Nestle bewegt die Schweizer Börse: Star am Schweizer Aktienmarkt

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Nestlé ist der Star der Schweizer Börse. Der Lebensmittelriese aus Vevey bringt mehr als 300 Milliarden Franken auf die Börsenskala und ist die mit Abstand wertvollste Aktie im Swiss Market Index (SMI), der die 20 wichtigsten Unternehmen des Landes zusammenführt. Gleichzeitig bedeutet dies, dass sich der SMI, wenn sich der Preis von Nestlé bewegt, mitbewegt, der seit Jahresbeginn um 25 Prozent auf 10.500 Punkte gestiegen ist.

Johannes Ritter

Während der SMI in diesem Zeitraum einen kontinuierlichen Aufwärtstrend verzeichnete, stoppte der Flug von Nestlé im September plötzlich. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Papier einen Höchststand von 113 CHF erreicht, und einige Analysten hatten bereits 120 CHF oder mehr im Sinn. Stattdessen ist das Papier jetzt auf rund 103 Franken gesunken, was immer noch eine Steigerung von 29 Prozent gegenüber dem Stand zu Jahresbeginn darstellt.

Stunde der zyklischen Bestände

Wie lässt sich diese Atemschwäche erklären? Dies liegt nicht am Nachrichtenfluss von Nestlé. Geschäftsführer Ulf Mark Schneider treibt die Restrukturierung des größten Lebensmittelunternehmens der Welt weiter voran. Erst letzte Woche gab er den Verkauf des amerikanischen Eisgeschäfts bekannt. Das Manöver an der Börse verlief trotz eines beeindruckenden Verkaufserlöses von fast 4 Milliarden US-Dollar erfolglos.

Philipp Murer, Leiter Portfoliomanagement der Luzerner Privatbank Reichmuth & Co., führt die Flaute auf das veränderte Börsenklima zurück: In unsicheren Zeiten greifen Anleger gerne auf sogenannte defensive Werte zurück, die kontinuierliche Gewinne und Dividenden versprechen unabhängig von geopolitischen und wirtschaftspolitischen Auswirkungen. Aber als die externen Stressfaktoren nachließen, schlug die Stunde der zyklischen Aktien.

Gerade jetzt, da die USA und China auf eine Lösung im Handelsstreit zusteuern, empfehlen Murer und sein auf Schweizer Aktien spezialisierter Kollege Silvan Betschart, defensive Aktien wie Nestlé, Roche und Novartis und stattdessen zyklische Aktien wie Zement zu meiden Firma Lafarge-Holcim, bevorzugen den Bauchemie-Spezialisten Sika oder den Aufzugshersteller Schindler.

Mit Blick auf das kommende Jahr stehen die beiden Anlagespezialisten den Schweizer Aktien grundsätzlich positiv gegenüber, auch wenn sie bei Bankaktien zu Vorsicht raten. Im Asset Management wären die Margen aufgrund der Zinssituation unter Druck. Im Fall von UBS und Credit Suisse wurde das Anlegervertrauen durch verschiedene ungelöste Rechtsfälle beeinträchtigt.


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Die Aktien dieser beiden grössten Schweizer Banken notieren deutlich unter ihrem Buchwert. Mit CHF 12.20 liegt der UBS-Kurs aktuell in etwa auf dem Niveau von Jahresbeginn. Im Vergleich dazu ist die Credit Suisse (CS) eine Rakete mit einem Plus von 23 Prozent auf CHF 13.30. Dies spiegelt einen grundlegenden Effekt wider: CS profitiert davon, dass die dreijährige Restrukturierungsphase, die mit Milliardenverlusten einherging, Ende 2018 abgeschlossen wurde und damit in diesem Jahr deutlich bessere Ergebnisse erzielte. CEO Tidjane Thiam hat jedoch letzte Woche am Investorentag eine ernüchternde Botschaft verfasst: In diesem Jahr rechnet er nur mit einer Eigenkapitalrendite (bezogen auf das materielle Eigenkapital) von etwas mehr als 8 Prozent. Dies deckt nicht die Kapitalkosten ab und verfehlt eindeutig das ursprüngliche Renditeziel von 10 bis 11 Prozent.


Es ist nicht das erste Mal, dass Thiam seinen eigenen Richtlinien folgt. Gleichzeitig machte sein Haus in diesem Sommer Schlagzeilen, indem es das ehemalige Vorstandsmitglied Iqbal Khan verwöhnte. Dies war entgegen der Aussage des Präsidenten des Verwaltungsrates, Urs Rohner, kein Einzelfall. Nach einem Bericht der „NZZ“ hatte die Bank im Februar ihren ehemaligen Personalchef Peter Görke im Schatten. Nichts davon hat das Vertrauen der Anleger in die Geschäftsführung der Credit Suisse gestärkt.

Die Tatsache, dass die EU die Schweizer Börsenregulierung nicht mehr als gleichwertig anerkennt, hatte jedoch keinen erkennbaren Einfluss auf die Kursentwicklung der Schweizer Aktien. Infolge des Gegenmanövers der Schweizer Regierung konzentriert sich der Handel mit Schweizer Aktien seit Anfang Juli auf die Schweiz. Der Handel an den deutschen Börsen wird voraussichtlich ausgesetzt bleiben, bis eine Einigung über das umstrittene Rahmenabkommen erzielt wird, das die Beziehungen des Bundes zur EU auf eine solidere Grundlage stellen soll. Derzeit sind in diesem Bereich keine Fortschritte in Sicht.

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