Hausarzt vom Mord an Schwiegermutter freigesprochen, aber Zivildienst für Partner

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L1mburg

NOS-Nachrichtengestern, 23:21

Das Gericht hat einen 62-jährigen Hausarzt aus Maastricht von der Tötung seiner Schwiegermutter durch die Verabreichung von Medikamenten freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Arzt 12 Jahre Haft wegen Mordes gefordert.

Der Fall laufe seit 2018, als der Arzt wegen Mordverdachts festgenommen wurde, heißt es 1Limburg. Er soll seiner 76-jährigen Schwiegermutter 2016 eine zu hohe Dosis Medikamente verabreicht haben, was zum Tod der Frau führte.

Der Fall kam durch einen Mitarbeiter des Pflegeheims, in dem die Frau untergebracht war, und zwei Meldungen an die Gesundheitsinspektion ans Licht. Er hielt den Tod für verdächtig und rief die Polizei hinzu.

Sich verschlechternder Zustand

Die Frau lebte bis Ende 2015 in Frankreich, wo bei ihr unter anderem Demenz, Verhaltensstörungen und Herzerkrankungen diagnostiziert wurden. Die Frau kam im November desselben Jahres in ein Pflegeheim in Maastricht. Fortan war der Verdächtige ihr behandelnder Arzt.

Der Zustand der Schwiegermutter verschlechterte sich und im Juli 2016 entschied der Hausarzt, dass sie im Sterben lag. Dann gab er ihr eine palliative Sedierung. Palliative Sedierung ist der medizinische Fachausdruck für die Bewusstseinsminderung eines Patienten in seinem letzten Lebensabschnitt mit dem Ziel, Leiden zu lindern. Die Frau starb drei Tage später.

Nach einer Untersuchung beschloss die Polizei, den Mann wegen Mordes anzuklagen. Als Motiv sah die OM den Willen der Schwiegermutter, der wenige Wochen vor ihrem Tod geändert wurde. Die Frau des Arztes soll zusammen mit einem befreundeten Notar das Testament ihrer Mutter zu ihren Gunsten geändert haben.

Kein Beweis

Laut Staatsanwaltschaft hätte der Hausarzt die Medikamente niemals verabreichen dürfen, da die Frau nicht unheilbar war und daher in keinem Moment sterben konnte. Nach Ansicht des Gerichts verschlechterte sich der Zustand der Frau in den Tagen vor ihrem Tod rapide und die Handlungen des Verdächtigen waren gerechtfertigt. Die Richter stützen sich dabei auf das Urteil von Experten.

Zudem gebe es laut Gericht keine Anhaltspunkte dafür, dass der Tod der Frau durch die verabreichten Medikamente verursacht worden sei. Sie sei seit einiger Zeit schwer krank und leide an Herzversagen, teilte das Gericht mit.

Das Gericht sieht auch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Hausarzt seine Schwiegermutter vorsätzlich in einen hilflosen Zustand versetzt habe, wie der Richter ausführte. Nach Ansicht des Gerichts kann nicht festgestellt werden, dass die Schwiegermutter starb, indem sie sie dehydrieren ließ.

Damoklesschwert

Die 56-jährige Ehefrau des Arztes wurde verurteilt. Sie wurde vom Gericht wegen Urkundenfälschung zu 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit und einer neunmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, weil sie ihr Testament ändern ließ. Der Notar, der dabei mitgeholfen hatte, wurde zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung von neun Monaten verurteilt.

Das Gericht ist der Ansicht, dass das Strafverfahren unangemessen lange gedauert hat. Der Fall erregte auch große mediale Aufmerksamkeit, wodurch der Verdächtige unbeabsichtigt als „des Mordes an seiner Schwiegermutter verdächtigter Hausarzt“ bekannt wurde.

Nach Ansicht des Gerichts hing dieser Fall wie ein Damoklesschwert über dem Kopf des Verdächtigen. “Jahre der Ungewissheit, in denen er nicht wusste, ob eine Verurteilung und damit eine lange Haftstrafe folgen würde.”

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