Einige Viren lassen Sie für Mücken gut riechen

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Der Geruch von Patienten mit dem Dengue- oder Zika-Virus ist für Mücken unwiderstehlich. Ein cleverer Trick dieser Viren, entdeckten Wissenschaftler.

Die Mückensaison ist schon seit einiger Zeit im Gange. Viele Menschen haben schlaflose Nächte mit diesem endlosen Summen. Am Morgen hat man dann ein paar juckende Beulen als Andenken. Aber es könnte noch schlimmer kommen, denn Mücken (insbesondere in tropischen Gebieten) übertragen auch Virusinfektionen.

Und diese Viren sind schlauer als Sie denken: Indem sie den Geruch ihres Wirts ändern, erhalten sie viel mehr kostenlose „Mitfahrgelegenheiten“ zum nächsten Opfer. So entdeckt ein Forschungsteam unter der Leitung von Gong Cheng von der chinesischen Tsinghua-Universität in Zusammenarbeit mit anderen chinesischen Instituten und der University of Connecticut (USA).

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Anomalien des Gehirns

Das Dengue- und das Zika-Virus gehören beide zur Familie der sogenannten Flaviviren. Dengue verursacht Dengue-Fieber† Sie bekommen Fieber, Muskelschmerzen und Juckreiz. In einigen Fällen kann es zu starken Blutungen und zum Tod führen. Aus Zika Erwachsene werden oft nicht ernsthaft krank, aber wenn die Mutter infiziert ist, kann es zu schweren Hirnanomalien beim ungeborenen Kind kommen.

Beide Flaviviren sind für ihre Verbreitung auf Mücken angewiesen. Es wäre also nicht verwunderlich, wenn sie einen Weg finden würden, diese Mücken zu sich zu locken. Das wollten die Forscher herausfinden.

Sie taten dies, indem sie eine Gruppe von Mäusen mit dem Dengue-Virus infizierten. Eine andere Gruppe blieb unberührt. Das Team ließ dann Mücken in die Käfige beider Gruppen frei. Was hat sich herausgestellt? Die kranken Mäuse wurden viel häufiger gestochen als die Kontrollgruppe. Dasselbe galt für eine Gruppe von Mäusen, die mit dem Zika-Virus infiziert waren.

Das gleiche Experiment wurde wiederholt, aber mit menschlichen Dengue- und Zika-Patienten und einer Gruppe gesunder Personen. Auch hier schienen die Mücken eine Vorliebe für die infizierten Personen zu haben.

Geruchsmoleküle

Der nächste Schritt bestand darin, den Grund für diese Präferenz herauszufinden. Also nahmen die Forscher Hautproben von kranken und gesunden Menschen und Mäusen und analysierten die Geruchsmoleküle darauf. Bei der Analyse fanden sie heraus, dass die Dengue- und Zika-Patienten (und Mäuse) eine große Menge des Moleküls freisetzten Acetofenon.

Acetophenon – oft auch stark in reifen Früchten und einigen Käsesorten vorhanden – wird von der hergestellt Bacillus-Bakterien. Dieses Bakterium lebt auf Ihrer Haut, wird aber normalerweise durch die körpereigene antibakterielle Substanz RELMα unter Kontrolle gehalten.

Das Forschungsteam fand heraus, dass die beiden Flaviviren die Produktion von RELMα unterdrücken. Dadurch wächst Baccilus schneller und produziert daher mehr Acetophenon. Und mehr Acetophenon bedeutet mehr Mücken, weil sie diesen Duft lieben.

Nun, da dies bekannt ist, gibt es laut den Forschern auch Hoffnung. So testeten sie die Vitamin-A-ähnliche Substanz Isotretinoin, ein Mittel gegen Pickel. Es ist bekannt, dass dies dazu beiträgt, die Produktion von RELMα zu steigern. Und tatsächlich: Die infizierten Mäuse, denen das Medikament verabreicht wurde, setzten viel weniger Acetophenon frei. Sie wurden im Vergleich zu Kontrollmäusen auch viel seltener gestochen.

Die Krankheiten bekämpfen?

Das Forscherteam will nun Dengue- und Zika-Patienten mit Isotretinoin behandeln, um zu sehen, ob die Wirkung auch dort sichtbar ist. Darüber hinaus ist es den Wissenschaftlern zufolge möglich, Mücken genetisch so zu verändern, dass sie für das Geruchsmolekül deutlich unempfindlicher werden.

Der Molekularvirologe Martijn van Hemert (LUMC) findet diese Forschung faszinierend. „Es ist wunderbar zu sehen, wie es ein relativ einfaches Flavivirus schafft, seine eigene Ausbreitung über Mücken durch einen komplexen und indirekten Mechanismus zu beeinflussen.“

Ausbreitung verlangsamen

Aber es ist auch nicht sehr überraschend, sagt Mückenexperte Bart Knols von der Radboud-Universität Nijmegen. „Wir wissen seit Jahren, dass Menschen mit Malaria-Erregern infiziert sind riecht attraktiver für Mücken. Dass dies aber auch für Viruserkrankungen gilt, ist neu. Bemerkenswert ist, dass dies auch auf eine einzige Substanz, Acetophenon, zurückgeführt werden kann. Es bleibt die Frage, wie dieses Wissen genutzt werden kann, um die Krankheiten effektiver zu bekämpfen.“

Van Hemert hat eine Idee dazu. „Damit könnte man Wege finden, die Ausbreitung des Virus durch die Mücke durch Eingriffe (wie etwa mit dem von den Forschern erwähnten Isotretinoin, Anm. d. Red.) in den infizierten Patienten und sein Umfeld zu hemmen. Es kann aber trotzdem sein, dass das Virus wieder einen Weg findet, diese Strategie zu umgehen.“

Quellen: Zelle, Zellpresse, Universität von Connecticut

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