Ein Preis von einer Milliarde Euro und noch 19 Jahre lang: So funktioniert die Stilllegung des Kernreaktors Doel 3

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Der Kernreaktor Doel 3 wird am Freitagabend nach vierzigjähriger Karriere zum letzten Mal Strom produzieren. Dann beginnt ein jahrelanger Prozess der Stilllegung und Demontage. Preisschild: rund eine Milliarde Euro.

Der Kernreaktor im Polderdorf Doel an der Schelde wurde 1982 in Betrieb genommen. Heute/Freitag geht es endgültig los für das 1.006-Megawatt-Kraftwerk. Damit ist Doel 3 das erste Kernkraftwerk in unserem Land, das im Rahmen des Atomausstiegs stillgelegt wird.

Während dieser vierzig Jahre wurde das Kraftwerk unerwartet für drei Jahre stillgelegt. 2012 wurden Risse in den Stahlwänden der Reaktorbehälter von Doel 3 und Tihange 2 entdeckt. Dies brachte beiden Anlagen den Spitznamen „Crack-Anlagen“ ein. In Wirklichkeit handelt es sich um Wasserstoffflocken im Stahl. Doel 3 durfte erst 2015 wieder anlaufen, nach umfangreichen Recherchen und grünem Licht der Atomaufsicht FANC.

(Lesen Sie mehr unter der Tabelle)

19 weitere Jahre Arbeit

Gegen 21 Uhr wird der Reaktor für die Ewigkeit vom Stromnetz getrennt. Das bedeutet nicht, dass die Büros und Werkstätten aufgegeben werden. „Wir betreiben die Anlage seit 40 Jahren, sind aber erst zu zwei Dritteln so weit. In Doel 3 sind noch 17 bis 19 Jahre Arbeit zu leisten“, sagt Peter Moens, Direktor des Kernkraftwerks Doel.

Einige Tage nach dem Abschalten des Reaktors werden alle Kabel vom Reaktor gelöst, die Schrauben des Reaktordeckels herausgeschraubt und der Reaktor geöffnet. Damit beginnt die Einstellungsphase, die fünf Jahre dauert. Die 157 Brennelemente – der Brennstoff – werden aus dem Reaktor gehoben und in Kühldocks gelegt, wo sie 3 bis 5 Jahre unter Wasser abkühlen müssen. Der Kernbrennstoff wird dann in spezielle Behälter transportiert, die am Standort Doel bis zur endgültigen unterirdischen Lagerung gelagert werden. Außerdem wird das Kraftwerk in den ersten Jahren auf alle radioaktiven Partikel desinfiziert. Dies geschieht durch chemisches Spülen der Rohre.

Erst nach fünf Jahren wird mit dem endgültigen Rückbau des Reaktors und der Dekontaminierung der restlichen Gebäude begonnen. Dazu gehört das Schneiden der Innenteile des Reaktors. Ein Prozess, der locker noch 10 bis 12 Jahre dauern wird, gefolgt vom konventionellen Abriss der restlichen Gebäude.

1 Milliarde Euro

Der Abriss und Rückbau von Doel 3 ist mit einem Preisschild von etwa einer Milliarde Euro verbunden, das aus den nuklearen Rückstellungen des Betreibers Engie Electrabel stammt. Für die Stilllegung aller sieben Reaktoren in Doel und Tihange sind insgesamt 6,3 Milliarden Euro vorgesehen.

Nach dem vollständigen Rückbau aller Reaktoren in Doel wird letztlich nur noch ein Depot übrig bleiben, in dem der Kernbrennstoff bis zur endgültigen unterirdischen Einlagerung gelagert wird. Engie Electrabel geht davon aus, dass diese Gebäude noch achtzig Jahre, also bis 2.100, bestehen werden.

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