Esra-Pfund: Antisemitisches Zitat am Walter-Benjamin-Platz in Berlin entfernt

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die Architektur „Richtige Zimmer“

Das umstrittene antisemitische Zitat auf dem Berliner Platz wurde entfernt

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Das umstrittene antisemitische Zitat auf dem Berliner Platz wurde entfernt

In Berlin wird seit langem über den Walter-Benjamin-Platz diskutiert. Eine als antisemitisch lesbare Inschrift war in eine Bodenplatte in der Mitte des Platzes eingebettet. Nun wurde die Platte entfernt. Wer steckt dahinter?

Die Inschrift eines Antisemiten prangte fast 20 Jahre lang auf einem Berliner Platz. Der Vers des Dichters Ezra Pound löste eine anhaltende Debatte aus – auch über „richtige Räume“ in Berlin. Jetzt wurde der Teller in einer Nacht und Nebelaktion entfernt. Wer steckt dahinter?

SSeit Monaten wird in Berlin über den Walter-Benjamin-Platz diskutiert. In eine Bodenplatte mitten auf dem Stadtplatz in Charlottenburg wurde eine antisemitisch lesbare Inschrift eingebettet: „Niemand auf der Usura hat ein Haus aus gutem Stein. Die Quader sind gepflegt, so dass die Stirnfläche strukturiert ist. „Usura“ (lateinisch für Wucher über Zinsen) spielt auf das bedrohliche Klischee der Juden als „Wucherer“ an.

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Architektur des Kalten Krieges

Der Autor des Verses ist der amerikanische Dichter Ezra Pound (1885–1972), der seit den 1920er Jahren mit Mussolini und den italienischen Faschisten sympathisierte, in Italien im Exil lebte und in seinem Hauptwerk „The Cantos“ seinen Antisemitismus zum Ausdruck brachte. . Antiamerikanische, antikapitalistische und rassistische Hassreden machten ihn zum Staatsfeind. Pfund wurde wegen Hochverrats angeklagt und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs festgenommen. Er wurde für verrückt erklärt und verbrachte zwölf Jahre in einer Nervenklinik.

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Der Architekt des Platzes, Hans Kollhoff, hatte den Vers als Kunst in der Architektur entworfen, mit dem er seine Wertschätzung eines traditionellen Baustils kommentieren wollte. Bereits bei der Eröffnung im Jahr 2000 wurde der Walter-Benjamin-Platz für sein klassizistisches Design und die Anklänge an die Architektur des Totalitarismus der 1930er Jahre kritisiert. Kollhoff wies jedoch den Vorwurf zurück, hier ein antisemitisches Zitat angebracht zu haben. Das Architekturmagazin „Arch +“ identifizierte den Platz im vergangenen Jahr in einer Ausgabe von „Right Spaces“ als einen von vielen Orten in Europa, die totalitären Herrschern huldigen oder dem öffentlichen Raum rechte Mythen bieten.

Letzten Montag sind jedoch Bauarbeiter am Walter-Benjamin-Platz eingetroffen. Sie haben die Granitplatte mit der Inschrift entfernt. Dem ging der Beschluss der Berliner Bezirksversammlung voraus, den Bezirk zu beauftragen, „dafür zu sorgen, dass die antisemitische Konnotation auf dem Boden am Walter-Benjamin-Platz beseitigt wird“. Aber der Besitzer des Ortes hat die Entscheidung des Bezirks vorweggenommen. Denn der Platz gehört nicht der Stadt, sondern seit 2018 der international tätigen Investmentgesellschaft Blackstone.

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Charlottenburgs Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Bündnis 90 / Die Grünen) hat nun auf Wunsch des Eigentümers bestätigt, dass das Schild entfernt wurde. Er hält das für eine „gute Nachricht“.

Blackstone wollte sich nicht dazu äußern, wie er mit der Inschrift umgehen soll, als er letzte Woche gebeten wurde, die WELT zu erforschen. Aber der soziale Druck wurde wahrscheinlich zu groß. Immerhin ist der Walter-Benjamin-Platz eine wichtige Immobilie im Immobilienportfolio des über 500 Milliarden Dollar teuren Konzerns und drohte durch die antisemitische Inschrift beschädigt zu werden.

Anstatt eine Erklärung zur Debatte abzugeben, haben die Investoren jetzt gehandelt und den Presslufthammer sprechen lassen – „in enger Zusammenarbeit mit der Stadt“, sagte ein Blackstone-Sprecher gegenüber WELT. Der Eigentümer erkannte die Tatsache, dass auf dem Platz eine Inschrift eines Antisemiten stand und es eine öffentliche Kontroverse gab: „Zum Zeitpunkt des Kaufs der Immobilie hätte eine Umweltuntersuchung durchgeführt werden müssen.“

Blackstone schließt eine Verletzung der Urheberrechte des Architekten nach einer rechtlichen Prüfung aus. Es bleibt abzuwarten, ob damit der Architekturstreit um „richtige Räume“ in Berlin beendet wird. In jedem Fall möchte der Besitzer die Entfernung des Pfund-Verses nicht als Zensur verstehen.

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Walter-Benjamin-Platz in Berlin-Charlottenburg

Quelle: Bildallianz

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