Fehldiagnosen bei Frauen, Männergerechte Versorgung

| |

Robin Utrecht

NOS-Nachrichten

  • Carmen Dorlo

    Redakteur im Internet

  • Carmen Dorlo

    Redakteur im Internet

Brustschmerzen? Panik. Migräne? betonen. Extreme Bauchschmerzen? Zieht definitiv weg.

Jahrzehntelang wurden Frauen mit einer Krankheit falsch oder nicht diagnostiziert, weil der männliche Körper in Forschung und Praxis oft die Norm ist. Heute übergibt die Stiftung Voices For Women eine Petition mit mehr als 53.000 Unterschriften an das Repräsentantenhaus, um auf geschlechtsspezifische Betreuung aufmerksam zu machen.

Derzeit gibt es kein strukturelles Geld, um dieses Problem zu lösen. Das Gesundheitsministerium setzt nun 3 Millionen Euro ein, um die Wissenslücke über Geschlecht und Geschlechtsunterschiede zu schließen. Das ist ein Bruchteil der Gelder, die insgesamt für medizinische Untersuchungen zur Verfügung stehen (326,2 Millionen Euro).

Für und von Männern

„Die Medizin wurde in den 1950er und 1960er Jahren weitgehend für und von Männern entwickelt“, erklärt Professor Bart Fauser. Als Mitbegründer von Alliantie Gender and Health setzt er sich dafür ein, das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Unterschiede im Gesundheitswesen zu schärfen.

„Damals hat man sich bewusst dafür entschieden, Studien hauptsächlich an Männern durchzuführen. Vor allem, weil bei Frauen durch unerwartete oder ungewollte Schwangerschaften schwerwiegende Komplikationen auftreten können.“ Die Annahme war, dass die Studienergebnisse für Männer dieselben waren wie für Frauen. “Das ist nicht richtig. Fast alles im Körper ist bei Männern und Frauen unterschiedlich.”

In letzter Zeit haben Frauen als Forscherinnen und Ärztinnen an Bedeutung gewonnen. Aber gerade im Ausland wird diesem Thema mehr Aufmerksamkeit geschenkt. „Allmählich wird mehr Wissen verfügbar, aber es hat das Gesundheitswesen in den Niederlanden kaum beeinflusst. Auch im Jahr 2022 sind Frauen im Gesundheitswesen schlechter gestellt als Männer“, sagt Fauser.

Die Journalistin und ehemalige Krankenschwester Mirjam Kaijer ist eine Expertin aus Erfahrung. Erst nach zehn Jahren wurde bei ihr ein gutartiger Tumor der Nebenschilddrüse diagnostiziert. Sie recherchierte und fand heraus, dass 80 Prozent der Patienten mit ungeklärten Gesundheitsproblemen Frauen sind.

Kaijer hat das Buch über ihre Erfahrungen geschrieben Ich bin kein Mann. „Es gab so viele Reaktionen, dass ich eine Petition, eine Hotline und schließlich die Stiftung Voices for Women gestartet habe. Ich bin auf eine Jauchegrube gestoßen. Es gibt so viel Leid. Diese Frauen wollen alle ernst und richtig behandelt werden.“

Laut Fauser ist es ein zweifaches Problem. Nicht nur Männer/Frauen-Unterschiede bei allgemeinen Erkrankungen werden zu wenig beachtet, auch frauenspezifische Erkrankungen, wie z Endometriose, Myome in PCOS.

Frauen haben oft schwerwiegendere und länger anhaltende körperliche Beschwerden, die jedoch um 6 Prozent seltener diagnostiziert werden.

Forscherin Aranka Ballering

Auch Kaijer sieht an ihrer Hotline eine große Gruppe von Frauen mit ungeklärten Beschwerden, die zu schnell als psychische Beschwerden abgestempelt werden, ohne körperliche Ursachen auszuschließen.

Zuvor hat der israelische Ex-Professor Marek G. Readerman dazu geforscht. Es stellte sich heraus, dass Ärzte die Symptome bei Frauen eher als psychosoziale Probleme ansehen, während die Symptome bei Männern eher als körperlich angesehen werden.

Ein ähnliches Bild ergibt sich aus einer anderen laufenden Studie der UMCG. Dies zeigt, dass Frauen oft schwerwiegendere und länger anhaltende körperliche Beschwerden haben. Frauen werden jedoch 6 Prozent seltener diagnostiziert. „Sie erhalten auch seltener eine Überweisung zum Facharzt oder eine körperliche Untersuchung“, sagt Forscherin Aranka Ballering.

Müdigkeit: psychisch oder physisch?

Antoinetta Schutrups hat es erlebt. Sie erinnert sich an einen Moment in der Arztpraxis. „Mein Mann sprach von seiner Müdigkeit. Der Hausarzt schlug sofort eine Untersuchung vor, während mein Mann meinte, es könne auch Stress sein. Trotzdem bestand der Hausarzt darauf, eine Nachuntersuchung zu vereinbaren. Ich war darüber schockiert, denn kurz zuvor hatte ich ähnliche Beschwerden wurden als ‚psychologisch‘ abgestempelt. Es war ein ganz anderes Gespräch.“

Ich wusste, dass ich nicht depressiv war. Trotzdem wurde ich jahrelang damit diagnostiziert.

Anton Schutrups

Das war vor Jahren. Nach zwanzig Jahren Suche hat Schutrups nun eine Diagnose: ein gutartiger Tumor an ihrer Hypophyse, einer Drüse am unteren Ende des Gehirns. Schutrups hatte unter anderem Schmerzen in den Beinen, Müdigkeit und Traurigkeit. Trotzdem wurde bei ihr eine Depression diagnostiziert und sie wurde an eine psychiatrische Versorgung überwiesen. „Ich wusste, dass ich nicht depressiv war. Ich hatte so viele Schmerzen in meinem Körper, aber ich wollte noch viele Dinge tun.“

In diesem Video erzählt sie, wie sie es schließlich geschafft hat, die richtige Diagnose zu bekommen:

Antoinetta wurde jahrelang falsch diagnostiziert: „Du verlierst dich buchstäblich selbst“

Das Leben von Schutrups hat sich durch die Medikamente drastisch verändert. Alle Beschwerden sind verschwunden. „Ich bin immer davon ausgegangen, dass die medizinische Wissenschaft über alle Kenntnisse verfügt, um die richtige Einschätzung über meine Gesundheit zu treffen, aber ich sehe zunehmend, dass dies nicht der Fall ist. Es geschieht nicht mit Absicht, sondern aufgrund zu wenig Wissen über den weiblichen Körper nur ein riesiger blinder Fleck.”

Previous

Die russische Armee setzt ihre Angriffe im Donbass fort / Artikel

Durchschnittliche Angebotsmieten im dritten Quartal um 14 % gestiegen

Next

Leave a Comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.