Die Zweifel an der Fusion von Deka und Helaba nehmen zu

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Die Gespräche zwischen den beiden Instituten dauern nur wenige Tage. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch hoch, dass es am Ende wie bei der Deutschen Bank und der Commerzbank zu keiner Fusion kommen wird. Zwei mit dem Projekt vertraute Personen sagten dem Handelsblatt, sie hätten keine Fusion erwartet. Andere Parteien, die der Konsolidierung tatsächlich positiv gegenüberstehen, halten eine Fusion derzeit für unwahrscheinlich.

Der Hauptgrund dafür ist, dass einige Deka-Eigentümer einer Fusion skeptisch gegenüberstehen. Sie warnen davor, das funktionierende Geschäftsmodell des Fondsanbieters nachlässig aufzugeben. Darüber hinaus weisen die Teilnehmer darauf hin, dass eine Fusion äußerst komplex wäre. Zu klären ist unter anderem, welche Rolle das Land Hessen in Zukunft in einem zusammengeschlossenen Institut spielen soll.

Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis, der größte Treiber und Befürworter eines Zusammenschlusses, weiß um die Schwierigkeiten: “Es ist nicht selbstverständlich, dass das offene Prüfungsverfahren zum Erfolg führt”, sagte er letzte Woche in der “Sparkassen-Konferenz”. Zeitung “. “Weil es noch viele Hürden geben wird.”

Beide Banken bearbeiten derzeit die Aufträge ihrer Ausschüsse, erläutert der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) auf Anfrage des Handelsblatts. “Der erste Schritt besteht darin, ein gemeinsames Verständnis für die Tiefe zu entwickeln, bis zu der eine engere Zusammenarbeit zwischen den Häusern möglich ist.” Helaba und Deka wollten sich nicht äußern.

Das große Vorbild der DZ Bank

Sollte eine Fusion beider Banken scheitern, wäre dies ein großer Rückschlag für DSGV-Chef Schleweis. Er hat sich klar für einen Zusammenschluss ausgesprochen und sieht darin den Ausgangspunkt für eine umfassende Konsolidierung des öffentlichen Dienstleistungssektors. Letztendlich sollte es aus seiner Sicht ein Zentralinstitut geben, das die fast 400 Sparkassen mit Dienstleistungen versorgt und die Geschäfte abwickelt, die die Institute allein nicht führen können.

“Eine Fusion von Helaba und Deka würde einen Kern für ein Zentralinstitut schaffen”, sagte Schleweis im November in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Die Bereitschaft und die Möglichkeit, weitere Banken hinzuzufügen, sind vorhanden. Das ist nur der Anfang. “

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Neben der Helaba gibt es derzeit drei größere Landesbanken: die LBBW in Stuttgart, die BayernLB in München und die NordLB in Hannover. Die Deka ist die zentrale Fondsgesellschaft der Sparkassen, einige von ihnen bieten jedoch die gleichen Dienstleistungen wie Regionalbanken an.

Viele Top-Manager des öffentlichen Rechts und Bankaufsichtsbehörden halten diese Liste für ineffizient und drängen auf Konsolidierung. Der genossenschaftliche Finanzsektor gilt für viele als Vorbild. Die Volks- und Raiffeisenbanken – die stärksten Konkurrenten der Sparkassen – kommen nun mit einem Spitzeninstitut, der DZ Bank, aus. Die Frage ist, wie lange sich die Sparkassen angesichts des zunehmenden Negativzinsdrucks und des starken Wettbewerbs mehrere Zentralbanken leisten können.

Bereits im Dezember stellte sich heraus, dass ein Zusammenschluss von Helaba und Deka kein Erfolg ist. Damals beschloss der Deka-Verwaltungsrat, eine engere Zusammenarbeit mit der Helaba zu prüfen – jedoch keine Fusion. Darüber hinaus wurde die Entscheidung nicht einmal einstimmig getroffen. Wenige Tage später stimmte der Helaba-Vorstand dann einstimmig für Gespräche, um „zu erörtern, wie die Stärken beider Unternehmen in einer effizienten Zentralinstitution der Sparkassen-Finanzgruppe zusammengeführt werden können“.

Bei den Deka-Eigentümern gibt es jedoch unterschiedliche Perspektiven. Baden-Württemberg hat in der Debatte um ein Zentralinstitut bereits Vorbehalte gemacht. Auch Sparkassenvertreter aus anderen Regionen seien nach Angaben der Finanzkreise vorsichtig. Insider sprechen mittlerweile von drei Gruppen: Befürwortern, Gegnern und Skeptikern, die generell für eine Konsolidierung sind, aber auch auf die großen Hürden bei einem Zusammenschluss hinweisen.

“Eine Fusion wäre äußerst komplex”

Kaum jemand im Sparkassenlager bezweifelt, dass die Verschmelzung von Deka und Helaba viele wirtschaftliche Vorteile hätte. Synergien ergeben sich nach Einschätzung der Beteiligten vor allem in drei Bereichen: im Kreditgeschäft, in der Vermögensverwaltung und in den Stabsfunktionen.

Andererseits müssen jedoch eine Reihe von Problemen gelöst werden. “Eine Fusion wäre äußerst komplex”, sagt eine Person, die mit dem Thema vertraut ist. Zahlreiche rechtliche und steuerliche Fragen müssen geklärt werden. “Alles kann gelöst werden, aber viel Arbeit.”

Da die Helaba und die Deka in hohem Maße im Immobiliengeschäft tätig sind, müssen die Institute im Falle einer Verschmelzung möglicherweise Grunderwerbssteuern entrichten. “Es ist ein wirklich großer Teil”, sagt ein Insider. Allein die Helaba-Immobilientochter GWH verwaltet rund 50.000 Wohnungen.

Eine Fusion wäre auch deshalb schwierig, weil die beiden Institute unterschiedliche Rechtsformen haben. Die Deka ist eine öffentlich-rechtliche Bundesanstalt und wird unter anderem vom Bundesministerium der Finanzen beaufsichtigt. Die Helaba ist eine Anstalt des öffentlichen Rechts nach Landesrecht – basierend auf einem Staatsvertrag zwischen Hessen und Thüringen. Dies definiert unter anderem die Aufgaben der Helaba – und die Bundesländer müssten sich auf wesentliche Änderungen einigen.

Für viele Sparkassen aus anderen Regionen ist klar, dass die Helaba im Zuge einer Fusion ihre Rechtsform aufgeben müsste. Weil sie nicht wollen, dass eine Sparkassen-Zentralbank letztendlich von Entscheidungen der hessischen oder thüringischen Staatsminister abhängt. Das Land Hessen hält derzeit gut acht Prozent an der Helaba, das Freistaat Thüringen vier Prozent.

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Als ideale Lösung stellen sich DSGV-Präsident Schleweis und andere Sparkassenbeamte eine Zentralbank ohne Beteiligung der Bundesländer vor. Bei einem Zusammenschluss von Helaba und Deka wäre es jedoch zeitaufwändig und teuer, die Länder aufzukaufen. Dies gilt insbesondere für Hessen, das neben seiner direkten Beteiligung auch der Helaba eine stille Einlage in Höhe von 1,92 Mrd. Euro zugesagt hat.

Darüber hinaus müssten sich alle Beteiligten darauf einigen, ob und wie die Hessische Wirtschafts- und Infrastrukturbank (WI-Bank) von der Helaba getrennt wird. Das Institut ist unter anderem in den Bereichen Struktur-, Wirtschafts-, Sozial- und Wohnungsförderung tätig.

Grundsätzlich haben viele Sparkassen Bauchschmerzen, im Rahmen einer Fusion das klare Geschäftsmodell und die homogene Eigentümerstruktur der Deka aufzugeben. Die Sparkassen haben 2011 die 50-prozentige Beteiligung der Landesbanken an der Deka gekauft und sind seitdem alleiniger Eigentümer der Fondsgesellschaft. Und seitdem hat sich die Deka aus Sicht der Sparkassen mit ihrem klaren Fokus auf das Fondsgeschäft und das Asset Management gut entwickelt.

Mehr: Helaba-Chef Herbert Hans Grüntker soll künftig die NordLB steuern. Darüber hinaus entsendet die Sparkassen-Finanzgruppe den Restrukturierungsexperten Matthias Wargers in den Aufsichtsrat – und will die Schrumpfungsrate der Landesbanken überwachen.

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