Illegale Finanztransaktionen mit Hawala

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Euro-Geldbündel nach einer Razzia in Nordrhein-Westfalen: Hawala spielt vor allem in kriminalitätsrelevanten Bereichen wie Betäubungsmittel- und Rüstungskriminalität oder Menschenhandel eine Rolle.
Bild: EPA

Hawala überweist jährlich mehr als 200 Milliarden US-Dollar. Geldwäsche und Schwarzgeld öffnen die Tür zum Netzwerk. Trotzdem weiß die Bundesregierung erschreckend wenig über das Geldsystem.

ichIm November schlugen die Ermittler zu: Bei einer landesweiten Razzia durchsuchten sie 105 Objekte, es wurden drei Haftbefehle vollstreckt und 22 Millionen Euro beschlagnahmt. Das Ziel waren sogenannte Hawala-Vermittler, die illegale Geldüberweisungen abwickelten. Die Bande wurde von einem Düsseldorfer Juwelier angeführt, in dessen Filialen Hawala-Bankgeschäfte getätigt werden konnten. Bargeld wurde beschlagnahmt, aber auch Autos, Schmuck und Gold. „Wir haben einen Fuß in die Tür illegaler Finanztransaktionen bekommen“, sagte der Ermittler Michael Reskau vom Landeskriminalamt in Nordrhein-Westfalen. Der Tagesumsatz betrug bis zu einer Million Euro. Dies hat die Parallelwelt des gesamten Hawala-Systems hervorgehoben. Vor diesem Hintergrund ist es ernüchternd, dass die Bundesregierung anscheinend schockierend wenig über Hawala weiß. Dies hat nun zu einer Bitte des FDP-Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler geführt, die ausschließlich dieser Zeitung zur Verfügung steht. Die Antwort lautet: „Der Bundesregierung liegen keine verlässlichen Informationen über die Verteilung illegaler Hawala-Anbieter in Deutschland vor, da diese Systeme über die staatlich regulierten Aufsichtsmechanismen hinaus funktionieren.“

Franz Nestler

Seit dem frühen Mittelalter werden in der arabischen Welt Zahlungen über Hawala getätigt, jedoch ohne Banken. Hawala bedeutet auf Arabisch wörtlich „Transfer“. Es hat jedoch nichts mit islamischen Regeln wie dem Zinsverbot zu tun – es ist lediglich ein Zahlungssystem außerhalb des Finanz- und Bankensektors. Das ganze System basiert auf Vertrauen. In Köln beispielsweise übergibt eine Person dem Hawaladar 1.000 Euro. Er steht in Kontakt mit einem anderen Hawaladar, zum Beispiel in Damaskus, der dann den Gegenbetrag zahlt. Ein Codewort wird zur Identifizierung verwendet. Der Hawaladar behält bis zu 1,25 Prozent des überwiesenen Betrags für den Service ein. Guthaben zwischen den Hawaladars wird auf traditionelle Weise mit Überweisungen, Lastschriften oder Kreditkarten beglichen.

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