ING Belgien halbiert die Zahl der unabhängigen Banker

ING Belgien wurde wenig Ruhe gegönnt. Nach einem erneuten Eingriff in das eigene Filialnetz nimmt die Großbank nun auch bei den freien Agenturen deutliche Einschnitte vor. Ein wichtiger Grund ist, dass die Rentabilität höher sein muss.

Peter Adams, der seit Anfang letzten Jahres als CEO an Bord ist, hinterlässt zunehmend seine Spuren bei ING Belgien. In den letzten Tagen hat die Bank den unabhängigen Vermittlern bei internen Informationsveranstaltungen mitgeteilt, dass sich ihre Zahl im kommenden Jahr mehr als halbieren muss, von 448 auf 200, erfuhr De Tijd. Dies passt zum strategischen Plan Route 2024. Der neue Betrieb folgt auf die große Intervention bei der Tochtergesellschaft Record Bank, dem ehemaligen separaten Netzwerk für Selbständige, die 2018 abgeschlossen wurde.

Die Essenz

  • Nach Jahren der Veränderungen und Turbulenzen unternimmt ING Belgien erneut große Schritte.
  • Die Zahl der unabhängigen Agenten muss mehr als halbiert werden.
  • Einer der wichtigen Gründe ist, dass die Rentabilität höher sein muss.

ING hat nicht bekannt gegeben, wie viele Filialen verbleiben werden. Das wird noch studiert. “Im besten Fall werden es 100 bis 150 von 311 sein”, schätzt eine gut platzierte Quelle. ‘Schließlich hat ING angekündigt, dass die durchschnittliche Kundenzahl pro Filiale von 5.000 auf 15.000 steigen soll.’ Ende letzten Jahres hat ING Belgien bereits (wieder) das eigene Filialnetz zerschnitten. Das soll bis Ende dieses Jahres auf etwa 50 halbiert werden. Insgesamt will die Bank laut Route 2024 mit 150 bis 250 Filialen etwa zwei Drittel weniger in zehn Jahren haben.

800 Bahnen

Die Bank sagt intern und in einer Antwort, dass sich der Eingriff nicht auf die Zahl der Arbeitsplätze auswirken werde. In den eigenständigen Büros arbeiten mehr als 800 Mitarbeiter. Nach unseren Informationen sollte jeder, der in einer Agentur arbeitet, die verschwindet, in eine andere unabhängige Niederlassung wechseln können.

Obwohl nicht jeder glaubt, dass die neuen Pläne von ING Belgien keine sozialen Folgen haben. „Nicht jeder Mitarbeiter kann oder will ein paar Kilometer von seinem Wohnort entfernt in ein neues Büro wechseln“, sagt ein Beobachter. Auch die mögliche Zusammenlegung von Selbständigen mit eigenen Büros ist aufgrund der unterschiedlichen Lohnpolitik nicht naheliegend: Die Zulagen in den eigenen Büros sind günstiger. Andererseits kämpft auch die Finanzbranche mit Personalengpässen.

Streckt die Zahlen immer noch aus

Die neue Intervention ist beispielhaft für die Entwicklung im Bankensektor. Die Zahl der Büros in unserem Land hat sich in den letzten elf Jahren halbiert. Und das Beispiel ING zeigt, dass der Niedergang der klassischen Agentur noch nicht zu Ende ist. Sicherlich jetzt, da die Übernahme der AXA Bank durch Crelan auch dort zu einer Ausdünnung des Filialbestandes führen wird. Die belgischen Zahlen sind noch etwas dehnbar: 2020 lag unser Land bei der Zahl der Büros pro Million Einwohner noch deutlich über dem EU-Durchschnitt.

150 bis 250

Büros ING

Auf insgesamt 150 bis 250 Filialen will ING Belgien gehen, etwa zwei Drittel weniger in zehn Jahren.

Route 2024 folgt einer schwierigen und manchmal turbulenten Zeit bei ING. Ende 2016 kündigte sie einen massiven Stellen- und Büroabbau an. Sie berichtete auch über die Schließung des separaten Selbständigen-Netzwerks unter dem Namen Record Bank. Die Frage ist, ob der erneute Stellenabbau nicht die Leistungserbringung und die Motivation der Mitarbeiter belasten wird. Einer Quelle zufolge gehen viele Leute bereits spontan weg, vor allem zum Konkurrenten Belfius, der nicht immer ersetzt wird.

Niedrigere Provisionen

ING will in einer Antwort keine Zahlen nennen, bestätigt aber, dass man Gespräche mit den Vertretern der Vermittler über den „Fußabdruck“ des unabhängigen Netzwerks führt. Weiter heißt es, dass Filialen – sowohl netzwerkinterne als auch selbstständige – weiterhin eine wichtige Rolle bei der Bank spielen und mit größeren (kaufmännischen) Teams zusammenarbeiten werden. Für Route 2024 weist es auf das veränderte Kundenverhalten und die immer schnellere Digitalisierung hin. De Tijd erfuhr jedoch, dass die Ankündigung über das Netzwerk der Selbständigen hauptsächlich eine höhere Rentabilität betraf.

Adams machte intern deutlich, dass die Eigenkapitalrendite inzwischen viel zu niedrig sei. Verschiedene Quellen bestätigen, dass ING auch die Provisionen für Selbständige kürzt. Diese müssen auf einen Schlag um ein Viertel gekürzt werden, nachdem sie in den letzten Jahren systematisch halbiert wurden. ING will die jüngste Intervention auch nutzen, um die unrentablen unabhängigen Filialen zu kappen. Die Bank bestätigt lediglich, dass es eine Anpassung des Provisionssystems geben wird.

Fachverband

Im Gegensatz zur Restrukturierung der Record Bank wurde der BZB-Fedafin, der Berufsverband der Bank- und Versicherungsvermittler, diesmal vorab über die Absicht informiert, das unabhängige Netzwerk zu verkleinern. „Wir bedauern, dass ING Belgium knapp vier Jahre nach der Integration der Record Bank erneut eine Umstrukturierung ankündigt“, antwortet Albert Verlinden, Vorsitzender von BZB-Fedafin.

„Viele Bankangestellte konnten die damals notwendigen Investitionen noch nicht wieder hereinholen und jetzt scheint plötzlich kein Platz mehr für sie zu sein. Sie müssen jetzt wieder Kundenportfolios kaufen, ohne Garantie, dass sich eine solche Geschichte nicht innerhalb von vier Jahren wiederholt“, sagt Verlinden.

Es herrscht noch viel Unsicherheit. Mehr Klarheit gibt es möglicherweise erst im September. Für den Berufsverband ist es jedoch erforderlich, dass ING den Verhaltenskodex zwischen Banken und ihren Agenten respektiert und maximale Maßnahmen ergreift, um die negativen Folgen für die unabhängigen Bankagenten so gut wie möglich abzufedern. ING Belgium beschäftigt rund 6.900 Mitarbeiter (in Vollzeitäquivalenten) und erzielte im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 709 Millionen Euro.

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