Klimaziele: 2020, Jahr der aufgeschobenen Ziele – Wirtschaft

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Bis 2020 haben sich die Bundesregierungen die schönsten Ziele gesetzt: weniger CO₂-Emissionen, eine Million Elektroautos, eine nachhaltigere Republik. Aber die meisten werden uns fehlen.

Das Jahr 2020 war noch weit entfernt, als Deutschland zum ersten Mal eine Nachhaltigkeitsstrategie erhielt. Ein "zukünftiger Prozess" sollte beginnen, "um zukünftige Lebensumgebungen für 2020 zu diskutieren". In der ersten Runde der Strategie, die Weichen für Nachhaltigkeit zu stellen, gab es Dutzende von Ideen. Rot-Grün regierte im Jahr 2002, und 18 Jahre schienen genug Zeit zu sein, um die Dinge im Land zum Besseren zu wenden.

Damit das laufende neue Jahr das große Zieljahr in Sachen Nachhaltigkeit wurde, gab es Indikatoren über Indikatoren: 60 Prozent Ganztagsbetreuung. Zehn Prozent Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen. 20 Prozent weniger Primärenergieverbrauch als 2008. Die Oberflächenversiegelung soll eingedämmt werden, der Anteil erneuerbarer Energien soll steigen.

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18 Jahre später ist die Zeit für die Abrechnung gekommen. Die Bundesregierung wird jedoch in der Lage sein, die wenigsten Ziele dieses Jahres zu erreichen, die meisten werden wahrscheinlich verfehlt. In jedem Fall, wenn sie zuvor nicht subtil bewegt, abgesenkt oder sofort eingesammelt wurden. Es gibt nur wenige Ruhmesblätter.

"Jede Generation muss ihre Aufgaben lösen und darf sie künftigen Generationen nicht auferlegen", lautete die erste Nachhaltigkeitsstrategie im Jahr 2002. Bekanntestes Beispiel ist das Klimaziel: 40 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 – bis 2020 Anfang der neunziger Jahre von einer Untersuchungskommission festgelegt worden, wurde sie jedoch zunächst nicht in die Nachhaltigkeitsstrategie einbezogen. Damals war das bisherige Klimaziel noch in Kraft, ein Rückgang von 25 Prozent bis 2005. Natürlich wurde es nicht erreicht. Im Jahr 2009 haben Union und FDP im Koalitionsvertrag das neue, deutlich höhere Ziel für 2020 festgelegt: minus 40 Prozent. Es hat jedoch nicht geholfen: Es ist bereits absehbar, dass dieses Ziel nicht erreicht wird.

Stattdessen gilt jetzt ein neues Ziel, 55 Prozent weniger bis 2030. Ein beliebter Reflex ist laut Soziologe Ortwin Renn, der das Potsdamer Nachhaltigkeitsinstitut IASS leitet. "Das sollte den Eindruck erwecken, dass Sie es verstanden haben, jetzt wollen Sie wirklich etwas tun. Aber dieser Reflex führt zu einem endlosen Vakuum."

Das Gleichgewicht ist nicht überall schlecht. Der Anteil der Schulabbrecher, beispielsweise um die Jahrtausendwende rund 15 Prozent, soll bis 2020 auf unter 10 Prozent sinken. Dies soll ebenso gelingen wie die Reduzierung der Raucherquote, ein zunehmender Anteil der Erwerbstätigen und Frauen in Aufsichtsräten. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch liegt seit 2018 über dem Ziel von 35 Prozent. Solche Erfolgsberichte enthalten kleine Sonnen in den Sachstandberichten.

2010 wird "in den nächsten Jahren" und in den "nächsten Jahren" leise im Jahr 2030

Die Bundesregierungen hatten zuvor auf andere Ziele reagiert. Ursprünglich sollten bis 2010 rund 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche biologisch sein. Aber das Ziel wollte und wollte nicht näher kommen. So wurde 2010 "in den nächsten Jahren" und "in den nächsten Jahren" leise und heimlich im Jahr 2030. Kürzlich wurden nur gute sieben Prozent erreicht. Es gibt noch Raum für Verbesserungen.

Ähnlich war es beim Versiegeln von Oberflächen. "Zu wenig ist uns bewusst, dass unbebaute Landschaft eine begrenzte Ressource ist", lautete die erste Nachhaltigkeitsstrategie im Jahr 2002. Damals wurden durchschnittlich 130 Hektar pro Tag versiegelt, das Ziel war eine drastische Reduzierung auf 30 Hektar Natürlich im Jahr 2020. Das stellte sich als ehrgeizig heraus, im Jahr 2016 lag der Durchschnitt noch über 60 Hektar pro Tag. Deshalb hat die Bundesregierung dieses Ziel auf 2030 verschoben. Bisher sollte die Flächennutzung "unter" 30 Hektar pro Tag liegen. Dies gibt weitere zehn Jahre & # 39; verzögern.

Die Regierung deckte schnell den Mantel des Schweigens über ein anderes Ziel, das nie Teil der Nachhaltigkeitsstrategie war. Ursprünglich sollten bis 2020 eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen unterwegs sein. Das Land sollte zum "Leitmarkt" für Elektromobilität werden. Wenn das Ziel außer Reichweite war, sprach niemand darüber. Das jüngste Klimaschutzprogramm spricht jetzt von einer Million Ladepunkten – bis 2030.

Solche Manöver seien gefährlich für die Politik, warnte Renn. "Tore haben eine Entlastungsfunktion für die Politik: Man muss etwas zeigen, ohne wirklich etwas zu tun." Aber die Probleme würden dann wieder auf den Tisch kommen. "Politische Ernüchterung ist auch ein Beleg für Ziele, die nicht von der Politik untermauert werden."

Zum anderen sensibilisieren die Ziele für das, was noch in Schwierigkeiten steckt. Laut Volkszählung des Bundes sind 24 von 66 Indikatoren so gut wie geplant. In 28 anderen Bereichen, sei es die Ganztagsbetreuung für Kinder, das Einkommensgefälle zwischen Männern und Frauen oder die Energieeffizienz, sind die Ziele näher gerückt. Andere sind zurückgegangen, wie z. B. Nitrat im Grundwasser. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel gerne sagt: "Es gibt also noch viel zu tun."

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