Home Wirtschaft Investmentexperten waren zu euphorisch

Investmentexperten waren zu euphorisch

Frankfurt Am Ende der Woche haben viele Investoren ihren Mut zurückgewonnen, nachdem es einige hoffnungsvolle Berichte im Kampf gegen das Koronavirus gegeben hat.

Selbst wenn ein Medikament zur Behandlung von Covid-19 schnell gefunden würde, wäre der Weg zurück zur Normalität lang und schwierig, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Anlageberater QC Partners. “Die Folgen der wirtschaftlichen Blockade auf Unternehmensebene und des Anstiegs der Arbeitslosenquote können nicht einfach rückgängig gemacht werden.”

Timo Emden von der gleichnamigen Analysefirma sagte etwas Ähnliches. “Die Investoren sehnen sich nach dem großen Erfolg der Koronapandemie”, sagte er. Für den Markt ist jedoch immer noch klar, dass selbst ein Wirkstoff kein Allheilmittel für die betroffene Weltwirtschaft ist.

Der führende deutsche Index Dax stieg am Freitag auf 10.756 Punkte. Zum Handelsschluss gab er jedoch einen Teil des Gewinns auf und schloss mit einem Gewinn von fast 3,4 Prozent bei 10.642 Punkten. Die Entwicklung des EuroStoxx 50 ist ähnlich: Der europäische Aktienindex ging mit einem Plus von 2,7 Prozent auf 2.888 Punkte aus dem Handel. Auch in den USA waren die Anleger am Freitag zunächst in guter Stimmung. Der Dow Jones stieg zum Jahresende um 2,9 Prozent auf 24.216 Punkte.

Die Weltwirtschaft schwer getroffen

Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst des Brokers CMC Markets, verglich den aktuellen Anstieg der Börsenindizes mit der Situation vor dem großen Ausverkauf im Dezember und Januar. “Schon jetzt lenken hochfliegende Technologietitel wie Netflix, Amazon und Tesla die Aufmerksamkeit von der Tatsache ab, dass die Realwirtschaft in Trümmern liegt”, sagte er. “Am Ende werden diese Unternehmen gute Geschäfte machen, aber sie werden die Weltwirtschaft nicht retten.”

Trotz aller Euphorie stehen die Unternehmen “vor einem großen Anpassungsprozess, der durch die zusätzlichen Kosten und Belastungen durch die Sperrung beschleunigt wird”, sagt Stanzl. Im Moment konnte niemand sagen, wie groß die Schließung von Unternehmen am Ende sein würde und wie lange es die Börsen davon abhalten würde, die alten Höchststände zu erreichen.

Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, erwartet angesichts der Lockerung der Kontaktbeschränkungen kurzfristig eine starke Belebung der Konjunktur. “Langfristig bestehen jedoch erhebliche Gefahren – zum Beispiel aufgrund der stark steigenden Unternehmensschulden, die durch die Krise verursacht werden”, sagte er. Ein V-förmiger Aufschwung, d. H. Eine sehr schnelle Belebung der Wirtschaft, ist unwahrscheinlich. Vielmehr ist mit einer allmählichen Rückkehr zum Wachstum zu rechnen.

Jörg Krämer

Der Chefökonom der Commerzbank erwartet kurzfristig eine starke Belebung der Wirtschaft.

In der kommenden Woche werden die Entwicklungen rund um das Koronavirus und die aktuellen Zahlen zur Wirtschaftslage weiterhin die dominierenden Themen auf den Märkten sein. Zum Beispiel warten die Börsenhändler gespannt auf den EU-Gipfel zur Viruskrise am kommenden Donnerstag. Unter anderem können gemeinsam garantierte Schulden einbezogen werden, um die Folgen der Pandemie zu überwinden.

Darüber hinaus werden die Aktionäre in der kommenden Woche zunehmend die Quartalszahlen einzelner Unternehmen betrachten. Nachdem Unternehmen in anderen Ländern bereits Zahlen für das erste Quartal vorgelegt haben, beginnt die Bilanzsaison nun auch in Deutschland. SAP startet wie gewohnt.

In der laufenden Bilanzsaison ist mit einem Gewinnrückgang von insgesamt 40 Prozent zu rechnen, sagte Ulrich Stephan, Chef-Investmentstratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank. Trotzdem ist er optimistisch: Dank der milliardenschweren Hilfspakete von Zentralbanken und Regierungen blicken die Anleger über die aktuellen Entwicklungen hinaus und konzentrieren sich auf Gewinne in der zweiten Jahreshälfte und im Jahr 2021.

Eintritt in die Börse

Angesichts der aktuellen Kursgewinne fragen sich einige Anleger, ob sie bereits die beste Gelegenheit zum Einstieg in Aktien verpasst haben. Nach Angaben der Analysten der DZ Bank wird die Volatilität aufgrund der anhaltenden Unsicherheiten durch das Koronavirus vorerst hoch bleiben, und weitere Preisrückschläge können nicht ausgeschlossen werden. “Aus früheren Börsenzyklen wissen wir, dass der Aktienmarkt nach dem Tiefpunkt einer Rezession die höchsten und nachhaltigsten Wachstumsraten aufweist”, sagte die DZ-Bank. „Es wird einige Zeit dauern, bis dieses Tief erreicht ist. Unsere Ökonomen sehen dies bisher im zweiten Quartal 2020. “

Mit Blick auf die kommenden Jahre erwarten die Analysten der DZ Bank: “Bis 2022/23 könnten die Dax-Unternehmen wieder so viel verdienen wie im vorangegangenen Rekordjahr 2018, und der Dax könnte 2024 mit 13.800 Punkten wieder seinen höchsten Stand erreichen.” “” Wer in den kommenden Quartalen weiterhin Aktien kauft, sollte langfristig sehr gute Anlageergebnisse erzielen. Es ist jedoch wichtig, nur Aktien von Unternehmen im Portfolio zu haben, deren Aussichten über einen Zeitraum von drei oder fünf Jahren positiv bewertet werden.

Altmaier will die Wirtschaft schrittweise ankurbeln

So wird es in der kommenden Woche weitergehen:

Montag: Zu Beginn der Woche wurden vierteljährliche Zahlen von Philips, Vivendi und IBM werden erwartet. In Japan werden im März Zahlen zum Außenhandel veröffentlicht, in Deutschland Daten zu den Erzeugerpreisen im März. Die Bundesbank veröffentlicht auch ihren Monatsbericht.

Dienstag: Die Bilanzsaison beginnt und SAP startet wie gewohnt. Das Softwareunternehmen hatte jedoch bereits Anfang April vorläufige Ergebnisse veröffentlicht und die Gesamtjahresziele gesenkt. Darüber hinaus liefern Netflix, die London Stock Exchange (LSE) und Coca-Cola Zahlen. Der ZEW-Index gibt Auskunft über die Stimmung deutscher Börsenprofis. Die Arbeitslosenzahlen in Großbritannien stammen aus London.

Mittwoch: Vorläufige Daten zum Verbrauchervertrauen in der Eurozone werden aus Brüssel erwartet. Alcoa, Ericsson, Caterpillar, Heineken und Roche meldeten Ergebnisse für das erste Quartal für die Unternehmen.

Donnerstag: Die Veröffentlichung des GfK-Index gibt einen Hinweis auf die Kaufstimmung der Deutschen. Alexander Roose, Chief Equity Investor beim Vermögensverwalter Degroof Petercam, erwartet, dass das Verbrauchervertrauen „durch die schwere Rezession im Dienstleistungssektor aufgrund steigender Gesundheitskosten und geringerer Kaufkraft stark beeinträchtigt wird“. Darüber hinaus wird der vorläufige Markit-Einkaufsmanagerindex für die Eurozone (Branche, Dienstleistung, Verbundwerkstoffe) veröffentlicht. In den Vereinigten Staaten wird die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung für die Woche bis zum 18. April veröffentlicht. Die Credit Suisse, Volvo, Renault, Unilever und Intel geben Einblicke in ihre Bücher.

Freitag: Am Ende der Woche steht der Ifo-Index auf dem Plan. Es informiert über die Stimmung in den deutschen Führungsetagen. Experten erwarten einen weiteren Rückgang von 86,1 Punkten im Vormonat auf 77,2 Punkte. In den USA werden auch Daten zu Bestellungen von langlebigen US-Waren veröffentlicht. Experten erwarten einen Rückgang von 11,4 Prozent. Die vierteljährlichen Zahlen stammen von Sanofi, American Express und Nestle.

Mehr: Rendite in Corona-Zeiten: Mit welchen Investitionen können Sie noch Geld verdienen

.

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Most Popular

Lego gibt NES vom Konstruktor frei

Lego und Nintendo planen die Veröffentlichung einer Replik der ursprünglichen Nintendo Entertainment System-Spielekonsole in Originalgröße. Offizielles Twitter der dänischen Firma erschien Ein kurzer...

Warum Free Wi-Fi 6 mit Freebox Pop übersprungen hat

Am Rande des Starts der Freebox interviewte Univers Freebox Xavier Niel. Während einige Konkurrenten wie Bouygues oder SFR sich bei ihren jüngsten Boxen für...

Priyanka Gandhi Vadra gegen Gewerkschaftsminister Hardeep Puri über den Urlaubsbungalow

Priyanka Gandhi Vadra sagte, sie werde ihre Regierungsunterkunft in Delhi bis zum 1. August räumen.Neu-Delhi: Eine "mächtige Kongressleiterin" hatte darum gebeten, dass der Regierungsbungalow...

Recent Comments