– Eine Russifizierung

In Teilen der von Russland besetzten Ukraine hat Russland auch begonnen, das Internet zu besetzen. Die Ukrainer in den besetzten Gebieten Cherson, Melitopol und Mariupol sind vom Rest des Landes isoliert. Sie haben nur begrenzten Zugang zu Nachrichten über den Krieg und können nicht mit Freunden und Familie außerhalb der besetzten Gebiete kommunizieren. Mancherorts sind Internet und Mobilfunknetze komplett gesperrt, heißt es New York Times.

In diesen Bereichen ist Russland nun in der Lage, das Online-Geschehen zu verfolgen und die digitale Kommunikation zu überwachen, es kann Propaganda verbreiten und den Auskunftrmationsfluss kontrollieren.

Lokale Quislinge

Der Zugang zu objektiven Nachrichten wird gestoppt, sie schaffen russisches Fernsehen und russisches Internet.

– In diesen Gebieten der Ukraine findet eine Russifizierung statt. Russland setzt lokale “Quislinge” ein, um zu regieren, sie erzwingen den Gebrauch der russischen Sprache, die Menschen werden gezwungen, russische Pässe zu bekommen, und sie deportieren Menschen nach Russland. Sie haben Hunderttausende Menschen aus den besetzten Gebieten deportiert und drängen Menschen in eine russische Gesellschaft, sagt Palle Ydstebø.

UNTER DRUCK: Ukrainer werden in die russische Gesellschaft gedrängt, sagt Oberstleutnant Palle Ydstebø. Foto: Terje Pedersen / NTB
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Ukrainer, die mit den Russen kollaborieren, werden so für die besetzten Gebiete verantwortlich gemacht, so wie NS-Mitglieder prominente Rollen erhielten, als Deutschland Norwegen besetzte.

– Die Russen tun genau das, was die Deutschen im Zweiten Weltkrieg in Norwegen getan haben, sagt Ydstebø.

Nördlich der Krimhalbinsel wurden in der Schule die russische Währung und die russische Sprache eingeführt.

DIE FRONT: Das Video soll zeigen, wie die Stadt Pisky an der Front in der Ukraine von russischen Streitkräften bombardiert wird. Videos: Twitter. Reporter: Vegard Krüger.
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Werde mal den Widerstand prüfen

Oberstleutnant und Schulleiter der norwegischen Verteidigungsakademie Geir Hågen Karlsen glaubt, dass die Russen ihre Kontrolle über das Internet und den Auskunftrmationsfluss verschärfen, um es der ukrainischen Widerstandsbewegung zu erschweren, neue Ziele zu nehmen.

– Im Gebiet östlich von Cherson, nördlich der Krim, findet eine Sicherheitsoperation statt, über die wir Bescheid wissen müssen. In diesem Gebiet, einschließlich Melitopol, gibt es eine sehr ausgedehnte ukrainische Widerstandsbewegung, die russische Streitkräfte angreift. Sie haben Eisenbahnlinien gesprengt und Verräter liquidiert, sagt Karlsen und fährt fort:

– Dies bedeutet wahrscheinlich, dass die Russen das Sicherheitsregime verschärfen, um es den Ukrainern zu erschweren, Ziele für Artillerie und andere Waffensysteme zu identifizieren.

Kampf um Schlüsselregion: - Kritische Phase

Kampf um Schlüsselregion: – Kritische Phase




Erfahrene Zensur

Generalleutnant Arne Bård Dalhaug hat von 2016 bis 2019 im russisch besetzten Gebiet Luhansk in Donezk gelebt.

Der Generalleutnant selbst erlebte damals den Verlust des Zugangs zu westlichen Fernsehsendern und hatte unter anderem Schwierigkeiten, sich per E-Mail zu verständigen.

– Darüber hinaus errichteten sie ein separates, von Russland kontrolliertes Mobilfunknetz. Während meiner Zeit in Luhansk hieß das Mobilfunknetz Lugacom. So reduziere man den Auskunftrmationsfluss unabhängiger Auskunftrmationen, sagt Dalhaug gegenüber Dagbladet.

DAS FERNSEHEN VERLOREN: Als Generalleutnant Arne Bård Dalhaug im russisch kontrollierten Teil der Ukraine lebte, verlor er den Zugang zum westlichen Fernsehen.

DAS FERNSEHEN VERLOREN: Als Generalleutnant Arne Bård Dalhaug im russisch kontrollierten Teil der Ukraine lebte, verlor er den Zugang zum westlichen Fernsehen.
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Er betont, dass die Kontrolle des Auskunftrmationsflusses für Russland ein bekannter Schachzug sei.

– Das Internet und das Mobilfunknetz abzuschalten und ein eigenes aufzubauen, hat Russland in der Vergangenheit getan. Sie haben dafür eine Ausbildung, sagt er.

Schwer zu verbergen

Als Dalhaug in Luhansk lebte, konnte er im Fernsehen nur alte russische Kriegsfilme und Reden von Putin und dergleichen sehen.

– Es ist klar, dass man den Bezug zur Realität verliert, wenn man dem nur ein paar Jahre ausgesetzt ist, sagt Dalhaug.

Auf der Westseite des Flusses Dnipro halten russische Truppen das Gebiet von Cherson. Mehrere Experten haben vorausgesagt, dass der Kampf nun hier enden wird. Ukrainische Streitkräfte starten hier eine Offensive.

– Sollte Russland diese verlieren und sich aus dem Gebiet zurückziehen, könne Putin – rein propagandistisch – unmöglich verbergen, dass sie eine große Niederlage erlitten haben, sagt Arne Bård Dalhaug.

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