Flugzeugkollision: "Die Frage ist, wann es passiert"

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Im Luftraum über Deutschland rücken große und kleine Flugzeuge laut einem Bericht gefährlich nahe zusammen. In den vergangenen vier Jahren gab es mehr als 170 "potenziell gefährliche Anflüge mit Flugzeugen", berichtete der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am Dienstagabend unter Berufung auf das Bundesamt für Flugunfalluntersuchungen (BFU).

Den Zahlen zufolge handelt es sich überwiegend um Kollisionswarnsysteme, die Verkehrspiloten auffordern, den Kurs sofort zu ändern. In anderen Fällen wurden gefährliche Anflüge und Beinahe-Kollisionen von Piloten beobachtet, ohne zuvor gewarnt worden zu sein.

Laut NDR gehen Luftfahrtexperten von einer noch höheren Gesamtzahl aus, da Meldungen auch bei anderen für die Luftfahrt zuständigen Behörden eingehen. Darüber hinaus gibt es eine erhebliche Anzahl von nicht gemeldeten Vorfällen, die nicht bekannt sind.

Zeitdruck, mangelnde Funktechnologie, inkompatible Kollisionswarnsysteme

Es gibt viele Gründe für gefährliche Ansätze. Dazu gehören: immer mehr Flugbewegungen, inkompatible Kollisionswarnsysteme für große und kleine Flugzeuge, mangelnde Funktechnologie für Privatpiloten, aber auch Berufspiloten, die aufgrund von Zeitdruck Abkürzungen aufgrund von Lufträumen nehmen, die mit Segelflugzeugpiloten geteilt werden.

Solche Vorfälle ereignen sich immer wieder im sogenannten gemischten Luftraum, einer Zone, die von großen und kleinen Flugzeugen genutzt wird, in der näheren Umgebung von Verkehrsflughäfen.

Allein im Jahr 2018 gab es in Nordrhein-Westfalen in der Nähe der Flughäfen Weeze und Paderborn mindestens acht Anflüge zwischen Verkehrsflugzeugen und Segelflugzeugpiloten, bei denen Passagierflugzeuge im Einzelfall mehrfach ausweichen mussten, um eine Kollision zu verhindern.

Die meisten Experten sehen die Verpflichtung der BFU vor zwei Jahren kritisch, alle Flugzeuge mit sogenannten Transpondern auszustatten – Sendern, die die Position und den Kurs eines Flugzeugs übertragen. Anfang 2019 hatte die Deutsche Flugsicherung (DFS) durch Simulation festgestellt, dass dies zu einer Überlastung der Funkfrequenzen führen und die Flugsicherheit eher beeinträchtigen würde.

Ist die Luft zu voll?

Ein vom NDR zitierter Experte des Instituts für Luft- und Raumfahrt sieht den zunehmenden Flugverkehr als wichtigen Grund für die Zwischenfälle: "Der deutsche Luftraum ist einer der meist frequentierten Lufträume in Europa", sagt Christoph Strümpfel. In gemischten Lufträumen, in denen Verkehrsflugzeuge auf Privatflugzeuge treffen, setzt man auf das Flugprinzip "Sehen und Ausweichen", das jedoch häufig an seine Grenzen stößt. Strümpfel sieht den Gesetzgeber hier zur Verschärfung verpflichtet.

Ein Sprecher der Gewerkschaft Cockpit Union hält auch das Risiko einer Kollision zwischen einem Passagierflugzeug und einem kleineren Flugzeug für realistisch. Es ist eine Frage, wann das passiert – und nicht, ob.

Auf Anfrage teilte das Bundesverkehrsministerium dem NDR mit, dass es das Thema derzeit gemeinsam mit Experten untersucht: "Im Rahmen der Flugsicherheitsarbeit werden die für eine mögliche Umsetzung relevanten Punkte identifiziert und berücksichtigt."

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