morgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 19,22 Dollar, ein Minus von rund drei Prozent. Der Preis für die US-Sorte WTI sank rund elf Prozent auf 11,11 Dollar je Barrel.

Die Lage am Rohölmarkt ist unverändert kritisch. Zudem en steigen große Ölfonds derzeit vermehrt aus Ölterminkontrakten mit Fälligkeit in naher Zukunft aus. Das verstärkt den Preisdruck am Ölmarkt. Hintergrund ist, dass in der vergangenen Woche der Preis eines mittlerweile ausgelaufenen Terminkontrakts deutlich gesunken und sogar unter die Nulllinie gefallen war. Offenbar wollen die Erdölfonds eine Wiederholung dieser Situation vermeiden.

Die Lage am Anleihemarkt hat sich beruhigt. Dass Italiens Rating nicht abgestuft wurde, lässt auch das Thema Kreditrisiko ein wenig weiter in den Hintergrund treten. Die Renditedifferenz (Spread) zwischen italienischen und deutschen Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn ist mittlerweile auf einen Wert von 2,20 Prozent gefallen. Vor wenigen Tagen lag dieser Wert noch 2,48 Prozent. Italienische Staatsbonds mit einer Laufzeit von zehn rentieren bei 1,73 Prozent, vergleichbare deutsche Staatsanleihen bei minus 0,452 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Am deutschen Aktienmarkt kehrt ein Stück Normalität zurück: Seit Anfang April tendiert der Dax seitwärts. Auf der Unterseite ist die Schlüsselzone bei rund 10.300 Punkten zu beachten. Von dieser Marke konnte sich der Dax in den vergangenen Handelstagen wieder absetzen.

Die nächsten Widerstände auf der Oberseite liegen bei 10.757 sowie 10.820 Zählern, die jüngsten Verlaufshochs der Aufwärtsbewegung. Ein Sprung über diese Hürden würde diese Seitwärtsbewegung noch oben auflösen, der Dax seine Erholung fortsetzen.

Ebenfalls positiv: Der VDax, das sogenannte Nervenbarometer der Börse, ist seit längerer Zeit wieder unter einen Wert von 40 gerutscht und liegt aktuell bei 37 Zählern. Dieser Index spiegelt die Erwartungen der Anlageprofis wider, wie volatil der Dax-Handel in den kommenden Tagen und Wochen sein dürfte. Je höher der VDax notiert, desto höhere Schwankungen werden erwartet.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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