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Ist der Schütze kurz vor dem Ende?

Palma de Mallorca Eigentlich würde der Teufel bei Ballermann los sein: Am dritten Aprilwochenende wären Tausende von Urlaubern zur Eröffnung in die “Bierkönig” -Diskothek am Playa de Palma gekommen und hätten das Startsignal für die neue Saison auf Mallorca gegeben. Seitdem heizen Popstars wie Jürgen Drews oder Mickie Krause deutsche Touristen in den Partytempeln auf. Tatsächlich.

Aber die Koronakrise verlangsamte die Parteigemeinschaft. Bei Ballermann herrscht gespenstische Stille statt Partystimmung. Für die Gastgeber am Playa bedeutet dies ein völliges wirtschaftliches Versagen. Niemand kann sagen, wann die Registrierkassen wieder klingeln und die Lautsprecher boomen werden.

Am 15. März wurde in Spanien und damit auch auf Mallorca eine strenge Ausgangssperre verhängt. Seitdem dürfen die Menschen das Haus nur zum Einkaufen, Arbeiten oder Arztbesuchen verlassen. Flughäfen und Häfen sind dicht. Kaum jemand kommt heraus, geschweige denn rein.

Mallorcas vollständiger Tourismus ist auf Null gefallen – auch abseits der Partymeilen. Einzelne Hotels könnten frühestens im August wieder eröffnet werden, sagte der balearische Tourismusminister Iago Negueruela kürzlich. Vorausgesetzt, die Situation hat sich bis dahin weiter entspannt.

“Es ist eine Katastrophe für alle Geschäftsleute am Playa”, zitieren lokale Medien einen Sprecher des Partyortes “Megapark”. Auch dort wurde die große Eröffnung abgesagt, die am 10. Mai stattfinden sollte.

Selbst wenn der Inseltourismus in den nächsten Wochen langsam wieder beginnen sollte, würden auch die Tanzflächen der großen Partytempel leer bleiben. Weil es auf absehbare Zeit keine größeren Ereignisse auf Mallorca geben wird – aus gutem Grund.

Nicht überfüllte Partymeile

Ballermann, der zu diesem Zeitpunkt ansonsten beschäftigt war, wird 2020 zum Stillstand kommen.

(Foto: Michael Wrobel für das Handelsblatt)

Die Corona-Pandemie hätte nicht einmal in der Hochsaison stattgefunden: Es wäre eine verschwenderische Party bei Ballermann gewesen – besonders für Covid-19. Das Virus hätte sich unter den Tausenden von Partyurlaubern schnell verbreitet.

Vor dem Ende der Inkubationszeit wären die vielen Besucher wieder in ganz Deutschland gewesen – und hätten das Virus in der letzten Ecke der Republik verbreitet. Das österreichische Skigebiet Ischgl hat im März gezeigt, welche Folgen Fahrlässigkeit in Pandemiezeiten haben kann. Mallorca wäre ein viel schlimmerer Viruswerfer gewesen.

Die Tatsache, dass dieses schreckliche Szenario nicht eingetreten ist, hat auch mit der schnellen Reaktion der lokalen Behörden zu tun. Die balearische Premierministerin Francina Armengol hatte die Balearen schon früh abgeriegelt und die Insel Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera genutzt, um die Ausbreitung des Virus zu stoppen. Und mit Erfolg: Die Balearen sind eine der Regionen Spaniens, in denen bisher die wenigsten Corona-Fälle aufgetreten sind.

Auf dem Festland sieht es ganz anders aus. Spanien gilt als Epizentrum der Pandemie. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez hat kürzlich die Alarmsituation in seinem Land erneut bis zum 10. Mai verlängert. Gleichzeitig diskutieren Politiker bereits über künftige Geschäfte mit Touristen.

Leerer Flughafen

Kaum jemand kommt heraus, geschweige denn rein.

(Foto: Michael Wrobel für das Handelsblatt)

Tourismusminister Reyes Maroto kündigte an, dass der neue Alltagsurlaub auf jeden Fall von sozialer Distanz, Menschenmengen und Hygiene geprägt sein müsse. Es gibt auch einen Vorschlag im Zimmer, dass ausländische Touristen in dieser Saison nicht ins Land kommen dürfen.

Für Mallorca wäre dies die zweite Katastrophe. Denn der Verlust von Urlaubern, insbesondere aus Deutschland und Großbritannien, konnte von spanischen Urlaubern kaum kompensiert werden. Playa de Palma wäre besonders stark betroffen. Denn spanische Urlauber scheuen seit Jahrzehnten die deutschen Hotspots um Ballermann wie der Teufel das Taufbecken.

Traum vom Hochglanztourismus

Bedeutet das Koronavirus den Todesstoß für den Ballermann? Viele befürchten, dass Mallorcas Politik die Situation nutzen könnte, um Playa de Palma von Grund auf zu verändern. Seit Jahrzehnten versuchen die Menschen, dem unangenehmen Alkoholtourismus mit neuen Anforderungen, Verhaltensregeln und anderen Einschränkungen ein Ende zu setzen. Und das könnte jetzt schneller gehen, als man es sich in letzter Zeit erhofft hatte.

Seit einiger Zeit träumt der Traum von Playa de Palma als neuem Miami Beach auf der Insel. Vor einigen Jahren wurde der Verein “Palma Beach” gegründet, dem mehrere Gastronomen und Hoteliers angehören.

Die Party League am Playa ist den Pionieren des neuen, hochwertigen Mallorca-Tourismus ein Dorn im Auge. Wenn die großen Unruhestifter Bierkönig und Megapark, die offiziell für den Trinktourismus verantwortlich gemacht werden, aufgrund der Koronakrise in die Knie gezwungen werden, könnte ein vollständiger Neuanfang nach der Sperrung einfacher sein.

Stadtzentrum von Palma

Reduzierter Tourismus auf Null – auch abseits der Partymeilen.

(Foto: Michael Wrobel für das Handelsblatt)

Die Pabisa Group, zu der im weiteren Sinne auch der Beer King gehört, hat kürzlich rund 40 Millionen Euro in zwei neue Luxushotels investiert. Aus diesem Grund ist es derzeit unwahrscheinlich, dass das Unternehmen über die finanziellen Mittel verfügt, um eine ganze Saison ohne Gäste zu überstehen.

Und der Grupo Cursach, zu dem der Megapark gehört, ist finanziell angeschlagen. Nach Ermittlungen gegen ihren Chef Bartolomé Cursach, unter anderem wegen Bestechung, organisierter Kriminalität, Erpressung und Steuerbetrug, wurde der Megapark 2018 auf Anordnung der Behörden halbiert. Der Umsatz brach entsprechend ein.

Andere Einrichtungen des “Godfather of Mallorca” sind seit langem geschlossen, darunter die Fitnesscenter-Kette Megasports, der legendäre Riu Palace oder das Grillrestaurant Asadito. Es ist besonders schmerzhaft, dass der derzeit geschlossene Megapark auch dazu führt, dass die Gelddruckmaschine von Cursachs zum Stillstand kommt.

Und niemand weiß im Moment, ob es jemals wieder anfangen wird. Wenn die sozialistische Regierung aus irgendeinem Grund Mittel und Wege finden würde, um den beiden großen Unternehmen die finanzielle Unterstützung zu verweigern, würde dies wirklich trostlos aussehen. Wie lange Megapark und Bierkönig den Stillstand aushalten können, ist ungewiss.

Groß und klein vor dem Ende

Eines ist jedoch sicher: Wenn die beiden Großen untergehen, würden sie zahlreiche andere wegfegen. Denn die vielen kleineren Restaurants, Bars, Supermärkte und Straßenverkäufer können nur existieren, weil es große Zugpferde gibt. Und die meisten Kleinen haben nach dem Winter noch weniger Reserven als die Betreiber der Parteitempel.

Wenn der Ballermann sinken würde, würden auch die vielen Popsänger der Szene vor dem Ende stehen. Die meisten von ihnen verdienen derzeit kaum etwas. Diejenigen, die zu ihrem eigentlichen Job zurückkehren oder mit anderen Jobs über Wasser bleiben können. Die Megapark-Sängerin Ina Colada zum Beispiel arbeitet jetzt als Teilzeit-Spargelschneiderin.

Geschlossener Strand

Niemand weiß, wann die Registrierkassen wieder klingeln werden.

(Foto: Michael Wrobel für das Handelsblatt)

Viele Hotels am Playa leben auch von Partyurlaubern. Die meisten haben ihre Mitarbeiter bereits entlassen oder auf Kurzarbeit geschickt. Insgesamt erwartet die balearische Regierung einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts auf den Inseln in allen Wirtschaftsbereichen um rund 31 Prozent. Dies würde einen Verlust von rund 30 Prozent der Arbeitsplätze bedeuten, und nach der Krise dürften mehr als 147.700 Arbeitsplätze verloren gehen.

Juan M. Ferrer, Leiter des Wirtschaftsverbandes “Palma Beach”, will sich beruhigen. Er glaubt, dass der Playa durch Investitionen in Restaurants und Hotels gut auf das vorbereitet ist, was kommen könnte. „2020 wird sehr, sehr schwierig. Wenn Sie jedoch im Jahr 2021 wieder reisen können und am Flughafen Gesundheitschecks durchgeführt werden, könnte die Saison 2019 oder 2018 sein – mit einem Minus zwischen zehn und 20 Prozent. ”Der Playa wird sich definitiv ändern. Niemand weiß in welche Richtung.

Mehr: Überschüsse vor der Kamera: Ein Tiroler Fotograf hält Ischgl den Spiegel vor

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