Dessau, Steppat (Tageszeitung junge Welt)

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Betont den politischen Charakter der Musik: Paul Dessau (1894-1979)

Paul Dessau beantwortete die Frage nach unharmonischen Elementen seiner Musik mit einem Hinweis auf Vorurteile. Was für einen unharmonisch klingt, finden andere in Harmonie. Morgen vor 125 Jahren wurde er in einer jüdischen Musikerfamilie in Hamburg geboren. Die Schrecken des Ersten Weltkriegs schärften sein politisches Bewusstsein. Nach Stationen in Hamburg, Köln und Mainz kam er 1925 als Dirigent und Komponist nach Berlin, wo er für Bühne und Film arbeitete. Er komponierte für Mickey-Mouse-Filme der Stummfilmzeit, für frühe Tonfilme mit Richard Tauber.

Dessau musste 1933 als Linker und Jude aus Deutschland fliehen. Er nahm am Spanischen Krieg teil, wo er das Lied "Spain's Sky" komponierte, das noch heute oft gesungen wird. Nach seiner Flucht in die USA schloss er sich der Kommunistischen Partei an und freundete sich mit Bertolt Brecht an. In den folgenden Jahrzehnten schrieb Dessau die Bühnenmusik für "Muttermut und ihre Kinder", "Herr Puntila und sein Diener Matti" und "Heilige Johanna der Schlachthöfe" – letztere in der DDR nach Brechts Tod. Dessau betonte immer den politischen Charakter der Musik. Es gibt zwölf Töne, die im Sozialismus und im Kapitalismus unterschiedlich verwendet werden. Ein Faschist würde sein „Requiem für Lumumba“ niemals verstehen, sagt Dessau. Das Stück hätte einem Sozialisten immer etwas zu sagen.

Wenn Ilse Steppat in wichtigen Filmrollen anderen Kollegen vorgezogen wurde, war dies oftmals ihrem ganz besonderen Charisma zu verdanken. Kurt Maetzig brachte die Schauspielerin 1947 für ihren ersten Film zu Defa. Als er "Marriage in the Shadow" zum ersten Mal sah, dachte er an jemanden anderen, aber als er die damals 30-jährige Steppat sah, war er sehr angetan von ihrem Stil und gab ihr die Rolle der jüdischen Frau eines berühmten Nazi-Schauspielers. Vorbild war Joachim Gottschalk, dem Steppat Ende der 1930er Jahre in der Volksbühne begegnet war. Bei Defa spielte sie 1948/49 auch in "The Blue Swords" und "The Bridge". Danach setzte sie ihre Karriere in der Bundesrepublik fort, spielte in Melodramen, Komödien und 1955/58 im FKK-Film "Das verbotene Paradies", der von der katholischen Kirche bekämpft wurde. Sie spielte ihre eindringlichste Rolle in dem Sozialdrama von 1956 "Weil du arm bist, musst du früher sterben". Dann verkörperte sie eine krebskranke Frau, die aus Angst, ihren Job zu verlieren, nicht behandelt werden kann.

Nach ihrem Auftritt in Edgar Wallace-Filmen hoffte sie 1969 auf eine internationale Karriere mit dem James-Bond-Film "On Her Majesty's Secret Service". Die ursprünglich für die Rolle vorgesehene Griechin Irene Papas schien zu sympathisch, so dass Steppat als mörderischer Bösewicht besetzt wurde. Leider starb sie kurz nach der Premiere am 21. Dezember 1969 an einem Herzinfarkt.

. (TagsToTranslate) Berlin (t) Dessau

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