Nach Coronavirus-Video: Tottenham-Star Dele Alli für ein Premier-League-Spiel gesperrt

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Der englische Fußball-Nationalspieler Dele Alli ist wegen eines rassistischen Social-Media-Beitrags für ein Spiel gesperrt worden. Wie der englische Fußballverband (FA) mitteilte, muss der Mittelfeldspieler von Tottenham Hotspur zudem eine Geldstrafe in Höhe von rund 55.000 Euro zahlen und einen Bildungskurs absolvieren.

Der 24-Jährige hatte Anfang Februar auf Snapchat einen Videoclip veröffentlicht, in dem er offenbar in einem Flughafen einen Scherz über einen Mann mit asiatischer Abstammung in Bezug auf das Coronavirus machte. Alli untertitelte das Video mit den Worten “Corona whattttt, please listen with volume”. Deswegen war Alli vorgeworfen worden, das Video aufgrund der Herkunft des Mannes aufgenommen zu haben.

Gegenüber der FA versicherte Alli jedoch, dass er das Video von dem Mann lediglich gemacht habe, weil er zuvor gehustet habe. Deswegen habe Alli auch dazu geschrieben, das Video mit Ton abzuspielen. Obwohl auf dem Video kein Husten zu hören war, übernahm die FA die Argumentation, “ethnicity was irrelevant”, zitiert sie den Spieler.

Eine unabhängige Kommission kam hingegen zu dem Entschluss, dass das Video dem Ansehen des Fußballs geschadet und gegen FA-Regeln verstoßen habe, weil sich das Video auf Hautfarbe oder ethnische Herkunft bezog. Die FA folgte dieser Argumentation, hielt dem Spieler in der Urteilsbegründung jedoch unter anderem zugute, dass er das Video nach kurzer Zeit gelöscht und sich dafür entschuldigt hatte.

“Schlechter Witz über ein Virus”

In der Coronakrise haben vor allem asiatischstämmige Menschen mit Rassismus zu kämpfen. Die chinesische Stadt Wuhan gilt als Ursprungsort der Pandemie, dort infizierten sich zuerst Tausende Menschen. Dadurch bekommen Menschen mit asiatischer Herkunft auf der ganzen Welt altbekannte Ressentiments zu spüren. Bei einem Bundesligaspiel in Leipzig war eine Zuschauergruppe offenbar aufgrund ihrer Herkunft des Stadions verwiesen worden.

In der Urteilsbegründung führte die FA aus, dass es nicht darum gegangen sei, ob Alli ein Rassist ist, sondern darum, dass der Spieler “ohne ausreichend darüber nachgedacht zu haben”, ein Video teilte und damit einen “inakzeptablen, rassistischen Stereotyp” bediente. Von einem “unangebrachten Versuch von Humor” ist am Ende die Rede. Alli habe nicht aus Absicht gehandelt, hätte aber die Folgen absehen müssen. Wegen der mildernden Umstände wurde Alli lediglich für ein Spiel gesperrt.

“Es war ein äußerst schlechter Witz über ein Virus, das uns mehr befallen hat, als wir uns jemals hätten vorstellen können”, schrieb Alli in einem Statement. “Ich bin dankbar, dass die FA bestätigt hat, dass meine Handlungen nicht rassistisch waren, weil ich Rassismus jeglicher Art verachte.” Dass die Kommission das Video jedoch schon auf die Hautfarbe oder ethnische Herkunft bezog, erwähnte Alli nicht. Der Tottenham-Star wird seinem Team im ersten Premier-League-Spiel nach der Corona-Pause am 19. Juni gegen Manchester United fehlen.

Icon: Der Spiegel

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