Mercedes beschlagnahmte eine Rekordzahl an Fälschungen. Die meisten von ihnen sind lebensbedrohlich

Bremsbeläge, die nicht so bremsen, wie sie sollten. Alufelgen, die im Stresstest reißen. Mit zwei Beispielen für gefälschte Ersatzteile zeigt der Autohersteller, wie gefährlich ein scheinbar vorteilhafter Kauf im Internet sein kann.

Die Coronavirus-Pandemie und neue Vertriebswege stehen laut Mercedes-Benz hinter einem neuen Rekord bei der Zahl beschlagnahmter gefälschter Ersatzteile. Diese sehen oft aus wie die Originale, sind aber meist lebensgefährlich.

Mercedes hat im vergangenen Jahr 650 Polizeirazzien veranlasst, bei denen 1,86 Millionen Teile beschlagnahmt wurden. Das ist eine Steigerung von sechs Prozent im Vergleich zu 2020. Gleichzeitig ist das Problem mit Fälschungen besonders in den letzten Jahren eskaliert; selbst im letzten Jahrzehnt beschlagnahmten die Behörden regelmäßig „nur“ 200.000 Fälschungen pro Jahr.

„Die Fälscherindustrie hat die Struktur der organisierten Kriminalität und ist oft profitabler als der Drogenhandel“, sagt Renata Jungo Brüngger, die im Mercedes-Vorstand für Integration und Recht zuständig ist. Ihrer Meinung nach sind nicht nur die erwähnten Räder und Bremsbeläge gefälscht, Fälscher können angeblich alles anbieten. Sogar Teile, die nicht einmal vom Autokonzern selbst produziert werden.

Mercedes hat eine eigene Abteilung zur Fälschungssuche, dank derer allein im vergangenen Jahr 128.000 Angebote aus dem Internet entfernt wurden. Es wird von Lita Silje Jänischová geleitet, die sich mit ihrem Team den immer erfindungsreicheren Methoden der Fälscher stellt. „Derzeit bewegt sich das Geschäft von großen Plattformen zu verschiedenen Anwendungen. Das sind kleine und schnell wachsende Netzwerke.“ behauptet der Verteidiger Markenrechte und fügt hinzu, dass solche Anwendungen nur für eine kurze Zeit erstellt werden, in der sie eine große Anzahl von Benutzern generieren. „Weil sie aber nicht für jedermann öffentlich zugänglich sind, ist es für uns viel zeitaufwändiger, sie zu recherchieren.“

Auch Lita Jänischová führt die Zunahme der Fälschungen in den letzten Jahren auf das Coronavirus zurück. Während Polizei und Justiz im eingeschränkten Modus arbeiteten, hatten Fälscherwerkstätten freie Hand.

Laut Statistik stammen 80 % der gefälschten Teile aus China, wo sie oft unter menschenunwürdigen Bedingungen und ohne jegliche Qualitätskontrolle produziert werden. Lita Jänischová erinnert sich an den Vorfall im vergangenen Jahr, als sich die Fronthaube eines Mercedes-Besitzers auf der Autobahn öffnete und dabei die Windschutzscheibe zerbrach. “Nachträgliche Ermittlungen ergaben, dass der Fahrer den originalen Kühlergrill durch einen scheinbar modischen Kühlergrill ersetzt hatte, den er online gekauft hatte. Dieser war jedoch schlecht verarbeitet, so dass das Motorhaubenschloss beim Schließen nicht richtig einrasten konnte.”

Eine Fälschung zu erkennen, ist laut Jänisch nicht immer einfach auf den ersten Blick. Es gibt jedoch Hinweise, die ein Warnzeichen sein können. „Bei einem Online-Shop ist es zum Beispiel, dass der Verkäufer auffällig viele Teile verschiedener Marken anbietet oder dass die Preise ungewöhnlich niedrig sind. Die Professionalität des Shops und Bewertungen anderer Kunden können das auch Hinweise geben”, schließt Lita Jänischová.

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