Fußballprofi und Arzt: Promigeburtstag ab 19. Dezember 2019: Jupp Kapellmann

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Körperteile und ein Gehirn in Formalin haben Jupp Kapellmann ins Trainingslager des FC Bayern München gebracht. Der Mittelfeldspieler war nie ein gewöhnlicher Profi.

In den 70er Jahren hatte Kapellmann gute Gründe für seine anatomische Ausbildung. Der ehemalige internationale und aufstrebende Arzt wollte seinem damaligen Teamkollegen Sepp Maier das menschliche Gehirn erklären. "Dort befindet sich die Mitte Ihres Standortes, deshalb haben Sie so viel Spaß", erklärte Kapellmann dem Torhüter.

Für den Vater von sieben Kindern, der am Donnerstag seinen 70. Geburtstag feiert, war die Medizin schon immer sehr wichtig. Weil seine Eltern Fußball für "eine wackelige Geschichte" hielten, machte es Sinn, zu studieren. Kapellmanns Bedingung für den Wechsel vom 1. FC Köln zum FC Bayern im Jahr 1973 war dann auch ein Studienort an der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

«Trainer zu sein hat eine pädagogische Seite. Das reicht bis in die Privatsphäre », sagte einst der frühere Bayern-Trainer Dettmar Cramer. Diese Worte kamen zu Kapellmann. "Dettmar Cramer war daran interessiert, dass es auch einen Verrückten im Team gab, dass es in der Kabine nicht nur um Frauen und Bankkonten ging", erzählte Kapellmann der deutschen Presseagentur von seinem ehemaligen Trainer. «Ich war ein Außenseiter, aber ich hatte immer moralische Unterstützung, zum Beispiel von Franz (Beckenbauer). Sie mussten durch Leistung unentbehrlich sein, dann konnten Sie sich Extravaganz wie in meinem Fall erlauben. »

Fünf Jahre nach Karriereende machte Kapellmann 1986 seinen Facharzt in Düsseldorf. Irgendwann hatte der Orthopäde jedoch die Nase voll mit dem System in Deutschland. «Wenn ich mehr operiere, verdiene ich mehr. Dieses System ist falsch, wir betreiben einfach zu viel in Deutschland », sagte Kapellmann. Eine Knieprothese für einen saudi-arabischen Minister gab ihm 2010 die Gelegenheit, ein Abenteuer in einem Land zu erleben, das wegen Menschenrechtsverletzungen kritisiert wurde.

Kapellmann hat in den acht Jahren im Wüstenstaat viel gelernt. Viel über sich selbst, über seine Arbeit als Arzt, über eine fremde Kultur, über die Wichtigkeit einer konservativen Therapie und auch über etwas wie Dankbarkeit. "Ich arbeite sehr gerne mit Patienten, ich kann sie beeinflussen und wieder auf die Strecke bringen", sagte Kapellmann. «Vielleicht sollte sich der eine oder andere nicht immer über das System beklagen und dankbar sein, dass die Solidargemeinschaft manchmal eine Operation bezahlt, die 15.000 bis 20.000 Euro kostet. Die meisten Menschen beurteilen nur ihr eigenes Milieu, weil ich zu viel schimpfe. »

Kapellmann will sich nicht beschweren, er will noch lernen. Wahrscheinlich hat er deshalb Anfang 2018 ein neues Abenteuer begonnen. Der gebürtige Nordrhein-Westfälische arbeitet in der Rehabilitationsmedizin in einer Klinik in Bad Sulza, Thüringen.

„Wenn Sie selbst hier leben, entwickeln Sie ein Verständnis dafür, warum so viele Menschen frustriert sind und die AfD als Rettung betrachten. Hier und da klären aber auch viele die Vergangenheit auf, Überwachung in der ehemaligen DDR. Davon profitieren die Rechtspopulisten », sagte Kapellmann, der 1974 im Kader der Weltmeisterschaft stand, aber keinen Einsatz hatte. "Aber ich glaube nicht, dass die Gesellschaft so dumm ist und verführt werden kann, weil es noch viele Zeugen aus der Zeit der Nazi-Gräueltaten gibt. Ich selbst bin eine kritische Person und versuche, mich in den Osten zu integrieren."

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