Haus der Wannseekonferenz zieht die Notbremse

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Meinung Vergleichende Geschichte

Vom falschen Weg in die Gegenwart

| Lesezeit: 3 Minuten

Sven Felix Kellerhoff

Das Haus der Wannsee-Konferenz zeigt ab dem 19. Januar 2020 eine neue Dauerausstellung. Das Haus der Wannsee-Konferenz zeigt ab dem 19. Januar 2020 eine neue Dauerausstellung.

Das Haus der Wannsee-Konferenz zeigt ab dem 19. Januar 2020 eine neue Dauerausstellung

Quelle: dpa

Das Mahnmal Haus der Wannsee-Konferenz eröffnet am Sonntag seine dritte Dauerausstellung. Eine Installation sorgte im Vorfeld für viel Kritik. Der Direktor der Gedenkstätte traf dann die richtige Entscheidung.

LFähigkeit ist eine oft unterschätzte Eigenschaft. Manchmal geht man verloren und dann ist es wichtig, Fehler zu erkennen und zu korrigieren. Wie das geht, zeigt das GHWK-Mahnmal. Hier koordinierte der zweite SS-Mann Reinhard Heydrich am 20. Januar 1942 mit Vertretern der wichtigsten Ministerien die “Endlösung der Judenfrage”, den millionenfachen Mord an den europäischen Juden. Nichts wurde entschieden.

Die dritte Dauerausstellung wird am Sonntag, 78 Jahre nach diesem Treffen, in der herrschaftlichen Villa am Großen Wannsee 56–58 im Südwesten Berlins der Öffentlichkeit übergeben. Die erste wurde 1992 eingeweiht und basierte auf dem Kenntnisstand der 1950er Jahre und dem Buch “Der gelbe Stern” von Gerhard Schönberner, dem Gründungsdirektor der GHWK.

Historiker, die zuvor für die zweite, seriöse Ausstellung der Wehrmacht verantwortlich waren, hatten die zweite erstellt, für die Schönberners Nachfolger Norbert Campe im Jahr 2006 verantwortlich war. Doch nach fast eineinhalb Jahrzehnten erfüllte sie die sich ändernden Bedürfnisse nicht mehr der Öffentlichkeit.

Infotafel in der Dauerausstellung “Das Treffen am Wannsee und die Ermordung der europäischen Juden”

Quelle: dpa

Deshalb wurde die neue Dokumentation unter der Leitung des dritten GHWK-Direktors Hans-Christian Jasch erstellt. Es sollte eine niedrigere Schwelle sein, die verminderten Grundkenntnisse der heutigen Studenten berücksichtigen und über digital importierbare Spezialisierungstafeln mindestens das gleiche Gehalt bieten.

So weit, ist es gut. Man kann sich streiten, ob die raumgreifenden Ausstellungsmöbel dem historischen Ort angemessener sind als die bisherige Lösung mit Tafeln. Schade, dass in dem zentralen Raum, in dem wahrscheinlich die berüchtigte Konferenz stattfand, auf die Tischinstallation verzichtet wurde. Das hätte keine kluge Entscheidung sein sollen, denn das Wesen einer Diskussion über ein enormes Verbrechen ist jetzt noch schwieriger zu erfassen.

Für den vorletzten Raum der Ausstellungstour war jedoch eine “Teilnahmestation” geplant, die den Wert der neuen Festanstellung absehbar in Frage gestellt hätte. Dort wurde auf einem Touchscreen und zeichnerisch visualisiert eine Parallele gezogen zwischen Schildern wie „Juden unerwünscht“ am Berliner Badestrand am Wannsee und dem in einigen Städten 2016 heftig umstrittenen Badeverbot für junge Flüchtlinge.

Eine “Partizipationsstation” im Haus der Wannsee

Quelle: Haus der Wannsee-Konferenz

Bei einer Pressekonferenz am Donnerstagmorgen wurde diese “Partizipationsstation” scharf kritisiert. Natürlich können Sie die beiden Situationen vergleichen, aber Sie stellen nur fest, dass es keine Ähnlichkeiten gibt. Einerseits sicherte eine von der Regierung geförderte, bald offizielle Diskriminierung einen von vielen Schritten in Richtung Massenmord – andererseits eine vorübergehende Maßnahme, die aufgrund tatsächlicher Angriffe ergriffen wurde und von der kritischen Öffentlichkeit und bald kontrovers diskutiert wurde wieder verschwunden. Für Besucher, insbesondere Jugendliche, wäre die Darstellung dennoch als Gleichung angekommen – und damit als Relativierung der antisemitischen Politik des NS-Staates.

Es ist daher gut, dass Hans-Christian Jasch sofort die Notbremse zog und sagte: “Da Sie nicht nur Journalisten für uns, sondern auch unsere ersten Besucher sind, haben wir beschlossen, die Station nicht in Betrieb zu nehmen.”

Es wird durch ein Element ersetzt, das sich mit Videointerviews von Holocaust-Überlebenden befasst. Die sehr interessanten, wenn auch etwas politisch inkorrekten Ansätze der neuen Dokumentation (wie der “Mord an den Juden Europas”, anstatt einfach und grammatikalisch treffend von “Mord an den Juden Europas” zu sprechen) wären durch den fehlerhaften Verweis auf den Geschenk. Es ist gut, dass das Denkmal seine Lernfähigkeit unter Beweis gestellt hat.

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