KPMG gewinnt Eon-Mandat und verteidigt den dritten Platz in der Branche

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Frankfurt Der Wendepunkt im Wirtschaftsprüfermarkt zeigt sich nun auch bei KPMG: Erstmals hat das Dienstleistergeschäft das Geschäft der Unternehmensberatung gegenüber dem klassischen Geschäftsbereich Wirtschaftsprüfung abgelöst. Insgesamt erzielte die deutsche KPMG im Geschäftsjahr 2018/19 (bis 30. September) eine Gesamtleistung von 1,92 Milliarden Euro, was einer Steigerung von fünf Prozent entspricht.

KPMG ist damit schwächer als sein Wettbewerber EY, der zuletzt um sieben Prozent auf 2,1 Milliarden Euro gewachsen ist. Deloitte wuchs sogar deutlich schneller um 17 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Auch der Marktführer PwC hat im abgelaufenen Geschäftsjahr die Gesamtleistung um fünf Prozent auf 2,3 Milliarden Euro gesteigert. In der Gesamtleistung sind neben dem Umsatz auch noch nicht abgerechnete und gebuchte Projekte enthalten.

Das bedeutet, dass der Rang unter den deutschen Wirtschaftsprüfern vorerst unverändert bleibt. Ziel von Deloitte ist es, auf Platz drei vorzustoßen. KPMG konnte diese Position in diesem Jahr verteidigen. Für Klaus Becker, Vorstandsvorsitzender der deutschen KPMG, stehen Platzierungen und Zahlenspiele nicht im Vordergrund: Er setzt nicht auf maximales, sondern auf gesundes und profitables Wachstum, bei dem es nicht zu Qualitätsverlusten kommt.

"Wir sehen uns selbst an und sind sehr zufrieden", sagte Becker am Donnerstag vor Journalisten in Frankfurt. Dies sollte auch dazu beitragen, dass er im Dax-30 den Gewinn eines attraktiven neuen Mandats vermelden konnte: KPMG soll ab 2021 neuer Abschlussprüfer des Essener Energiekonzerns Eon werden. Der Aufsichtsrat hat diese Empfehlung ausgesprochen. Die Hauptversammlung muss noch zustimmen, aber das ist eine Frage der Form.

Dies ist für KPMG wichtig, da das Unternehmen im Zuge der vorgeschriebenen Rotation der Auditoren viele Auditorenkunden im Dax-30 übergeben muss. Das Unternehmen will den Verlust zum einen durch Mandatsgewinne anderer Konzerne kompensieren. Bisher wurde KPMG nur im Dax-30 von Covestro eingesetzt. EY und PwC haben sich in den letzten Ausschreibungen der Abschlussprüfung durchgesetzt. Mit einem Volumen von zuletzt 24 Millionen Euro ist Eon ein vergleichsweise lukratives Mandat.

Vor allem der Ausbau des Beratungsgeschäfts sollte die Verluste ausgleichen. Diese Strategie hat sich anscheinend bisher bewährt: KPMG hat in diesem Jahr aufgrund des Rotationserfordernisses 36 Millionen Euro an Prüfungshonoraren verloren. Im Gegenzug wurde mit Kundenberatungsprojekten, die KPMG nicht mehr prüfen darf, ein Umsatz von 34 Millionen Euro erzielt. "Es gelingt uns, die Rollen vom Wirtschaftsprüfer zum Berater zu wechseln", sagte Becker.

Das Management Consulting Geschäft dominiert

Das klassische Geschäft mit der Abschlussprüfung sollte der Kern von KPMG bleiben, betonte er. Es ist jedoch klar, dass dort keine größeren Umsatzsprünge zu erwarten sind. Die Prüfungsabteilung erzielte 2019 eine Gesamtleistung von 677 Millionen Euro, was einer Steigerung von nur einem Prozent entspricht. Für Becker zählt jedoch in Zukunft, dass mehrere neue Mandate gewonnen wurden: Neben Eon sind dies die MDax-Konzerne Aareal Bank und Compugroup Medical sowie das Familienunternehmen Bertelsmann und dessen Tochter RTL.

Der Beratungsbereich Advisory legte um sechs Prozent auf 709 Millionen Euro zu. Wachstumstreiber waren neu implementierte Programme zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung für Kunden sowie deren digitale Transformation. KPMG berät die Allianz und den Energiekonzern EnBW bei der Entwicklung digitaler Modelle. Bei BMW ist der Dienstleister an der Neuorganisation von Einkauf und Verkauf beteiligt. KPMG hat zuvor die Bilanzen beider Unternehmen geprüft.

Das Management-Consulting-Geschäft ist mittlerweile für alle großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften dominierend. Das Beratungsgeschäft von Deloitte wuchs um 24 Prozent auf 655 Millionen Euro. Auch bei PwC und EY sind die Beratungsbereiche umsatzmäßig größer als die Geschäfte mit Abschlussprüfungen.

In der dritten Sparte Steuern (Steuer- und Rechtsberatung) legte KPMG um 14 Prozent auf 525 Millionen Euro zu. Das Unternehmen hat mehrere Partner und größere Teams von Wettbewerbern angeworben. Bei den meisten handelt es sich um Teams, denen es nicht mehr gestattet ist, die alten Mandanten bei ihrem früheren Arbeitgeber steuerlich und rechtlich zu beraten, da sie künftig Revisionskunden sein werden.

Becker gab keine konkrete Prognose für 2020 ab, war aber zuversichtlich. Das Wachstumstempo konnte in den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres gehalten werden.

Mehr: Investitionen in Technologie, Talente und Systeme geben dem Beratungsunternehmen Deloitte einen weiteren Wachstumssprung. KPMG wird in Kürze überarbeitet.

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