Kreuzfahrtschiff wird für lange Zeit unter Quarantäne gestellt

Yokohama Die Anlegestelle des Kreuzfahrtschiffes im Hafen von Yokohama ist verwaist. Die Diamond Princess, auf der seit dem 3. Februar fast 3.700 Passagiere und Besatzungsmitglieder wegen des Corona-Virus unter Quarantäne gestellt wurden, ist am Morgen in See gestochen. Die Botschaft in Tokio meldet auch zehn Deutsche unter den Passagieren. Aber nur weil das Virus umgeht, muss das Schiff nicht die ganze Zeit an der Kaimauer sein.

Es läuft regelmäßig aus, zuletzt am Mittwoch. An diesem Samstag führt eine kleine Rundreise die Passagiere zunächst entlang der Izu-Halbinsel und dann in einem großen Bogen bis Sonntagmorgen zurück nach Yokohama. Der Kapitän entschuldigt sich, dass das Meer rau wird. Die Stabilisatoren werden erneut verwendet, um die Bewegungen zu minimieren.

Der Brite David Abel verzieht während der Rede das Gesicht. Mit seiner Frau ist der Rentner durch seine Live-Berichte und Postings auf Facebook zum Internetstar geworden. Also berichtet er diesen Samstagmorgen über das Schiff. Er geht mehrmals täglich online, um sich zu beschäftigen und die Stimmung der Coronavirus-Häftlinge zu heben. Und das ist auch notwendig, weil die Besatzung den Passagieren an diesem Tag noch schlechte Nachrichten überbringen wird.

Das Koronavirus wurde in drei weiteren Passagieren gefunden. Insgesamt befinden sich 64 Virusträger auf dem Schiff, von denen 20 bereits in Krankenhäusern an Land gebracht wurden. Und Abel weiß, was den Rest der Passagiere jetzt bedroht: “Das heißt, die Quarantäne-Uhr wird auf Null gestellt”, erklärt er in einem späteren Beitrag.

Für viele Reisende dürfte das ein Schock sein. Denn dadurch verlängert sich die Quarantäne nach den bisherigen Regeln um weitere 14 Tage. In seiner kurzen Rede kündigte der Kapitän an, dass ab diesem Tag eine Hotline für Passagiere eingerichtet werde. Das Team möchte offensichtlich Raserei und Verzweiflung vorbeugen, die durch die sich ständig erneuernden Quarantäneerweiterungen ausgelöst werden könnten. Denn nicht jeder hat eine Außenkabine wie Abel.

Passagiere auf der Diamond Princess

Reisende mit einer Außenkabine können sich an die frische Luft oder mit Nachbarn unterhalten.

(Foto: AFP)

Er kann oft an der frischen Luft schnuppern und sogar mit Nachbarn in der Kabine plaudern. Doch viele Passagiere sehen die Welt nur durch Fenster oder gar nicht, wenn sie eine günstigere Innenkabine gebucht haben. Die Besatzung versucht daher, die Gefangenschaft so angenehm und abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.

Das Fernsehprogramm wurde erweitert, erklärt die Reederei. Eltern berichten, dass es Unterhaltungspakete für die Nachkommen gab, mit Buntstiften, Make-up und einer Gesichtsmaske. Das chinesische Taiji-Turnen wird auch als Sportprogramm im Schiffsnetz übertragen.

Zusätzlich wird der eingeschränkte Zugang am Ausgang gewährt. In Gruppen von 50 Personen können sie ihre Füße länger als eine Stunde auf den Decks strecken – mit einer Gesichtsmaske gegen das Risiko von Viren und warmer Kleidung gegen den kalten Winterwind. Abel überträgt diese Freizeitaktivität auch auf Facebook.

Die Diamond Princess bietet genügend Platz für diese Art von Freizeitspaß. Im Jahr 2004 wurde der 116.000 Tonnen schwere Kreuzer der britisch-amerikanischen Kreuzfahrtgesellschaft Princess Cruises in Japan auf den Markt gebracht. Es ist Teil der Grand Class, der zweitgrößten Klasse des Reiseriesen, der mit 18 Schiffen einer der größten Kreuzfahrtanbieter der Welt ist. Die größere Royal Class verdrängt weitere 30.000 Tonnen Wasser.

Aber trotz des Luxus des Reisens belasten die Einschränkungen und die Unsicherheit, wann die “Gefangenschaft” enden wird, viele Reisende. Yardley Wong, die mit ihrem sechsjährigen Sohn auf dem Schiff gefangen ist, zeigt das Leiden an. Sie sollten versuchen, 72 Stunden in einer kleinen Hütte ohne Fenster zu leben, schreibt sie auf Twitter. “Absolute Isolation.”

Bisher hat Ihr Sohn es gut ertragen. “Er sagt, er hat die beste Zeit seines Lebens”, sagte sie am Freitag. Aber sie kümmert sich um die Senioren. Ältere amerikanische Passagiere teilten FoxNews mit, dass sie bereits versucht hätten, von ihrer Versicherungsgesellschaft gerettet zu werden. Die Regierungen der Vereinigten Staaten und Japans haben sich bisher dagegen ausgesprochen, dass die Quarantäneprotokolle gebrochen werden.

Der Linienführer flog nach Japan

Es bleibt abzuwarten, ob diese offene Massenisolierung bis zum Ende auf einem Schiff durchgeführt werden kann. Es gibt bereits Gerüchte, dass die USA mit Hilfe ihrer Marine auf See ihre 428 Bürger aus dem Kreuzritter retten werden, um die Betroffenen an Land zu beobachten.

Jan Swartz, Chef der Linie, hat jetzt auch die Krise mobilisiert. Es traf am Freitag in Japan ein und kündigte an, die Hilfe für Passagiere zu erhöhen, beispielsweise durch mehrsprachige Informationen über die neue Viruskrankheit aus China. Immerhin sind Menschen aus 56 Ländern an Bord.

In einer Videobotschaft dankte sie den Passagieren, drückte ihr Mitgefühl aus und ermutigte sie. Abel berichtet, dass sie auch gesagt hat, dass sie jetzt gerne bei ihren Kunden sein würde. Aber in Wahrheit sollte sie froh sein, nicht an Bord gehen zu dürfen, stellt der Brite humorvoll fest. Auf jeden Fall scheinen er und seine Frau entschlossen zu sein, sich von nichts unterkriegen zu lassen. Er fing an, neue Fotos der Kreuzfahrt und alte Fotos aus seinem Archiv auf Facebook mit der Welt zu teilen. Jetzt möchte er einen Fotokurs für seine neuen Anhänger starten.

Mehr: Chinesische Zentren testen derzeit verfügbare Wirkstoffe der US-Unternehmen Gilead und Abbvie. Grundlegende Neuentwicklungen gegen das Koronavirus würden viel zu lange dauern.

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