Ölpreiskollaps zieht auch den Dax ins Minus

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Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt kann sich dem gestrigen Kursrutsch des Ölpreises nicht entziehen. Der Dax notiert in der ersten Handelsstunde 1,9 Prozent im Minus bei 10.473 Zählern.

Das Thema an den Märkten ist der Ölpreiskollaps am gestrigen Montagabend, der sich nach Börsenschluss Deutschland ereignete. In den USA ist der Öl-Preis wegen der Coronavirus-Pandemie erstmals in seiner Geschichte ins Minus gestürzt. Verkäufer müssen Geld zahlen, damit jemand ihnen das Öl abnimmt: Der Preis für den Terminkontrakt auf die US-Sorte WTI für Mai brach am Montag um knapp 56 Dollar auf minus 37,63 Dollar je Barrel (159 Liter) ein.

Warum das relevant ist: Sollte nun die US-Ölindustrie mit ihren vielen kleineren Unternehmen noch stärker unter Druck geraten, fürchten Experten eine Pleitewelle, die womöglich auch die Finanzbranche belasten könnte.

Die andere Belastung sind die neuen Quartalszahlen. Bereits am gestrigen Montag warnte Börsenexperte Stephan Heibel nach Auswertung der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment: „Abwärtspotenzial droht während der Berichtssaison, denn Unternehmenszahlen werden in den kommenden Tagen und Wochen das Ausmaß der wirtschaftlichen Schäden der Quarantänemaßnahmen zeigen“.

Diese Prognose wurde gleich einen Tag später Realität: IBM hat als erstes Unternehmen der US-Tech-Industrie Zahlen vorgelegt und strich wegen der extremen Unsicherheit alle Prognosen für 2020. Auch wenn Unternehmenschef Arvind Krishna betonte gleichzeitig die gesunde bilanzielle und finanzielle Situation des Unternehmens betonte. Schließlich sei die „hohe Dividende sicher“.

Doch davon will die Wall Street nichts hören: Die Aktie brach nachbörslich um gut vier Prozent ein. Und auch auf dem deutschen Aktienmarkt fällt das IBM-Papier um rund vier Prozent.

In den USA werden die anderen Technologie-Giganten wie Microsoft, Amazon (AWS Cloud), Google Cloud, Alibaba oder Oracle in den kommenden Tagen folgen. Auch sie werden sich nicht jedem Negativtrend entziehen können.

In Deutschland steht dementsprechend die SAP-Aktie unter Druck, die gleich zwei negative Meldungen erarbeiten muss. Neben den schwachen Zahlen von IBM trennt sich das Unternehmen inmitten der Coronakrise von seiner Co-Chefin Jennifer Morgan. Die 48-Jährige wird SAP bereits zum 30. April zu verlassen.

Die Aktie verliert zur Eröffnung 2,6 Prozent Der Softwarehersteller ist das wertvollste Dax-Unternehmen und hat aufgrund seiner hohen Marktkapitalisierung den größten Einfluss aller 30 Werte auf die Kursentwicklung des Börsenbarometers.

Da hilft es auch nicht, das Europas größter Softwarekonzern im ersten Quartal einen deutlichen Gewinn eingefahren hat. Zwischen Januar und März verdienten die Walldorfer 811 Millionen Euro. SAP hatte bereits vorläufige Zahlen vorgelegt und wegen der Corona-Krise seine Jahresprognose zusammenstreichen müssen. Die endgültigen Kennziffern von SAP hätten den vorläufigen entsprochen, sagte ein Händler.

Die Vorgaben aus Übersee sind schwach: Der Ölpreiskollaps hat nicht nur die US-Börsen belastet, sondern auch die asiatischen Märkte verloren deutlich. Futures auf den US-Auswahlindex S&P 500 haben nach anfänglichen Gewinnen ins Minus gedreht und signalisieren damit eine schwächere Handelseröffnung.

Blick auf die Einzelwerte

Drägerwerk: Der wegen der Corona-Pandemie stark ausgelastete Medizintechnik-Hersteller hat offenbar neues Kapital aufgenommen. Der Hersteller von Beatmungsmaschinen und anderen Geräten für die Intensivmedizin will mit der Ausgabe von rund einer Million Vorzugsaktien einen Bruttoemissionserlös von 76,50 Millionen Euro erzielt haben. Die Anteilsscheine seien im Wege eines beschleunigten Platzierungsverfahrens bei institutionellen Anlegern platziert worden. Die Aktie verliert 1,7 Prozent. Noch in der vergangenen Woche hatte der Hedgefonds Sandbar Asset Management seine Spekulation auf fallenden Kurse der Drägerwerk-Aktie auf 0,71 Prozent drei frei handelbaren Aktien erhöht hat.

Danone: Wegen der Unwägbarkeiten infolge der Corona-Pandemie hat der französische Lebensmittelkonzern seine bereits reduzierten Jahresziele nun ganz zurückgezogen. Die Auswirkungen des weltweiten Shutdown seien nicht absehbar. Im ersten Quartal verbuchte der Konzern ein Umsatzplus von 1,7 Prozent auf 6,24 Milliarden Euro. Die Aktie verliert 0,4 Prozent.

Sartorius: Der Laborausrüster ist mit zweistelligen Zuwachsraten ins Jahr gestartet. Bei einem Umsatzplus von 16,5 Prozent auf 509,9 Millionen Euro schnellte das operative Ergebnis um 20,9 Prozent auf 137,9 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr hob der Vorstand seine Prognose an und ließ die Aktie um 4,9 Prozent steigen.

Blick auf andere Assetklassen

Der Preis für US-Öl ist nach seinem historischen Absturz in negatives Terrain am Dienstag wieder leicht über null Dollar geklettert. Bei schwachem Handel stieg der Preis für den Terminkontrakt auf die US-Sorte WTI für Mai um 39 Dollar auf 0,94 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für den Nordseesorte Brent ist hingegen um 3,6 Prozent auf 24,67 Dollar gefallen.

Am Montag war der Ölpreis in den USA wegen der Coronavirus-Pandemie um knapp 56 Dollar auf minus 37,63 Dollar je Barrel (159 Liter) eingebrochen und damit erstmals in seiner Geschichte ins Minus gestürzt.

Die Pandemie hat die Öl-Nachfrage weltweit um fast ein Drittel hat einbrechen lassen. Käufer stehen vor dem Problem, dass die Kapazitäten der Öl-Lager bald erschöpft sein dürften.

Am Anleihemarkt bleibt die Renditedifferenz (Spread) zwischen deutschen und italienischen Staatsanleihen auf hohem Niveau. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren beträgt dieser Wert 2,37 Prozent. Die entsprechenden italienischen Bonds rentieren aktuell bei 1,944 Prozent und nähern sich ihren Monatshöchstständen.

Denn die europäischen Staats- und Regierungschefs werden beim EU-Gipfel aller Voraussicht nach keine abschließende Entscheidung über einen Wiederaufbaufonds treffen. Das erklärten EU-Diplomaten. Sogenannte Coronabonds hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel bereits am gestrigen Montag erneut abgelehnt.

„Bei der Vermögensplanung gilt: Nie ganz aussteigen!“

Was die Charttechnik sagt

Der deutsche Leitindex nähert sich wieder seiner wichtigen Unterstützungszone, die in dem Bereich von 10.391 bis 10.279 Punkten liegt. Von der zweiten Marke aus startete der Leitindex im Dezember 2018 seine Rally, die sich bis zum Rekordhoch im Februar 2020 erstreckte. Am Dienstag vergangener Woche wurde die Marke „bestätigt“, weil der Index genau dort den Handel beendete.

Knapp darunter gibt es sogenannte Kurslücken, bei denen es in diesem Jahr noch keine Notierungen gab. Die letzte Lücke wäre bei einem Dax-Stand von 10.097 Punkten geschlossen.

Auf der Oberseite liegt mit 11.025 Zähler ein wichtiger Widerstand. Dort liegt die sogenannte 50-Prozent-Korrektur des übergeordneten Trends, an der sehr häufig Gegenbewegungen enden. Aktuell auf den Dax bezogen heißt das: Der Abwärtstrend verlief bisher vom Rekordhoch Mitte Februar bei 13.795 Punkte bis zum Tiefpunkt Mitte März bei 8255 Zählern.

Die 50-Prozent-Marke liegt dementsprechend bei 11.025 Punkten, also genau in der Mitte zwischen Rekordhoch und Tiefpunkt. Mit dem Anstieg auf 10.820 Zähler am vergangenen Dienstag hat sich der Index dieser Marke bereits angenähert.

Sollte die Frankfurter Benchmark diese Marke von 11.025 Punkten überwinden, wäre anschließend bei 11.266 Punkten, dem Zwischentief vom August 2019, der nächste Widerstand.

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