John Ruskins "Grundlagen des Zeichnens in drei Buchstaben für Anfänger"

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BBäume und Steine ​​- lernwillige Zeichenschüler brauchen nicht viel mehr. Der Stein lehrt die Rundheit, der Baum die "strahlungsähnliche Ausbreitung", und die unwiderlegbaren Naturgesetze lassen sich auf beiden Seiten beobachten: Es gibt keine Umrisse, nur Schattierungen, und alles lässt sich – konkret und bildlich gesprochen – auf eine Gemeinsamkeit zurückführen Wurzel, von der aus die einzelnen Zweige zerstreut werden.

So demütig John Ruskins "Basics of Drawing" aus dem Jahr 1857 beginnt, so umfassend ist ihr Anspruch. Jeder kann lernen zu zeichnen – unter den Bedingungen, die jede menschliche Tätigkeit bestimmen sollten: Geduld, Hingabe, Präzision. Andererseits hat die Geschwindigkeit, wie Ruskin seinen Lesern wiederholt mitteilt, nichts an Kunst verloren, sondern letztendlich überall. Was als dreist gilt, ist eigentlich nachlässig und auffällig; was heftig rüberkommt, läuft Gefahr, rau zu sein: "Wahre Kühnheit und Stärke können nur mit Sorgfalt erreicht werden." Zeichnen ist harte Arbeit, denn es ist wichtig, die Zartheit der Natur auf die Komposition zu übertragen. Genau aus diesem Grund möchten Sie mit dieser illustrierten, übersichtlichen und gut ausgestatteten Übersetzung der "Grundlagen" dem "steinernen Gegner" mit ein wenig Zeit und einem Bleistift in der Hand mutig ins Gesicht sehen.

Kunstkritik und Kunsterziehung Der 1819 geborene und 1900 verstorbene John Ruskins war nicht nur ästhetisch, sondern auch politisch engagiert, wie seine Vorgänger Joshua Reynolds oder James Barry aus dem 18. Jahrhundert. Im Gegensatz zu ihnen wollte Ruskin jedoch weniger republikanische Tugenden durch Kunst fördern und mehr Raum für den Einzelnen in der viktorianischen Gesellschaft eröffnen. Hierher kommt Ruskins Betonung der Landschaft und nicht des menschlichen Körpers. Der schnelllebige, vertriebsorientierte Markt sowie der akademische Unterricht stehen dem künstlerischen Schaffen im Wege. Sie entfernen Menschen aus der Natur und verhindern, dass sie richtig sehen, obwohl Wälder und Hügel die "besten Zeichenlehrer" sind.

John Ruskin:


Weil das Zeichnen keine Kunst schafft. Die Natur schafft etwas Kunstwürdiges, dessen ideale Kompositionskriterien der Betrachter verstehen sollte: "Deshalb muss man lernen, differenzierte Formen mit den Augen zu zeichnen." Für Ruskin bedeutet dies jedoch, die euphorische Selbstgerechtigkeit zu verhindern, ein Ziel, das nicht erreicht werden kann, sondern eines, das der Kunsthistoriker Wolfgang Kemp in seinem unterhaltsamen Epilog erklärt, zu dem nur Annäherungen möglich sind: „Das zu zeichnende Objekt komponiert sich selbst, weil die Gesetze für das menschliche Verständnis zu fein sind. Aber das Zeichnen hilft, das Zeichnen zu erkennen. "

Die Arbeit ist ein Plädoyer für die Fähigkeit, die Unterschiede überall wahrzunehmen, ohne sie jemals als Trennung zu verstehen: "Schattierungsabstufungen", "Farbskalen", "Tonwerte", "Dunkelheitsgrade" – Ruskins Sprache Nicht umsonst als sein wahres Können gepriesen, kreist die Differenzierung in all ihren Formen, und zum Glück gelingt es dem Übersetzer, einen Einblick in die melodischen Sätze zu gewähren. Leider fielen einige Passagen den Streichungen zum Opfer, die zeigen, wie sehr Ruskins naturbasierter Zeichenunterricht in der industriellen Moderne, ihrer Urbanisierung und ihrer Technologie verankert ist: Fotografien und Faksimiles sollen als Anschauungsmaterial für Studenten dienen. Wenn Sie kein Geld dafür haben, können Sie Schaufenster, Ausstellungen oder sogar jedes billige Bildband benutzen. Der gesammelte Text verdeutlicht aber auch die sozialhistorische Grundlage: Das Zeichnen für den Zeitvertreib ist ein Privileg, das sich Ruskins Studenten am Working Men’s College, einer der ersten Erwachsenenbildungseinrichtungen in England, nur in begrenztem Umfang leisten konnten. Die Motive waren für sie aber auch auf der Straße: Mit dem Zug konnte man von der Stadt aus in die umliegende Natur gelangen. Ein "alter leerer Kohlenkahn bei Ebbe" ist für Ruskin ein besonders ergiebiges, unpoliertes Motiv.

Die "Grundlagen" wurden geschaffen, als Ruskin sich zunehmend den sozialen Nöten seiner Zeit zuwandte. Sie sind am interessantesten, wenn sie Sie speziell anweisen, Beobachtungen zu machen. Und sie sind am diskussionswürdigsten, wenn Ruskin einen ethischen Anspruch verfolgt: "Auf dem Gebiet der schönen Arrangements von sichtbaren Dingen gelten die gleichen Regeln wie in moralischen Angelegenheiten." Dieser Autor tut es nicht unter Totalität. Alles auf der Welt folgt einer großen Ordnung, in der alles seinen Platz hat. Körper und Kunst müssen im Gleichgewicht sein, denn der Umgang mit Farben hängt von „allgemeinem Wohlbefinden“ und „geistiger Ausgeglichenheit“ ab. Der Zeichenunterricht wird zur moralischen Sozialtheorie, und die Grundaussage erscheint so aktuell, weil sie so grundlegend ist: Das ganze Leben besteht aus Nuancen.

John Ruskin: "Grundlagen des Zeichnens in drei Buchstaben für Anfänger", Anzeige. Englisch von Helmut Moysich. Mit einer Fortsetzung von Wolfgang Kemp.Dieterich’sche Verlagsbuchandlung, Mainz 2019. 272 ​​S., Geboren, 25 Euro.

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