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Fabian von Heimburg expandiert nach Europa

Düsseldorf Fabian von Heimburg ist klein. Er ist heute in Deutschland, morgen wieder in China. Und übermorgen? Vielleicht wieder unterwegs in Europa. Der 31-Jährige pendelt zwischen den Kontinenten. Für einen Gründer der Technologiebranche ist das nichts Ungewöhnliches. Was Heimburg von anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass er sein Unternehmen nicht in Europa oder den USA gegründet hat – sondern in der Volksrepublik.

Das hört sich offensichtlich an. Immerhin hat China mehr als 800 Millionen Online-Nutzer, mehr als jedes andere Land der Welt. Die Volksrepublik ist jedoch einer der härtesten Online-Märkte der Welt. Dutzende US-Giganten haben bereits versucht, das Land mit ihren Produkten zu öffnen, sind aber gescheitert. Ebay und Google haben sich zurückgezogen. Facebook und Twitter wurden sofort von der Zensur gesperrt. China ist ein schwieriger Ort für internationale Technologie-Gründer.

Das hat Heimburg im Gegenteil nicht abgeschreckt. Zusammen mit einem Kommilitonen aus seiner Studienzeit gründete er 2014 Hotnest. Damit bewertet er, was chinesische Kunden bewegt. Für internationale Werbekunden analysiert Hotnest das Verhalten von Millionen chinesischer Online-Nutzer.

Daraus generiert das Unternehmen Echtzeitdaten zu ihren Vorlieben und Interessen. Auf diese Weise hilft Hotnest Unternehmen, ihre Marketingkampagnen genauer zu planen und sie direkt anzupassen, wenn sich bestimmte Aspekte oder Strategien als falsch herausstellen. Von Heimburg: "Wir automatisieren den Markteintritt von Marken."

Bisher hätten Unternehmen in einem zeitaufwändigen und teuren Prozess einen Markteintritt mit Agenturen oder ihrem eigenen Team vorbereiten müssen. Hotnest vereinfachen den Prozess. "Wir bieten eine komplette Technologielösung", sagt von Heimburg. Das Unternehmen setzt unter anderem auf künstliche Intelligenz. Zu den Kunden von Hotnest zählen Unternehmen wie der Luxusgüterkonzern LVMH, der Technologiekonzern SAP oder der Werbedienstleister WPP. Hotnest beschäftigt rund 40 Mitarbeiter.

Von Heimburg hat sich bisher mit Hotnest auf den chinesischen Markt konzentriert. Jetzt will er das ändern. Im Februar will er ein Büro in Deutschland eröffnen, wie er exklusiv in einem Interview mit dem Handelsblatt mitteilte. Es wird immer noch überlegt, ob München oder Berlin der bessere Standort wäre. "Wir wollen allen Marken, die noch nicht in China sind, helfen, in China zu skalieren", sagt von Heimburg. "China hat immer noch ein unglaubliches Wachstumspotenzial."

Allein bis 2030 soll die zweitgrößte Volkswirtschaft der Mittelschicht der Welt auf 800 Millionen Menschen anwachsen. Von Heimburg will mit neuem Kapital expandieren. Eine Investorengruppe hat dem jungen Unternehmen gerade in einer Finanzierungsrunde weitere sechs Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.

Heimburg hat schon einen weiten Weg zurückgelegt. Nach seinem Abschluss an einer privaten Universität machte er einen Zwischenstopp bei Google und absolvierte einen fünfmonatigen Studienaufenthalt in Peking. Sein Master-Abschluss in Wirtschaftsgeschichte führte ihn nach London. Der Sohn des IDG-Deutschlandchefs York aus Heimburg kehrte dann nach China zurück, um Hotnest zu starten. Nach der Startphase für das junge Unternehmen muss das Geschäft nun erweitert werden.

Bei den europäischen Plänen steht er jedoch vor einer schwierigen Aufgabe. "Es gibt viele Unternehmen, die ihren Markteintritt in China erleichtern wollen", sagt Marcel Münch, Mitbegründer des auf China spezialisierten Berliner Start-ups DONGXii. Es wird viel Wettbewerb um Hotnest geben.

Heimburg muss sich klar von den anderen Anbietern unterscheiden können, die auch europäischen Unternehmen helfen wollten, nach China zu expandieren und Marketingstrategien zu nutzen. Fabian von Heimburg hat seine Rolle weiter ausgebaut. Er ist China-Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Startups. Er fungiert als Bindeglied zwischen Gründern in Deutschland und China.

Mehr Chancen und mehr Wettbewerb

Marcel Münch: "Fabian ist in der Branche sehr gut vernetzt." Der Gründer spricht auf vielen Konferenzen und treibt das Thema China voran. Obwohl er nicht der einzige Gründer aus Deutschland ist, der sein Unternehmen in China gegründet hat, gehört er zu einer sehr kleinen Gruppe. China ist lukrativ, macht es aber europäischen Technologieunternehmen nicht leicht, ein Unternehmen zu gründen.

Von Heimburg fasst die Unterschiede zwischen der Gründerlandschaft in China und Deutschland mit zwei Worten zusammen: "Größer, schneller." In der Volksrepublik gibt es deutlich mehr Kapital von Investoren. "Startups wachsen und sterben schneller", sagt von Heimburg.

Dies bietet mehr Möglichkeiten, aber auch mehr Wettbewerb. Peking ist zur globalen Start-up-Hauptstadt geworden. Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Einhörner, d. H. Startups im Wert von mindestens einer Milliarde Dollar. Die größte Konzentration dieser Unternehmen befindet sich weder in San Francisco oder Palo Alto noch in Berlin.

Peking ist die globale Start-up-Metropole nach einer Berechnung des chinesischen Dienstleisters Hurun. Hurun listet 82 Einhörner auf. China belegt mit 206 Unternehmen ebenfalls den ersten Platz unter den Staaten, gefolgt von den USA mit 203 Unternehmen. Deutschland folgt mit sieben Unternehmen auf dem fünften Platz.

Bisher konzentrierten sich chinesische Unternehmen vor allem auf das Geschäft mit Endkunden, so von Heimburg. Das wird sich bald ändern. Immer mehr Unternehmen entwickelten auch Lösungen und Technologien für Firmenkunden. Die beiden größten börsennotierten Unternehmen in China – Alibaba und Tencent – sind derzeit dabei, Industriekunden in Deutschland zu gewinnen.

Von Heimburg will die Wettbewerbssituation als Chance sehen. Auch wenn es bereits starke chinesische Unternehmen gab, gab es für internationale Unternehmen, die in der Volksrepublik Geschäfte tätigen, noch großes Wachstumspotenzial. "Der Markt ist noch nicht gesättigt", sagt von Heimburg. Und dieses Potenzial will Hotnest nutzen.

Mehr: Nach Alibaba konzentriert sich der chinesische Technologiekonzern Tencent auf die Bundesrepublik. Das Unternehmen will Milliarden investieren und deutsche Kunden für Cloud-Lösungen gewinnen.

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