Home Unterhaltung Deutsches Kulturerbe: Bundesanstalt für Fotografie konkurriert mit dem Kunsthandel

Deutsches Kulturerbe: Bundesanstalt für Fotografie konkurriert mit dem Kunsthandel

Kultur Deutsches Kulturerbe

Warum die geplante Bundesanstalt für Fotografie mit dem Kunsthandel konkurriert

| Lesezeit: 5 Minuten

Marcus_Woeller.jpg

Der schwebende Westen - das Ruhrgebiet - Nordrhein-Westfalen Der schwebende Westen - das Ruhrgebiet - Nordrhein-Westfalen

Der schwebende Westen – das Ruhrgebiet – Nordrhein-Westfalen

Quelle: Martin U. K. Lengemann

Das in Essen geplante Institut für Fotografie soll Nachlässe deutscher Fotografen sichern und erforschen. Aber auch Kunsthändler interessieren sich für diese Hinterlassenschaften. Denn das Erbe der Fotografen ist nicht nur von kulturellem Wert.

D.Deutschland sollte ein Bundesinstitut für Fotografie bekommen. Es könnte in Essen gebaut werden. Die von Monika Grütters im vergangenen Jahr eingesetzte Expertenkommission hat dem Staatsminister für Kultur und Medien (BKM) nun einen Vorschlag unterbreitet. Dieses deutsche Fotoinstitut soll das Erbe und die Güter herausragender deutscher Fotografen langfristig sichern, bewahren und erforschen. Die Einrichtung muss auch Standards für die Wiederherstellung und Erhaltung der analogen und digitalen Fotografie entwickeln und die Forschungsergebnisse kommunizieren.

Deutschland ist sehr besorgt um die Sicherung seines kulturellen Erbes. Ein Beispiel ist das Engagement für das Filmerbe oder die deutschsprachige Literatur. “Bisher war dies bei der Fotokunst nicht der Fall”, sagt Grütters. “Die Bewahrung des fotografischen Erbes als bildhaftes kollektives Gedächtnis” ist Aufgabe des Staates. Die Modelle sind in Marbach beim Deutschen Literaturarchiv oder in Berlin bei der Deutschen Kinemathek zu finden. International gilt das Getty Research Institute in Los Angeles als Leuchtturm-Institution zur Erhaltung des künstlerischen Erbes.

Im Juli 2019 machte Grütters die Idee erstmals öffentlich und ernannte ein Expertenteam unter dem Vorsitz des Fotografiehistorikers Thomas Weski, des ehemaligen Getty-Direktors Thomas W. Gaehtgens, der Restauratorin Katrin Pietsch und des Fotografen und langjährigen Direktors der Fotosammlung des Folkwang-Museums. Der Staatsminister war erfreut darüber, dass der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages im November 41,5 Mio. EUR für das Institut bewilligt hat.

Düsseldorf hatte sich bereits zur „Fotostadt“ erklärt

Grütters war jedoch irritiert darüber, dass das Komitee offenbar bereits vorausgedacht und Düsseldorf als Standort benannt hatte, woraufhin das Land Nordrhein-Westfalen 41,5 Millionen Euro beisteuern wollte. Kurz darauf präsentierte ein “Verein zur Gründung und Förderung eines deutschen Fotoinstituts” – pikant gegründet vom wohl teuersten deutschen Fotografen Andreas Gursky auf dem Kunstmarkt – ein Konzept für Düsseldorf (und die Interessen), das von vielen gut unterstützt wurde. Als bekannte Fotokünstler blieb Grütters zunächst nur der dünne Hinweis, dass das Expertenteam nicht vorweggenommen werden sollte.

Thomas W. Gaehtgens, Monika Grütters (CDU), Thomas Weski und Ute Eskildsen präsentieren ein Konzept für ein nationales Institut für Fotografie

Thomas W. Gaehtgens, Monika Grütters (CDU), Thomas Weski und Ute Eskildsen präsentieren ein Konzept für ein nationales Institut für Fotografie

Bildnachweis: Bild Allianz / dpa

Als Monika Grütters am Dienstag im BKM das Konzept ihrer Kommission vorstellte, war sie nun erfreut, klar zu machen, dass sie ihren Ratschlägen und ihrem Fachwissen folgen wollte. „Für mich ist ihre Abstimmung eine wichtige vorläufige Entscheidung. Ich würde keine Experten einsetzen müssen, wenn die folgenden politischen Entscheidungen das letzte Wort für andere Interessen wären. “”

Jetzt ist es an der Zeit, das Land Nordrhein-Westfalen davon zu überzeugen, dass die Zusage von 41,5 Mio. EUR auch für den Standort Essen gilt. Neben der “Fotostadt” Düsseldorf (wie Bürgermeister Thomas Geisel bereits angekündigt hatte) und Essen hatte sich nur Ulm offiziell als Kandidat für ein deutsches Fotoinstitut beworben. Die vielen anderen erklärten und selbsterklärenden Fotostädte wie Köln, Berlin, München oder Dresden sind nicht mehr im Rennen.

Essen ist der richtige Ort

Essen hatte sich bei der internen Bewertung der Kommission eindeutig durchgesetzt – “aufgrund einer hervorragenden Konzentration der Einrichtungen und des vorhandenen Fachwissens in der Fotografie”. Das Folkwang Museum in Essen hat eine der „wertvollsten nationalen Sammlungen künstlerischer Fotografie“ aufgebaut. Die Folkwang Universität der Künste ist führend mit Lehrstühlen für Fototheorie und -praxis, weitere Kurse sind geplant. Mit dem Bildarchiv der Firma Krupp und dem Fotoarchiv des Ruhrgebiets befinden sich in der Stadt auch zwei hochkarätige historische Sammlungen. Die Tatsache, dass Essen auch ein freies Grundstück im Weltkulturerbe der Zeche Zollverein beantragt hatte, dürfte der entscheidende Faktor für die größte Stadt im Ruhrgebiet gewesen sein.

auch lesen

Photoshop

Es muss jetzt schnell gehen, der beharrliche Rat der Experten. Das BKM verfügt über 500.000 Euro für eine Machbarkeitsstudie. Sie sollten jetzt sofort in die Prüfung des Essener Antrags investieren. Die Kommission betonte, dass die bereits genehmigten 83 Millionen noch lange nicht vorbei seien. Die Nachlassverwaltung ist auf lange Sicht personalintensiv.

Ein staatlicher Nachlassverwalter von Fotografen konkurriert natürlich auch mit dem Kunsthandel. Denn für viele Galerien, aber auch für Auktionshäuser werden Nachlässe von Künstlern und Fotografen immer wichtiger. Einige haben jetzt ihre eigenen Kuratoren, die das Erbe von Fotografen übernehmen. Die Galerie Hauser & Wirth aus Zürich repräsentiert seit 2017 das Erbe eines der einflussreichsten deutschen Fotografen: August Sander. Seit 2018 vertritt die New Yorker Paula Cooper Gallery die Nachlässe von Bernd und Hilla Becher, Lehrern der Düsseldorfer Schule.

auch lesen

Peter Lindbergh

Interview mit Peter Lindbergh

Ohne den Handel gäbe es und würde es nicht den Bereich einer „Museumskunstfotografie“ geben, sagte Grütters bei der Vorstellung des Konzepts für das Fotoinstitut. Es sollte jedoch nicht allein dem Einzelhandel überlassen werden, sich mit den Nachlässen von Fotografen zu befassen. Um den Fortbestand der Fotografie zu gewährleisten, “könnten Kunsthändler und Galeristen ohne die Hilfe der Bundesregierung oder der Landesverantwortung nicht zurechtkommen”, sagte Grütters gegenüber WELT. Der Staat muss seiner Verantwortung gerecht werden.

Aber der Handel ist “sehr klar” im Wettbewerb mit dem Institut, sagte Ute Eskildsen. Als Mitglied der Expertenkommission hat der langjährige Direktor der Fotosammlung im Museum Folkwang das Konzept mitverfasst. Eskildsen stellte klar den Nachteil fest, den man gegenüber dem Kunsthandel hatte: “Das Bundesinstitut wird nicht über die finanziellen Mittel verfügen, um Rabatte und Nachlässe zu kaufen.” Es sei eine Ehrensache, diese Hinterlassenschaften dem Bundesinstitut zu übergeben, kommentierte Monika Grütters.

.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Most Popular

Lehren aus der Pandemie: Aufruf zur Einbeziehung der geschlechtsspezifischen Inklusion in Unterstützungsmaßnahmen – Stellungnahme

Erst im März verhängte die Regierung gesundheitliche Beschränkungen, um die Ausbreitung von COVID-19 zu bekämpfen. Die Wirtschaft begann zu bröckeln und wirkte sich...

Bars, Restaurants und Strip-Clubs in Anchorage, die als COVID-19-Expositionsorte bezeichnet werden – KTVA 11

"Mit dem gegenwärtigen Anstieg der Fälle und der damit verbundenen Kontakte ist unsere Rückverfolgungskapazität im Bereich der öffentlichen Gesundheit voll ausgeschöpft", sagte Natasha Pineda,...

Liverpools Manager Jürgen Klopp eröffnet eine Beziehung zu Man City-Chef Pep Guardiola

Jürgen Klopp hat gezeigt, dass er für den Manager von Manchester City, Pep Guardiola, voller Bewunderung ist. Das Paar ist...

Union fordert die Schauspieler auf, nicht am Pandemiefilm ‘Songbird’ zu arbeiten.

LOS ANGELES - Die Gewerkschaft, die Filmschauspieler vertritt, forderte ihre Mitglieder am...

Recent Comments