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Facebook-Mitarbeiter starten digitalen Streik gegen Mark Zuckerberg

San Francisco Es ist ein Vorgeschmack auf eine Zukunft im Homeoffice: Wie veranstaltet man eine Demonstration, wenn es eine Ausgangssperre gibt oder alle Mitarbeiter in ihren Büros weltweit verstreut arbeiten? Hunderte Facebook-Mitarbeiter haben diese neue Realität am Montag ausprobiert. Statt aus ihren Büros hinaus in die kalifornische Sonne zu gehen und sich mit Megafonen und Transparenten vor dem Firmensitz zu versammeln, organisierten sie einen „digitalen Walk Out“, um gegen den Umgang der Konzernführung mit Aussagen von US-Präsident Donald Trump zu protestieren.

Sie verabredeten sich auf der Konkurrenzplattform Twitter unter dem Hashtag „#TakeAction“. Rund 600 Facebook-Mitarbeiter, so Schätzungen des Senders CNBC, folgten dem Aufruf, sich für den Montag von ihren digitalen Arbeitsgeräten abzumelden und die Abwesenheitsfunktionen in E-Mail oder Facebook-Messenger zu aktivieren mit dem Hinweis, man gehe demonstrieren.

Laut „New York Times“ hat Facebook mittlerweile die digitale Arbeitsniederlegung bestätigt und auch erwähnt, man werde den Protestierenden keine bezahlte Urlaubszeit abziehen.

Der Streik kommt nach mehreren Tagen von Protesten und Verärgerung innerhalb des Unternehmens über die Behandlung von Aussagen Trumps, in dem er nach Meinung vieler Beobachter indirekt zu tödlicher Gewalt gegen Plünderer aufrief. Das vom US-Präsidenten verwendete Schlagwort „when the looting starts, the shooting starts” – sobald geplündert wird, wird geschossen – sei demnach nicht nur ein klarer Aufruf zur Gewalt, sondern ist politisch stark vorbelastet.

Er wurde vom Polizeichef von Miami geprägt, als in den 1960er-Jahren die wachsende Bürgerrechtsbewegung in den USA zu schweren Unruhen in vor allem von Afroamerikanern bewohnten Stadtteilen führte. Trump gab später an, von der Geschichte des Zitats habe er einfach nichts gewusst. Er habe es irgendwo aufgeschnappt.

Donald Trumps Lieblings-Plattform Twitter hatte den Tweet zwar nicht gelöscht, aber mit einem Warnhinweis überblendet. Twitter-Chef Jack Dorsey, der nach eigenen Aussagen persönlich das Okay gegeben hatte, hatte den Streit zuvor angeheizt, indem er einen Faktencheck zu einem Tweet des Präsidenten platzieren ließ. Das hatte es in den US-Politik noch nie gegeben.

Trump orderte daraufhin per Präsidialdekret das Justizministerium und die zuständigen Aufsichtsbehörden an, zu überprüfen, ob Internetplattformen nicht in Zukunft für die Zensur von Inhalten Dritter zur Verantwortung gezogen werden könnten. Derzeit sind sie davor gesetzlich geschützt.

Brenzlige Situation für Zuckerberg

Der Tweet war wortgleich auf Facebook erschienen. Viele Mitarbeiter hatten geglaubt, dass Mark Zuckerberg die Aussage ebenfalls wegen Gewaltverherrlichung zensieren werde. Doch der Mitgründer und Chef von Facebook lehnte das ab. Soziale Medien sollten nicht als Schiedsrichter in die politische Diskussion eingreifen und diese auch nicht auf Wahrheit überprüfen, erklärte Zuckerberg. Das stieß extern und intern auf viel Kritik.

Am Freitag schreib Mark Zuckerberg, er habe „den ganzen Tag damit gerungen“, wie er auf das Posting antworten solle. Er habe persönlich starke Antipathien für dies Art von Sprache. Aber er wolle sie im Sinne der Meinungsfreiheit stehen lassen. Die Menschen sollten diese Äußerungen „mit eigenen Augen sehen.“ Außerdem sollten die Menschen wissen, wenn ihre Regierung plane, Gewalt gegen sie einzusetzen.

Zu den schärfsten Kritikern der toleranten Haltung gegenüber Trump gehörte über das Wochenende Produktchef Jason Toff. Der schrieb bei Twitter, er sei „überhaupt nicht stolz auf die Haltung“ des Unternehmens. Jason Stirman, ein Design-Manager schrieb, er sei sprachlos und sei überhaupt nicht damit einverstanden, wie Zuckerberg entschieden habe.

Software-Ingenieur Brandon Dail bezeichnete Trumps Äußerungen als „widerlich“ und legte am Montag nach den Protesten noch einmal nach. Er habe Angst gehabt, er sei der einzige, der öffentlich die Stimme erheben werde, und es sei erfrischend zu sehen, dass sich noch andere ernste Gedanken um das Unternehmen machten.

Für Mark Zuckerberg, der sich beim Börsengang durch eine geschickte aktienrechtliche Konstruktion auf Lebenszeit die alleinige Herrschaft über das Unternehmen sichern ließ, wird die Situation brenzlig. Er könnte nicht nur bei Nutzern und Mitarbeitern an Ansehen verlieren, sondern auch bei wichtigen Werbekunden, Künstlern und Sportlern, die überwiegend eine sehr kritische Haltung zu Trumps Reaktionen auf die mittlerweile landesweite Krise haben.

Ausgelöst wurde sie durch die Tötung eines unbewaffneten und gefesselt am Boden liegenden Afro-Amerikaners George Floyd durch weiße Polizisten in Minneapolis. Seit Tagen kommt es in den ganzen USA zu Demonstrationen, schweren Unruhen und Plünderungen.

Das Investigativmagazin „Axios“ berichtet, Zuckerberg habe am Freitag noch ein Telefonat mit Präsident Trump gehabt, über dessen Inhalt aber nichts bekannt wurde. Es sei aber von beiden Seiten als „produktiv“ bezeichnet worden.

Facebook muss sehr vorsichtig gegenüber der US-Regierung agieren. Nicht nur laufen gegen das Unternehmen, wie andere Internetunternehmen auch , Ermittlungen wegen Machtmissbrauch im geschäftlichen Umgang, sondern Zuckerberg will mit seiner Digitalwährung „Libra“ groß ins weltweite Finanzgeschäft einsteigen. Noch sind das Weiße Haus und die Notenbank Fed allerdings strikt gegen dieses Vorhaben.

Mehr über die Richtung, die das weltgrößte soziale Netzwerk einschlagen wird, wird für den Dienstag erwartet. Dann, so meldet CNBC unter Berufung auf eine internen Quelle, will Zuckerberg alle Mitarbeiter zu einem unternehmensweiten digitalen Meeting einladen, „Townhall“ genannt.

Mehr: Warum Trump die Konfrontation mit Twitter sucht.

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