Der französische Staat verstaatlicht den Energieriesen EDF

Um die Energiekrise zu überstehen, plant die französische Regierung eine vollständige Verstaatlichung des Energiekonzerns EDF, der Muttergesellschaft von Luminus. An der Pariser Börse schossen die Aktien am Mittwoch um 14 Prozent in die Höhe.

“Der Klimanotstand erfordert starke Entscheidungen.” So kündigte beispielsweise die französische Premierministerin Elisabeth Borne Pläne dazu an

, bereits zu 84 Prozent im Besitz des französischen Staates. „Ich kann bestätigen, dass der Staat plant, seinen Anteil auf 100 Prozent zu erhöhen“, sagte sie der Assemblée Nationale, wo sie am Mittwochnachmittag ihre Grundsatzerklärung abgab.

Die Verstaatlichung von Frankreichs größtem Stromproduzenten kommt nicht ganz überraschend. Präsident Emmanuel Macron hat zuletzt mehrfach darauf angespielt. Er will die hochverschuldete EDF zur Drehscheibe für die milliardenschweren Investitionen machen, die Paris in neue Atomkraftwerke plant.

Macron setzt im Kampf gegen den Klimawandel auf die CO2-freie Atomenergie. Auslöser für den Schritt war aber vor allem der russische Krieg in der Ukraine, der zu einer Krise und hohen Preisen auf dem Energiemarkt führte. „Wir müssen die vollständige Kontrolle über die Produktion und unsere Energiezukunft haben“, sagte Borne. “Dieser Schritt wird es der EDF ermöglichen, ihre Produktionskapazität zu erhöhen und ehrgeizige und unverzichtbare Pläne für unsere Zukunft so schnell wie möglich zu verwirklichen.” EDF betreibt bereits ein beachtliches Arsenal an Kernkraftwerken.

Begeisterte Investoren

Noch ist nicht klar, wie die Verstaatlichung erfolgen soll und zu welchem ​​Preis der französische Staat private und institutionelle Aktionäre aufkaufen will. Sie kontrollieren 15 Prozent des Unternehmens. Das restliche 1 Prozent gehört den Mitarbeitern. Ein Sprecher des französischen Finanzministeriums sagte, es sei noch keine Entscheidung über die Einzelheiten oder den Zeitplan der Operation getroffen worden.

siehe auch  Live-Nachrichten-Updates: Die Coinbase-Aktien steigen nach der Zusammenarbeit mit BlackRock um 31 %

Investoren reagierten dennoch begeistert auf die Pläne der französischen Regierung. Nach einem Anfangsgewinn von 8 Prozent schloss die Aktie an der Pariser Börse 14 Prozent höher. Das ändert nichts daran, dass Europas größter Energiekonzern seit Jahresbeginn 11 Prozent seines Börsenwertes verloren hat.

Profil EDF

  • Eigentümer: Frankreich (84 %), Einzelaktionäre (15 %) und Mitarbeiter (1 %).
  • 167.160 Mitarbeiter.
  • Umsatz (2021): 84,5 Milliarden Euro.
  • Operatives Ergebnis: 18 Milliarden Euro.
  • Nettogewinn: 5,1 Milliarden Euro.

Staatliche Beihilfe

2019 lag ein ähnlicher Plan bereits bei EDF, der Muttergesellschaft der in Belgien tätigen Luminus, auf dem Tisch. Dann überlegte die französische Regierung die Minderheitsaktionäre auskaufen im Rahmen einer Umstrukturierung, die eine Verlängerung der Laufzeit der alten Kernkraftwerke ermöglichte.

Nach mehr als einem Jahr Verhandlungen scheiterte dieser Versuch, weil die Europäische Kommission die geplante Regelung als staatliche Beihilfe ansah und eine striktere Trennung der Aktivitäten in Wasserkraft und erneuerbare Energien anstrebte.

EDF ist seitdem in der Ecke, wo die Schläge fallen. Das finanzschwache Unternehmen kämpft mit veralteten Reaktoren – zwölf Reaktoren wurden wegen Rissen abgeschaltet – und Kostenüberschreitungen beim Bau der neuen Reaktoren. Außerdem baut sie ein neues Kraftwerk in Großbritannien.

Frankreich ist nicht das einzige europäische Land, das mit einem Unternehmen interveniert, um die Folgen der Energiekrise zu begrenzen. Deutschland startet Rettungsaktion von Gasleverancier Uniperder größte Verbraucher von russischem Gas im Land.

Newsletter

Leave a Reply

Your email address will not be published.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.