Gegen Harry Pielism (Young World Daily)

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Nach der Unterzeichnung des deutsch-sowjetischen Nichtangriffsvertrages im August 1939 kamen eine Reihe deutscher Filme in die Kinos der UdSSR, darunter Filme von Harry Piel, in denen er Raubtiere trainierte oder Gipfel bestieg. Das soll zu Bergsteigermode in der SU geführt haben. Betrunkene kletterten auf Lichtmasten, Romantiker erschienen auf Balkonen, um sich zu verabreden. Das Pravda auf der anderen Seite stand die Überschrift: "Against Harry Pielism". Das hat wenig gebracht.

Jahrzehnte später berichtete Vladimir Kaminer über seinen Cousin, der in Moskau lebt und dessen Eltern fast jeden großen Berg in der Sowjetunion bestiegen. Die Tochter konnte von dem Hobby nichts gewinnen, sondern kam mit ihr in den Kaukasus, wo sie sich in einem Spalt den Fuß verstauchte. Ein Bergrettungshubschrauber brachte sie ins Tal. Der Pilot begleitete sie ins Krankenhaus. Wenig später heiratete sie ihn. Er folgte ihr nach Moskau, wo er eine Stelle im neuen Katastrophenministerium fand. Die Cousine hatte zwei Kinder und fühlte sich bald wie in einem Spalt. Ihr Mann saß die meiste Zeit vor dem Fernseher, trank Bier und wartete auf eine Katastrophe.

Zu dieser Zeit fuhren ihre Eltern mehrmals in den Schweizer Bergen in den Skiurlaub. Sobald ein Hang für ihren Vater zu sicher war, nahm er die andere Seite des Berges. Italien war jedoch unten und als Russe hatte er sofort Schwierigkeiten – man sagte ihm, er solle bei seiner Botschaft in Rom ein Touristenvisum bekommen. Am Ende wurde er mit 100 Euro freigelassen und konnte einen Bus in die Schweiz nehmen. Alle späten Folgen des "Harry-Pielismus" in der Sowjetunion – wer könnte das ausschließen?

Nach seinen ersten Filmen erhielt Piel 1912 den Spitznamen "Dynamite Director", weil er laut Wikipedia "einen Abrissmeister kannte, der ihn über bevorstehende Explosionen informierte, die er in seine Filme einfließen lassen konnte." Sein Film "Under a hot zone" (1916) bot gefährliche Raubtierszenen, die so gut aufgenommen wurden, dass er sie "teilweise nach eigener Dressur" in andere Filme einbaute. Mit "The Great Unknown" (1919) wurde Piel auch eine internationale Nummer. 1927 spielte er mit Marlene Dietrich. Die Firma Ariel-Film, die er im folgenden Jahr gründete, arbeitete erfolgreich und wurde 1939 verstaatlicht, obwohl Piel Fördermitglied der SS war. Sein Film »Panic« wurde 1943 wegen »realistischer Darstellung von Luftangriffen« verboten. Dennoch nahm Goebbels kurz vor Kriegsende Piel in die "Liste des Glücks" des Schauspielers auf – und musste nicht an die Front. "Harry Piel / sitzt am Nil / wäscht Beene mit Persil", wurde verspottet.

1950, nach fünf Jahren Arbeitsverbot, gründete Piel die Firma »Ariel-Film«, überarbeitete das Drehbuch für »Panik« und feierte mit dem Spielfilm »Explosed Lattice« (1953) Erfolge. Der Film erzählt von einem Peter Volker, der vor dem Krieg im Auftrag eines deutschen Zoos in Ostafrika Tierfänger war. In Tansania gerät er unter britisches Feuer, flieht mit all seinen Tieren nach Ulmenau zu Hause, wo auf ihn Beziehungsprobleme und Brandbomben warten. Zusammen mit Elefant Schari rettet er die Zootiere. Dann will er nur mit einem Tierpfleger nach Afrika zurückkehren: "Lustige, dramatische Tieraufnahmen, primitive, verwirrte menschliche Szenen", urteilt der Richter Spiegel 1953. Schließlich spielten die Tierpfleger zum ersten Mal eine Hauptrolle in dem Film. Nach dieser Arbeit sollte Piel nur Dokumentationen über Tiere produzieren.

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