Markus Braun sieht für Wirecard „enormes Jahr 2019“

| |

Dann stieg das Handelsvolumen der Wirecard-Aktie plötzlich an der Börse. Seit Tagen war es eine der meistgehandelten Aktien im Dax.

CEO Markus Braun, der mit einem Anteil von etwas mehr als sieben Prozent der größte Einzelaktionär von Wirecard ist, sprach am Montag mit dem Kurznachrichtendienst Twitter. Nach einem „enormen Jahr 2019“ sieht er gute Anzeichen für ein „sehr starkes Jahr 2020“.

Das operative Geschäft würde weiterhin hervorragend laufen. Erst im November gab der Konzern eine Gewinnprognose vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für das kommende Jahr zwischen 1,00 und 1,12 Milliarden Euro bekannt. Damit liegen die Erwartungen für dieses Jahr um ein Drittel über den Erwartungen.

Bei Wirecard gibt es zwei Fronten. Einerseits gibt es diejenigen, die weiterhin an die enormen Zukunftschancen des bargeldlosen Zahlungsverkehrs glauben und Wirecard als einen der Hauptakteure auf dem Markt sehen. Vor allem die überwiegende Mehrheit der Analysten, aber auch viele namhafte Großinvestoren, unterstützen Wirecard trotz aller Vorwürfe weiterhin.

Andererseits haben sich in den letzten zwei Wochen einige Hedgefonds positioniert. Mit Short-Positionen spekulieren sie auf weiter fallende Kurse bei Wirecard. Die Dax-Gruppe ist seit über einem Jahrzehnt das Ziel von Hedgefonds. Das Ergebnis ist eine Art gegenseitige Blockade.

Viele Großinvestoren glauben an Wirecard

Die amerikanische Großbank Morgan Stanley, die derzeit 1,9 Prozent an Wirecard-Aktien hält, bleibt dem Zahlungsdienstleister verpflichtet und hat ihr Kursziel gerade von 190 auf 205 Euro angehoben. Bei dem aktuellen Wechselkurs würde sich das verdoppeln .

Der Zahlungsdienstleister zeichnet sich laut Analyst Adam Wood durch ein hohes strukturelles Wachstum aus. Die Bilanzvorwürfe belasteten jedoch aktuell den Verlauf.

Auch bei der DWS gibt es nach den jüngsten Angriffen keinen Grund, die bisherige Strategie zu ändern. Die Fondstochter der Deutschen Bank hatte im Oktober ihre Beteiligung an Wirecard deutlich aufgestockt. Mit einem Anteil von knapp sechs Prozent ist der DWS derzeit nach dem Vorstandsvorsitzenden Braun der zweitgrößte Investor.

Die Fondsgesellschaft gab in ihren jüngsten Marktaussichten auf Sektorebene an, dass der IT- und der globale Finanzsektor übergewichtet sind. Dies bedeutet eine Übergewichtung von Versicherungs- und Technologietiteln, insbesondere für Deutschland.

Großinvestoren beklagen immer wieder, dass die Auswahl wichtiger Technologieunternehmen in Deutschland nicht zu groß sei. Im Dax sind neben Wirecard nur SAP und Infineon enthalten. Im Fall von Wirecard hat sich die DWS intensiv mit den Zahlen und Vorwürfen zusammen mit externen Wirtschaftsprüfern, Buchhaltungsexperten und renommierten Analysten auseinandergesetzt.

Auch Nicolas Walewski, Chef und Gründer der Londoner Investmentboutique Alken, pflegt einen sehr engen Kontakt zu Wirecard. Walewski war einer der ersten Investoren bei Wirecard. Vor rund 15 Jahren startete er mit einem größeren Paket, damals zu einem Preis von zwei Euro pro Aktie. Insofern hat er keine Angst vor dem aktuellen Kursverfall, nach dem die Aktie immer noch über 100 Euro notiert.

Walewski hat Wirecard kürzlich zu seinem „Liebling“ am deutschen Aktienmarkt erklärt. Neben dem Zahlungsdienstleister hält er nur eine größere Position bei RWE in Deutschland.

Hedgefonds setzen auf fallende Kurse

Andererseits positionieren sich immer mehr Hedgefonds, die auf fallende Kurse bei Wirecard setzen. Am Montag wurde bekannt gegeben, dass sowohl Greenvale Capital aus London als auch das amerikanische Coat Management aus Wilmington ihre Short-Positionen aufgestockt haben.

Greenvale hält nun 0,63 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals und hat seinen Anteil von 0,56 Prozent gegenüber der letzten Woche erhöht. Coatue hält jetzt 0,72 Prozent von 0,54 Prozent vor ein paar Tagen.

Großinvestoren müssen einen Bericht über einen Anteil von 0,5 Prozent des Grundkapitals vorlegen, der am folgenden Handelstag im Bundesanzeiger veröffentlicht wird. In letzter Zeit gab es einige davon. Der in London ansässige Hedgefonds TCI Fund Management hält derzeit 0,93 Prozent. Der ebenfalls in London ansässige Mashall Wace hält seit letzter Woche einen Anteil von 0,73 Prozent.

Vor eineinhalb Wochen erhöhte der Hedgefonds Slate Path Capital seine Position auf 1,1 Prozent des ausgegebenen Aktienkapitals. Davor lag der Anteil bei 0,94 Prozent. Der New Yorker Großinvestor Slate Path setzt seit langem auf fallende Preise bei Wirecard.

Leerverkäufer sind in der Regel Hedgefonds, die sich gegen eine Gebühr Aktien von Großinvestoren wie Banken oder Versicherungen leihen, am Markt verkaufen und hoffen, diese später zu günstigeren Preisen zurückkaufen zu können. Dann geben sie die geliehenen Papiere an den eigentlichen Besitzer zurück.

Wer sich im großen Stil gegen Wirecard positioniert, setzt darauf, dass der Aktienkurs weiter an Wert verliert. Dies wäre insbesondere dann der Fall, wenn weitere Vorwürfe gegen den Zahlungsdienstleister erhoben würden.

Als mögliche Schwelle für weitere Verluste haben die Börsenhändler kürzlich die Marke von 100 Euro für den Aktienkurs genannt. Wenn sie unterschritten wird, könnten Stop-Loss-Orders weiterhin das Jahrestief von rund 86 EUR erreichen. Stop-Loss-Orders sind automatische Verkaufsorders, die ausgelöst werden, wenn der Preis unter ein bestimmtes Preislimit fällt. Dies führt oft zu einem weiteren Kursrutsch.

Rechtliche Unsicherheiten

Befürworter und Gegner von Wirecard sind sich nur einig, dass die vielen Rechtsunsicherheiten und die damit verbundene Unsicherheit der Anleger derzeit die Hauptursache für die starken Preisschwankungen bei Wirecard sind.

Der niederländische Konkurrent Adyen zeigt, welche Kurse möglich wären, wenn Wirecard seine Probleme endlich in den Griff bekommen würde. Wirecard ist bei Umsatz und Gewinn etwa viermal so groß. An der Börse haben die Niederländer jedoch einen Wert von über 20 Milliarden Euro, Wirecard hat derzeit einen Wert von weniger als 13 Milliarden Euro.

Der Unterschied im Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist noch deutlicher: Adyen liegt jetzt im dreistelligen Bereich, während Wirecard es für das kommende Jahr auf überschaubare 18 bringen wird. Dennoch bezeichnet Morgan Stanley-Analyst Adam Wood Adyen als "Top-Dog der Branche".

Mehr: Wurden Hedgefonds überwacht? Wirecard erklärt, dass externe Sicherheitsberater das Shading von sich aus initiiert hätten – die Gruppe selbst habe dies nie in Auftrag gegeben. Lesen Sie hier mehr.

. (tagsToTranslate) Wirecard (t) Zahlungsdienstleister (t) Hedgefonds (t) Dax (t) Morgan Stanley (t) DWS (t) Deutsche Bank (t) Elektronische Zahlungen (t) Zahlungsverkehr (t) Kapitalanlagen (t) Aktien (t) Investment Tipp Aktie (t) Investment Fonds (t) Deutsche Asset Management (t) Adyen (t) Pfad (t) RWE (t) Short Sale Datenbank (t) TCI Fund Management (t) Infineon (t) Twitter (t) Coatue Management (t) SAP (t) Markus Braun (t) Nicolas Walewski (t) Fintech (t) Investmentgesellschaften

Previous

Ist SeaChange International, Inc. (SEAC) eine gute Aktie?

Anwälte, Lehrer, Betreuer … auch im Streik

Next

Leave a Comment

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.