Der Videotrainer – Luis Kang mischt europäischen Fußball mit Bepro11

| |

Hamburg Der Gründer kommt mit zwei Kaffeetassen in der Hand in seinen Konferenzraum. Auf eine Tasse: der Ziegenbock des 1.FC Köln. Zum anderen der Schädel des FC St. Pauli. Hyunwook Kang versucht, Tassen von allen potenziellen Kunden zu sammeln. Wenn sein Start-up so schnell wie möglich weiter wächst, braucht Kang bald einen neuen Küchenschrank in seinem Hamburger Büro.

Denn der Koreaner, der in Europa Luis Kang heißt, bereitet sich darauf vor, den europäischen Fußballmarkt aufzurollen. Vor vier Jahren gründete er in seinem Haus in Seoul das Video- und Datenanalyseunternehmen Bepro11. Seitdem hat er mehr als zehn Millionen Euro von Investoren gesammelt, der japanische Telekommunikationsriese Softbank ist eingestiegen und das Team ist auf 55 Mitarbeiter weltweit angewachsen.

30 von ihnen, die meisten Koreaner, sind jetzt in Hamburg, im zweiten Stock eines modernen Backsteingebäudes, mitten in der schicken HafenCity. Kang pochte viele von ihnen in Seoul, Samsung und LG. Er war zu diesem Zeitpunkt erst 25 Jahre alt – und hatte nicht einmal Geld in der Tasche. Trotzdem machten elf Landsleute mit ihm den Schritt nach Deutschland.

Nur etwa ein halbes Jahr später wurden rund eine Million Euro für die Serie A aufgebracht. Die zweite Runde brachte bereits neun Millionen ein. Zu dieser Zeit nahm auch Softbank teil. Der kalifornische Kapitalist Altos Ventures und die koreanische Telekom sind ebenfalls investiert.

Sie haben fast das ganze Geld in Bepro11 investiert, in das Team, die Software, das Wachstum. Für hochauflösende Videos sind Stadien oder Trainingsgelände mit jeweils drei Kameras ausgestattet. Die Hardware stammt vom schwedischen Hersteller Axis, die Software wurde von Kang und seinen Kollegen entwickelt. Die Kameras erfassen alle Spieler und ihre Aktionen auf dem Spielfeld: Pässe, Laufleistung, Schießversuche, Fouls, gewonnene Zweikämpfe.

1. Der FC Köln ist im Gespräch mit Bepro

Mittlerweile nutzen mehr als 440 Fußballmannschaften die Übertragungstechnologie und Analysetools des Unternehmens – in 13 Ländern. Kang schloss die erste Zusammenarbeit mit dem koreanischen Fußballverband ab. "Aber der Kernmarkt für Fußball ist Europa", sagt er. "Deshalb haben wir den Schritt nach Deutschland gemacht."

Einige Bundesliga-Vereine haben den Dienst ebenfalls getestet, der 1. FC Köln befindet sich derzeit in Gesprächen mit Bepro11, erklärt eine Sprecherin. In Spanien ist der Erstligist Deportivo Alavés einer der Kunden, während Italiens Serie A den FC Bologna umfasst.

Ein weiterer Partner ist die "Real Madrid Clinic". Allein für die Fußballakademie der spanischen Akademie wurden bereits mehr als 25.000 Minuten Video aufgezeichnet, etwa 2.000 Spiele bis hin zu den Jugendmannschaften.

Kang will seine Idee global umsetzen. Mit schwerem Herzen hat er inzwischen sein Studium abgebrochen – der 27-Jährige wollte eigentlich in Seoul ein Studium der Sozialpädagogik und des Unternehmertums absolvieren. Er hätte ein Jahr verpasst, aber das Unternehmen war ihm wichtiger.

Kang zeigt begeistert die neuesten Funktionen seiner Software auf einem großen Flachbildfernseher im Hamburger Konferenzsaal: Wie mit wenigen Klicks individuelle Videos erstellt werden können – zum Beispiel alle Pässe eines bestimmten Spielers in der ersten Hälfte. Oder alle Torschüsse der gesamten Mannschaft. Oder nur die Zweikämpfe zwischen Verteidiger X und Angreifer Y.

"Wir haben Tonnen von Daten", sagt Kang. Die Trainer können auch die gefilterten Sequenzen per SMS senden, Linien zeichnen und Szenen an bestimmte Gruppen von Spielern senden. "Die Spieler können die Ideen des Trainers mit ihren eigenen Videos viel besser verstehen." Alle Funktionen sind jetzt auch in der mobilen App möglich. Jeder Spieler bekommt ein eigenes Konto – und kann so direkt auf seine Daten und Videos zugreifen.

Weitere Sportarten sind geplant

Es gab auch Videoaufnahmen von Fußballspielen in Deutschland. Das Essener Unternehmen Soccerwatch.tv und das Kölner Sporttotal.tv bieten beispielsweise Live-Streaming – und auch individuelle Analysefunktionen. Beide Plattformen sind jedoch stärker auf den Betrachter zugeschnitten.

Bepro11 ist in erster Linie ein Tool für Trainer. Kein Wunder, dass Kang selbst ein begeisterter Trainer ist. Er spielt seit seiner Kindheit Fußball und trainiert seit mehreren Jahren Jugendmannschaften. Auch in der neuen Wahlheimat: Beim FC Hamburger Berg ist er Spielertrainer, zweimal pro Woche trainiert er die Bezirksklasse und am Wochenende ist er bei den Spielen.

Kang paddelt auch gerne auf der Alster und geht gerne joggen. Es ist überraschend, dass er immer noch Zeit für all das hat. Sein Unternehmen wächst und wächst – und damit auch die Verantwortung des jungen CEO, der kürzlich in die Top 30 der „Forbes“ -Liste der unter 30-Jährigen gewählt wurde.

Die Software ist für Clubs im ersten Jahr noch kostenlos. Danach kostet das Starterpaket weniger als 10.000 Euro pro Jahr. Bei Amateurligen und Jugendmannschaften sind die Beiträge günstiger gestaffelt als bei Profimannschaften. Die Rechnung ist klar: Wer mit der Software arbeitet, wird schnell süchtig danach. Neue Tools werden regelmäßig hinzugefügt.

Wie Live-Codierung und Live-Tagging: Der Analytiker auf der Tribüne erhält die Live-Daten des Spiels direkt auf seinem Laptop. Während das Spiel noch läuft, kann er mit einem Schnittprogramm Spielszenen herausfiltern und an den Trainer senden, damit er seinen Spielern zur Halbzeit die fertige Analyse vorlegen kann.

"Der Markt für Fußballanalysen steckt noch in den Kinderschuhen, wächst jedoch rasant", erklärt Caitlyn Choi von Softbank Ventures Asia das Start-up. Bepro11 ist gut positioniert, um in diesem Markt mit Software und künstlicher Intelligenz zu gewinnen. "Luis ist sehr leidenschaftlich im Fußball, hat Energie und ist einfallsreich", beschreibt Choi den Gründer. Er hat bedeutende Fortschritte in der globalen Geschäftsentwicklung gezeigt, insbesondere in Europa.

Also sollte es weitergehen. Für das ganze nächste Jahr wollen sie sich bei Bepro11 weiterhin auf den Fußball konzentrieren. Eines ist jedoch klar: Grassball ist nur der Anfang. „Unsere Technologie kann auf jede Sportart angewendet werden“, sagt Kang. Es klingt nicht nur nach einer Bedrohung, sondern auch nach einem festen Plan.

Mehr: Der Marketingdirektor von Schalke sieht das Fußballgeschäft im Wandel. Alexander Jobst über Digitalisierung, E-Sports und das Vorbild des Silicon Valley.

.

Previous

Vier Abfahrten: Bobcats bereit für eine weitere Chance im Bundesstaat North Dakota | Rotluchse Fußball

Rente: alle Gewerkschaften auf der Straße vor wichtigen Treffen in Matignon

Next

Leave a Comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.