Kurzarbeit auf höchstem Niveau seit 2010 – Wirtschaft

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Dies gilt als einer der Gründe, warum Deutschland die Wirtschaftskrise vergleichsweise gut überstanden hat. Lange war nichts von ihr zu hören – aber jetzt scheint sie zurück: die Kurzarbeit. Im Dezember stieg sie auf den höchsten Stand seit 2010: 8,3 Prozent der Industrieunternehmen entscheiden sich diesen Monat nach einer Umfrage des ifo Instituts für Kurzarbeit. Weitere Unternehmen gehen davon aus, in den nächsten drei Monaten Kurzarbeit einzuführen. Ihr Anteil steigt auf 15,3 Prozent. Die Rezession in der Industrie breitet sich zunehmend auf den Arbeitsmarkt aus.

Nach der Finanzkrise waren andere Länder auf das deutsche Kurzarbeitsmodell eifersüchtig. Unternehmen nutzen es in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, um die Beschäftigten zu halten und so Entlassungen zu verhindern. Denn wenn Mitarbeiter gehen, gehen auch wertvolles Know-how und Erfahrung verloren. Dies erschwert es den Unternehmen, aus einer Krise herauszukommen. Und wenn es wieder besser geht, ersparen sich die Unternehmen auch die Suche nach neuen Mitarbeitern – es sind noch genug an Bord, um die Arbeitszeit wieder zu erhöhen.

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Nach Schätzungen des ifo Instituts sind im Dezember mehr als 100.000 Menschen von Kurzarbeit betroffen. Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen auch, dass die Kurzarbeit zunimmt. Nach Ihren ersten Daten sind in diesem Monat rund 85.000 Menschen betroffen. Das ifo Institut erwartet, dass die Bundesagentur für Arbeit ihre Zahl später erhöhen muss.

Rückblickend auf die Finanzkrise ist das Ausmaß der Kurzarbeit noch relativ gering. Zum Vergleich: Im Krisenjahr 2009, als das Wachstum in Deutschland um fünf Prozent einbrach, waren bis zu 1,5 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit. Davon ist Deutschland heute noch weit entfernt.

Seit zwei Jahren ist jedoch wieder ein Anstieg zu verzeichnen: Im Dezember 2018 waren es 25.500 Personen, im April 2019 waren es bereits 40.000. "Die Kurzarbeit nimmt zu, aber auf niedrigem Niveau", sagte ein Sprecher der Bundesagentur für Arbeit. Große deutsche Unternehmen betonen auch, dass Kurzarbeit noch nicht drastisch ist. Für das im Maschinenbau tätige Tochterunternehmen Rexroth setzt Bosch laut Konzern ausschließlich auf Kurzarbeit. Und dort nur in geringem Umfang. In der Automobilproduktion gäbe es keine Kurzarbeit. Daimler bestreitet derzeit auch den Einsatz von Kurzarbeit. Der Automobilhersteller sagt nichts über die zukünftige Personalentwicklung aus. Das Chemieunternehmen BASF gibt an, derzeit keine Kurzarbeit zu haben und dies auch nicht zu planen.

Derzeit leben rund 100.000 Menschen, verglichen mit 1,5 Millionen im Jahr 2009

Nach Angaben des ifo Instituts konzentriert sich die Kurzarbeit auf mehrere Branchen: Am stärksten betroffen sind Unternehmen, die in der Metallerzeugung und -verarbeitung tätig sind. Dort liegt der Anteil der Unternehmen mit Kurzarbeit bei 16 Prozent. Darüber hinaus planten 40 Prozent dieser Unternehmen, in den nächsten drei Monaten in Kurzarbeit zu arbeiten – auch mehr als in anderen Branchen. Die betroffenen Unternehmen sind hauptsächlich in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Bayern ansässig. Arbeitnehmer in Baden-Württemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen müssen daher in den nächsten drei Monaten zunehmend auch mit Kurzarbeit rechnen.

Unternehmen können der Agentur für Arbeit Kurzarbeit melden, wenn sie die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter aus wirtschaftlichen Gründen oder aufgrund eines "unvermeidbaren Ereignisses" kürzen. Ein solches Ereignis kann beispielsweise eine Überschwemmung sein, die Versorgungswege unzugänglich macht.

Die Bundesagentur für Arbeit zahlt eine Kurzzeitvergütung, um die Lohnverluste der betroffenen Arbeitnehmer zu mindern. Dies entspricht in der Regel 60 Prozent des entgangenen Nettoeinkommens. Befindet sich mindestens ein Kind im Haushalt des Mitarbeiters, erhöht sich der Anteil auf 67 Prozent.

Arbeitnehmer haben jedoch nur dann Anspruch auf die Kurzarbeitszulage, wenn ihr Unternehmen den Arbeitsausfall unverzüglich meldet und mindestens ein Drittel der Arbeitnehmer im betreffenden Zeitraum weniger als 90 Prozent ihres Einkommens bezogen hat. Wenn das Unternehmen dauerhaft schlecht ist, gibt es kein Geld vom Staat – das Ziel des Kurzarbeitsgeldes ist nicht, unrentable Unternehmen vorhersehbar auf dem Markt zu halten. In der Regel erhalten die Arbeitnehmer höchstens zwölf Monate Kurzarbeitsgeld, das Bundesarbeitsministerium kann den Zeitraum jedoch auf 24 Monate verlängern.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte angekündigt, das Kurzarbeitergeld neu zu ordnen. Es kommt in Frage, die Sozialversicherungsbeiträge zu erstatten, wenn die Kurzarbeiter rechtzeitig ausgebildet werden. Zuwendungen der öffentlichen Hand könnten ebenfalls erhöht werden.

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