Die Wartezeit in der Psychiatrie nimmt zu: Fride (20) musste ein halbes Jahr auf Hilfe warten

Ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich dachte, entweder muss ich mir Hilfe holen, oder ich kann nicht mehr“, sagt sie.

Nach einem halben Jahr des Wartens wurde Stokke Dyb endlich medizinische Versorgung angeboten. Als sie sich zwischen einem Psychiatriestudium in Ålesund oder einem Studium in Oslo entscheiden musste, stellte sie ihre Gesundheit in den Vordergrund.

Sie glaubt, dass die erhöhte Wartezeit im schlimmsten Fall dazu führen könnte, dass sich mehr Menschen das Leben nehmen, während sie auf Hilfe warten.

Lange Wartezeiten

Immer mehr Kinder und Jugendliche werden nicht so schnell behandelt, wie ihnen zusteht.

Neue Zahlen zeigen, dass die Wartezeit für Kinder und Jugendliche in der Psychiatrie in Helse Møre og Romsdal im Juli bis zu 85 Tage betrug. Zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr betrug die Wartezeit 65 Tage.

Die Krankenkasse hat eine Frist, die besagt, wie lange es dauert, bis Sie Hilfe bekommen. Wie lange die Frist ist, ist nach Angaben der Gesundheitsdirektion jeweils individuell. Personen unter 23 Jahren haben jedoch eine Garantie von maximal 65 Tagen Wartezeit.

Im Juli unterbrachen die Gesundheitsunternehmen des Landes die Wartezeit in 52 Fällen.

– Sehr ernste Lage

Im vergangenen Jahr nahmen sich in Norwegen 658 Menschen das Leben. Adrian Lorentsson von Mental Health Youth glaubt, dass die längeren Wartezeiten in der Psychiatrie damit zusammenhängen.

– Für diejenigen, die sitzen und warten, ist dies eine sehr ernste Situation, sagt er und fuhr fort:

Adrian Lorentsson von Mental Health Youth sagt, dass die Wartezeit Leben oder Tod bedeuten kann.

Foto: Privat

– Sobald Menschen um Hilfe gebeten haben, gibt es eine enorme Schwelle, die es zu überwinden gilt. Dass man dann erlebt, ernst genommen zu werden, ist ganz entscheidend für die weitere Entwicklung.

Lorentsson ist überzeugt, dass Menschenleben jetzt verloren gehen, weil Menschen nicht schnell genug geholfen wird.

– Wenn die Regierung jetzt nichts tut, werden wir alle nicht miteinander auskommen.

Neuer Eskalationsplan

Der Staatssekretär im Ministerium für Gesundheit und Pflege, Ole Henrik Krat Bjørkholt, sagt, es sei besorgniserregend, dass die Wartezeiten für Kinder und Jugendliche zunehmen.

Sie arbeiten nun an einem neuen Eskalationsplan für psychische Gesundheit, der 2023 vorgestellt werden soll.

– Wir wissen, dass das Ausmaß schwerer psychischer Erkrankungen bei jungen Menschen zugenommen hat. Es sieht so aus, als wäre es eine Folge der Pandemie. Essstörungen, Angstzustände und Depressionen haben in kurzer Zeit stark zugenommen.

Staatssekretär Ole Henrik Krat Bjørkholt (AP)

– Wir arbeiten an einem neuen Eskalationsplan für psychische Gesundheit, der sich sowohl mit niedrigschwelligen Angeboten befassen als auch die Kapazitäten in spezialisierten Gesundheitsdiensten erhöhen wird, sagt Staatssekretär im Ministerium für Gesundheit und Pflege, Ole Henrik Krat Bjørkhol.

Foto: Esten Borgos, Borgos Photo AS

– Die Kapazität im Gesundheitssystem hat nicht abgenommen, aber die Nachfrage ist in kurzer Zeit stark gestiegen, sagt Bjørkholt.

Sie werden nun vorrangig die Wartezeiten verkürzen und den Behandlungsstau aufholen, der während der Pandemie entstanden ist, sagt er.

Bjørkholt sagt, dass sie in diesem Jahr die Lizenzen für psychiatrische und Demenzdienste um 700 Millionen NOK erhöht und klare Forderungen an die Krankenhäuser gestellt haben, dass sie über eine höhere Kapazität verfügen müssen.

– Es ist nicht so, dass wir nur daran denken, etwas in einer Weile zu tun, wir haben bereits etwas getan. Aber wir sehen, dass es nicht reicht, und machen deshalb einen Eskalationsplan.

Arbeiten, um die Kapazität zu erhöhen

Ståle Hoff, Leiterin der Klinik in Helse Møre og Romsdal, möchte bedauern, dass Kinder und Jugendliche in der Provinz so lange auf psychiatrische Versorgung warten müssen.

– Wir arbeiten jetzt ganz konkret an Maßnahmen zur Verkürzung der Wartezeit. Wir haben eine Vereinbarung mit privaten Akteuren getroffen, die sowohl in Ålesund als auch in Molde ambulante Dienste einrichten werden. Wenn sie kommen und gehen, werden wir die Kapazität in unserem Landkreis erheblich erhöhen.

Ståle Hoff

Ståle Hoff, Leiterin der Klinik für psychische Gesundheit und Drogenmissbrauch in Helse Møre og Romsdal, sagt, es sei wichtig, dass junge Menschen schnell Hilfe bekommen.

Foto: Kristin Støylen

Er sagt, die Wartezeit sei darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Patienten nach der Pandemie stark gestiegen sei. Hoff glaubt, dass es einfacher war, die Kapazitäten in Großstädten zu erhöhen, weil dort mehr Fachleute Zugang hatten.

– Aber jetzt ergreifen wir Maßnahmen, die hoffentlich über den Herbst hinaus laufen. Wichtig sei, dass jungen Menschen schnell geholfen werde, sagt der Klinikleiter.

Fride Stokke Deep

Nach einem halben Jahr des Wartens wurde bei Fride Stokke Dyb eine bipolare Störung Typ 2 diagnostiziert, als sie endlich medizinische Versorgung erhielt.

Foto: Marius Åmbakk Bjørkedal / NRK

Wartezeit unter einem Monat

Im vergangenen Herbst zog Fride Stokke Dyb in die Nachbargemeinde, um ihr Studium zu beginnen. Wieder hatte sie das Bedürfnis nach Hilfe und beschloss, sich dort zu bewerben. Dann war die Wartezeit weniger als einen Monat.

– Ich denke, es war einfacher, dort Hilfe zu bekommen, weil ich bereits eine Diagnose erhalten hatte. Wenn ich es nicht gehabt hätte, hätte es glaube ich so lange gedauert wie in Ålesund.

Stokke Dyb glaubt, dass es wichtig ist, schnell Hilfe zu bekommen, weil man nie weiß, wie schnell etwas schief gehen kann.

Die Wartezeit ist viel zu lang. Zu viele Menschen nehmen sich in der Zwischenzeit das Leben. Und es gibt zu viele, denen nicht geholfen wird.

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