Der neue Neckermann-Besitzer hat selbst große Probleme

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Neckermann Reisebüro in Düsseldorf

Der Deal sichert nicht die Zukunft der Marke.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Der Jubel über den Verkauf des letzten Ladenbesitzers aus dem Nachlass von Thomas Cook war unverkennbar. "Mit dem erfahrenen Reiseveranstalter Anex", erklärte Insolvenzverwalter Ottmar Hermann, "wird die Marke Neckermann sicherlich weiterhin eine starke Marktpräsenz erfahren."

Aber es gibt Zweifel an der Aufrichtigkeit. Während Hermanns Freude über die Aufstockung der Insolvenzmasse wahrscheinlich echt ist, über deren Höhe beide Seiten Stillschweigen vereinbart haben, ist die Zukunft von Neckermann durch den Deal alles andere als gesichert.

Es gibt Bedenken, dass das von Neşet Koçkar in Deutschland geführte Familienunternehmen massiv überschuldet ist. Seit dem Markteintritt im Jahr 2017 hat die Anex Tour GmbH mit Sitz in Düsseldorf ein negatives Eigenkapital von über 43 Millionen Euro aufgebaut. Allein im Geschäftsjahr 2017/18 verzeichnete es einen Verlust von 34 Millionen Euro bei einem Jahresumsatz von 98 Millionen Euro.

Die Geschäftsführung berichtete im vor wenigen Tagen veröffentlichten Geschäftsbericht, dass Ferienkapazitäten falsch eingekauft worden seien. Aufgrund der aggressiven Preispolitik waren die Verluste höher als geplant.

Darüber hinaus spekulierte die 1996 im türkischen Antalya gegründete Anex-Gruppe im deutschen Luftfahrtgeschäft. Beispielsweise war die Gründung der Fluggesellschaft Azur Air Germany im Jahr 2016 eine Katastrophe. Anfangs wurden die Maschinen nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt, so dass teure Flugzeuge gemietet werden mussten. Später verbreiteten sich Horrorberichte über Ausfälle und Verzögerungen. Azur Air Germany stellte den Betrieb im Oktober 2018 ein.

Schwierige finanzielle Situation

Was Anex jetzt mit der Marke "Neckermann Reisen" machen will, ist im Dunkeln. Für welche Quellmärkte sie die Türken einsetzen wollen, ob es Spezialisierungen in den Zielgebieten gibt und wann die ersten Neckermann-Urlauber wieder auf die Reise geschickt werden sollen – all dies blieb auf Nachfrage des Unternehmens unbeantwortet.

In der Firma gibt es schon genug zu tun. Anex hat im November auch die Ferienanbieter Öger Tours und Bucher Reisen von der Cook-Insolvenzverwaltung übernommen – zusammen mit 84 Mitarbeitern.

Die Aufgabe von Koçkar, genügend Reisebüros für die ehemaligen Konkursverwalter aufzuwärmen, sollte entsprechend anspruchsvoll sein – ganz zu schweigen von den Hoteliers in den Feriengebieten, denen die gleichnamigen Vorgängerunternehmen häufig Millionen schuldeten.

Erschwert wird dies durch die finanzielle Situation der deutschen Niederlassung Anex Tours. Laut Geschäftsbericht schützt ihn die Patronatserklärung einer niederländischen Muttergesellschaft derzeit vor Insolvenz – vorerst bis zum 31. Dezember 2020. "Ob Urlauber wieder bei Neckermann buchen", berichtet einer der Beteiligten an der Verkauf, "hängt von der zukünftigen Insolvenzsicherung von Pauschalreisen ab."

Mehr: Der deutsche Tourismusmarkt steht vor einer Reorganisation. Tausende von Reisebüros, die zuvor unter Thomas Cook betrieben wurden, brauchen jetzt neue Partner.

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