Dies sind die Nachkommen der Nadelbarone

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Aachen Eine Hängematte hängt im Büro von Senior Klaus Pavel und wird immer noch jeden Tag benutzt. Perspektivwechsel können für mittelständische Unternehmen hilfreich sein, die sich immer wieder neu erfinden müssen. Perspektivwechsel gehören auch zu Pavel's Leben. Er verbrachte seine Kindheit in Brasilien, ist Honorarkonsul dieses Landes und arbeitet dort für die Armen.

Die Geschichte seiner Firma RNA Rheinnadel Automation war ebenfalls ereignisreich. Die Ursprünge lassen sich bis ins Jahr 1654 zurückverfolgen, als der Meisternadelhersteller Quirinus Chorus mit der Herstellung und dem Verkauf von Handnähnadeln begann. Die erste Nadelfabrik wurde 1861 gebaut und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Unternehmen zum größten Nadelhersteller der Welt.

Schon damals war man mit dem Einkaufen beschäftigt, es kamen Hersteller von Knöpfen, Nieten, Verschlüssen, Speichen und sogar die Automobilfirma Fafnir hinzu. 1955 verkaufte der damalige Inhaber Walter Hesse das Unternehmen an die Brüder Herbert und Horst Pavel.

Jeder von ihnen übernahm 50 Prozent – beide hatten zuvor Karriere gemacht, Herbert arbeitete als Geschäftsführer bei Conde Matarazzo in Brasilien und der Traum, Unternehmer zu sein, wurde erfüllt, sein Bruder Horst, der für die Quandts gearbeitet hatte, leitete den Beirat.

Herbert expandierte, orientierte sich mehr am Umsatz, weniger am Gewinn. Der Vollblutunternehmer dachte groß, war aber auch sehr sparsam. Als sein Sohn Klaus 1970 nach erfolgreichen Karrieren bei Siemens und Mercedes ins Unternehmen kam, gerieten die beiden in Konflikt: "Mein Vater hat mich dreimal rausgeschmissen und am nächsten Tag eingestellt", erinnert sich der 83-Jährige heute.

Der Sohn wollte sich auf das gut laufende Nadelfutter konzentrieren, der Vater erhielt sein Konglomerat von Firmen. Wie die beiden Brüder Horst und Herbert teilten sich die Söhne Klaus und Uwe die Führung; Nach dem Tod des Vaters wurde Uwe auch Vorsitzender des Beirats.

Zu dieser Zeit war die Rheinnadel einer von acht Nadelherstellern in Aachen. Klaus Pavel setzte sich dafür ein, gemeinsam auf dem Weltmarkt zu bestehen. Der erfahrene Manager hatte auf seinen Reisen nach China gesehen, dass die großen Fabriken dort sonst den Markt übernehmen würden. Die sogenannten „Nadelbarone“ wollten auf diesen Vorschlag nicht reagieren. Und so geschah es, wie es Klaus Pavel vorausgesagt hatte: Die Nadelindustrie in Aachen ist verschwunden.

Mitarbeiter sind am Erfolg beteiligt

Schließlich musste auch Rheinnadel die Produktion einstellen. Was blieb, war das Know-how, die Fütterungstechnik. Klaus Pavel hatte bereits 1972 die Firma RNA (Rhein-Nadel Automation) gegründet und zum Weltmarktführer ausgebaut. Die präzise Zuführung von Kleinteilen in Produktionsanlagen wurde zum Kerngeschäft des Maschinenherstellers.

In den 1980er und 90er Jahren wurden alle anderen Unternehmen der Gruppe verkauft. Anstelle von Nadeln baute das Unternehmen nun Spezialmaschinen. Klaus Pavel hat weitere Patente und Verkaufsstellen von der Schaeffler Gruppe gekauft.

"Langlebige Familienunternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich in regelmäßigen Abständen neu ausrichten und neu erfinden können", sagt Tom Rüsen, Direktor des Wittener Instituts für Familienunternehmen. Durch die Gründung von Unternehmen und Akquisitionen entsteht aus dem ehemaligen Nadelkonglomerat ein Weltmarktführer in der Fütterungstechnik. Klaus Pavel hat keine Angst davor, Spezialisten aus der Kneipe vor der Haustür des Wettbewerbs zu werben. "Mit Erfolg", wie er sagt.

Zu dieser Zeit hatten nicht viele Familienunternehmen das, was er zu bieten hatte: die Beteiligung der Mitarbeiter am Erfolg. "Wir haben seit der Firmengründung immer am Ergebnis mitgewirkt", ist Klaus Pavel stolz. Man muss etwas zurückgeben und er zitiert gerne ein chinesisches Sprichwort: "Wenn man Menschen führen will, muss man sich hinter sie setzen."

Für die Familie war es Teil des sozialen Engagements. Im ärmsten Land Brasiliens versucht das Unternehmen seit Jahrzehnten, Tausenden von Kindern und Jugendlichen eine Perspektive mit der "Pavel Children Foundation" zu geben. Klaus Frau Gudrun Pavel erhielt für ihr Engagement das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und Papst Franziskus lud die Familie zu einer Audienz ein.

Klaus Pavel schied 2003 aus dem Management-Team aus, zwei Führungskräfte, die keine Familienmitglieder, sondern Unternehmen sind – Jack Grevenstein und Benedict Borgreve – leiteten das Unternehmen. Die Inhaber Uwe und Klaus hatten vereinbart, dass keine Nachkommen die Firma führen sollten. "Wir wollten keinen Kampf, weder in der Firma noch in der Familie", sagt Klaus Pavel.

Familie in der Führung

Er kümmert sich gerne um den Aachen-Laurensberger Rennverein, den Veranstalter des Chio-Reitturniers. Er war 17 Jahre lang Präsident des Vereins. Auch dies war einst ein Umstrukturierungsfall, den er mit seinem unternehmerischen Flair auf eine solide Grundlage stellte. Unter seiner Führung avancierte der Chio auch zu einer Art Weltmarktführer – und gilt als die größte Pferdesportveranstaltung der Welt. "Damals war es ein Umstrukturierungsfall mit umstrittenen Parteien und Gerümpeln." Heute ist Pavel Ehrenpräsident. Er erhielt unter anderem den Goldenen Ring der Stadt Aachen, das Reiterabzeichen in Gold und den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen.

2012 fragten die Geschäftsführer, ob doch ein Nachfolger aus der Familie kommen solle, immerhin waren es drei Söhne. Als Garant für Kontinuität und Strategie sowie für das Vertrauen der Mitarbeiter in das Unternehmen wurde ein weiteres Familienmitglied an der Spitze benötigt. Zudem war die Unternehmensgruppe zu groß geworden, sodass die Geschäftsführung erweitert werden musste. Der zweite Sohn Christopher wurde gefragt, ob er der Geschäftsführung beitreten würde. "Ich habe nicht lange nachgedacht", sagt der Letztere.

Nach dem Abitur in einem Schweizer Internat, dem Studium der Betriebswirtschaftslehre in Paris und verschiedenen Management- und Maschinenbauerfahrungen in anderen Unternehmen war er gut auf die Stelle vorbereitet. Er war für SKF und die SMS Group tätig und leitete zuletzt das Geschäft in Deutschland bei Greengas International. Insgesamt 15 Jahre Erfahrung im Maschinenbau. Seine erste Amtshandlung: Erneuern Sie das Logo und teilen Sie der Außenwelt mit, dass Sie Weltmarktführer sind.

Heute beschäftigt das Unternehmen RNA 400 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 61 Millionen Euro. Neben dem Hauptsitz gibt es sieben weitere Produktionsstätten im In- und Ausland. Die Geschäftsführung war auch an einer der letzten Firmengründungen beteiligt, der PSA Zuführtechnik GmbH (innerhalb der Familie: "Pavel sortiert alles"), die Kleinteile unter Reinraumbedingungen liefert.

Neue Geschäfte im Internet der Dinge

Fast die Hälfte aller im Haushalt verwendeten Kleinteile wie Sprühköpfe von Fensterputzern, Steckdosen oder Verschlüssen von gepresster Apfelmus oder Orangensaft bis hin zu Teilen von Elektrogeräten durchlaufen inzwischen RNA-Maschinen, so Christopher Pavel.

Aber auch der erfolgreiche Mittelstand muss sich mit den sich ändernden Anforderungen der Branche auseinandersetzen. "Wir stehen vor Herausforderungen, wenn sich viele Verpackungen aufgrund des größeren Umweltbewusstseins der Verbraucher ändern", sagt Christopher Pavel. Zudem wächst der Innovationsdruck. Rüsen weiß, dass sich die Entwicklungszyklen im Maschinenbau auf fünf bis zehn Jahre verkürzen.

Natürlich spielt das Thema Industrie 4.0 auch für RNA eine wichtige Rolle; Im Jahr 2018 kaufte RNA ein Start-up mit einer vielseitigen Technologie. Mit Hilfe von Sensoren zeichnet eine Box die Daten von Maschinen auf und überträgt sie auf eine digitale Plattform. Das mittelständische Unternehmen will mit dem Internet der Dinge neue Geschäftsfelder erschließen. Denn das Gerät ist branchenübergreifend einsetzbar und könnte daher auch an andere Maschinenbauer verkauft werden.

Als junger Familienvater kann Christopher Pavel seine unternehmerische Laufbahn jedoch auch in Teilzeitjobs nicht leugnen. Zusammen mit einem Freund gründete der 44-Jährige das Start-up Bobby.baby, das ein tragbares Gerät entwickelt hat, mit dem sich Kindersitze automatisch stecken lassen. Eine Technologie, die Babys beruhigen und Eltern entlasten soll, indem sie Kindern unter einem Jahr auf den Kindersitz tippt.

Christopher trat daher in der Show für die Startups "The Thing of the Year" bei Pro7 auf. Ihre Hauptaufgabe ist die RNA. "Es ist schön, dass Sie selbst entscheiden können", sagt er. Die beiden externen Manager stehen ihm weiterhin zur Seite. Sie wollten ein Familienmitglied an der Spitze – und haben es bekommen.

Mehr: Handelskonflikte und die Verlangsamung der Weltwirtschaft belasten die Maschinenbauer. Kunden sind verunsichert. Kann 2020 eine Trendwende bewirken?

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