Der Produktionsstopp des 737 Max ist ein Albtraum für Boeing

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Zumindest ist klar, dass Boeing ein Parkplatzproblem hat. Das Unternehmen weiß einfach nicht mehr, wohin es mit den Maschinen gehen soll. Nach dem Flugstopp im März reduzierte der Airbus-Konkurrent die Produktion von nur 52 auf 42 Flugzeuge pro Monat. Infolgedessen stehen jetzt rund 400 fertige Maschinen mit einem Listenpreis von 50 Milliarden US-Dollar auf den Pisten. Die Maschinen müssen gewartet und gewartet werden.

Boeing hat jetzt die Notbremse gezogen, weil die US-Luftüberwachungsbehörde FAA noch mehr Zeit für die Zertifizierung benötigt und das Management kürzlich davor gewarnt hat, weitere Fristen zu nennen. Die Produktion des 737 Max wird ab Januar eingestellt. Eine logistische Notwendigkeit kann argumentiert werden.

Es könnte aber auch ein taktischer Schritt sein, Druck auf die FAA auszuüben. Boeing und seine Zulieferer sind ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor für die USA. Dies könnte ein Anreiz sein, eine schnelle und möglicherweise positive Entscheidung zu treffen. Max ist nach zwei verheerenden Abstürzen für ein Dreivierteljahr vom Fliegen ausgeschlossen.

Dritter Erklärungsansatz: Ein Software-Update reicht möglicherweise nicht aus, und die FAA möchte physische Konvertierungen aller Maschinen. Dann wäre es sinnvoll, das Flugzeug nicht komplett zu bauen, um es nachzurüsten. Boeing geht anscheinend nicht von einem vollständigen Verbot des Flugzeugs aus. Andernfalls würde die Gruppe wahrscheinlich nicht alle 12.000 Max 737-Mitarbeiter behalten, wie jetzt angekündigt.

Man muss jedoch den schlimmsten Fall berücksichtigen, den sich keine Fluggesellschaft wünschen würde: Wenn die 737 Max für immer außer Dienst gestellt würde, würde Boeing schätzungsweise fünf bis sieben Jahre brauchen, um einen neuen schmalen Jet für die Kurz- und Mittelstrecke zu finden flüge wie die 737 max oder der konkurrent airbus 320 neo entwickeln und auf den markt bringen.

Das würde bedeuten, dass Airbus mit seiner A320 Neo auf Kurz- und Mittelstrecken jahrelang de facto das Monopol hatte. Es wäre ein Albtraum für Boeing und die Fluggesellschaften.

Hohe Kosten

Das Flugverbot ist für den einst soliden Flugzeughersteller bereits eine extreme wirtschaftliche Belastung. Auch wenn Boeing im Januar die Produktion einstellt, bedeutet dies nicht, dass alle Kosten einfach wegfallen.

Auf der einen Seite gibt es 12.000 Mitarbeiter, von denen die meisten Ingenieure sind, die weiter bezahlt werden möchten. Zum anderen laufen die Verträge mit den Lieferanten auch über Monate. Die Lieferanten werden weiterhin Kabinen produzieren und liefern sowie deren Bezahlung verlangen.

Trotzdem sind die Zulieferer besonders betroffen, wenn der Stopp lang ist. Schließlich hat Boeing in der Vergangenheit die Lieferantenpreise erfolgreich unterdrückt und die Kapazitäten voll ausgeschöpft. Dies hat zu extrem niedrigen Margen bei den Lieferanten geführt.

Darüber hinaus wurde der Stellenmarkt für Ingenieure in der Branche leer gefegt. Selbst die Vertragspartner von Boeing können es sich kaum leisten, wertvolle Spezialisten zu entlassen, da sie unwiederbringlich verloren sind, wenn Boeing die Produktion wieder aufnehmen sollte.

Die finanzielle Situation von Boeing selbst sieht heute aufgrund des Wegfalls der Max-Lieferungen schlecht aus. Immerhin entfielen auf die 737 Max fast drei Viertel der bisher verkauften Flugzeuge, und die Division Zivilflugzeuge war neben Rüstung und Service lange Zeit die wichtigste Division.

Infolgedessen sank der Reingewinn in den ersten neun Monaten dieses Jahres um 95 Prozent auf nur 374 Millionen US-Dollar. Der Umsatz ging um fast ein Fünftel auf knapp 59 Milliarden zurück. Die Zivilluftfahrt trug in den ersten neun Monaten nur 40 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Zuvor waren es 57 Prozent.

Auch der Cashflow – die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben – sieht düster aus. Da Boeing derzeit hohe Produktionskosten, aber aufgrund fehlender Lieferungen nur geringe Einnahmen hat, sank der Cashflow im dritten Quartal auf minus 2,42 Milliarden US-Dollar. Dies war das letzte Mal, dass die Finanzkraft des Unternehmens vor zehn Jahren in der Finanzkrise nachließ.

Auch wenn die FAA ihre Zustimmung erteilt und der 737 Max irgendwann wieder abheben kann, wird das Modell nicht mehr die Boeing Cash Cow sein, die es früher war. Fluggesellschaften werden wahrscheinlich erhebliche Preisnachlässe verlangen, wenn sie nicht bereits auf Konkurrenzprodukte umgestellt haben. Hinzu kommen die drohenden, möglicherweise milliardenschweren Kosten für Prozesse und Entschädigungen. Auch kein Produktionsstopp hilft.

Mehr: Nach Ansicht des Bundesrechnungshofes ist die Frage, wie Sicherheitskontrollen an deutschen Flughäfen effizienter gestaltet werden können, nicht ausreichend geklärt. Das Ministerium weist die Kritik zurück.

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