Oskar Fischer: ein stiller Diplomat (neue-deutschland.de)

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Egon Krenz (l), letzter Vorsitzender des DDR-Staatsrates, und Oskar Fischer, ehemaliger DDR-Außenminister, bei der Präsentation von Norbert Pötzls Buch „Basar der Spione“, das über die Arbeit des DDR-Verhandlungsführers Vogel berichtet.

Egon Krenz (l), letzter Vorsitzender des DDR-Staatsrates, und Oskar Fischer, ehemaliger DDR-Außenminister, bei der Präsentation von Norbert Pötzls Buch „Basar der Spione“, das über die Arbeit des DDR-Verhandlungsführers Vogel berichtet.

Foto: dpa / Peer Grimm

Er gehörte nicht zu den Krisenmanagern, die in komplizierten Zeiten zwischen zwei heiklen Terminen – Hand in Tasche – die Welt kurz und beiläufig in einen Wald von Mikrofonen erklären. Damals waren die Zeiten nicht so, zumindest nicht auf seiner Seite der großen Trennlinie, und er war als Person nicht so. Oskar Fischer war ein stiller Unterhändler, ein unspektakulärer Diplomat, der sein Handwerk von Grund auf gelernt hatte.

1923 geboren, wurde er früh als Soldat in den Weltkrieg hineingezogen und fiel 1944 für zwei Jahre in sowjetische Gefangenschaft. Eine grundlegende Erfahrung. Er kehrte in das fast geteilte Deutschland zurück, trat der FDJ und der SED bei, wurde in jungen Jahren Beamter und Politiker. Mit 32 Botschaftern in Bulgarien – der Beginn einer Karriere, die Sie heute als Karriere bezeichnen würden.

1975 wurde Fischer nach zehnjähriger stellvertretender Minister Außenminister der DDR. In dieser Zeit kämpfte die DDR gegen die Vormundschaftsansprüche der Bundesrepublik und die allmählich und schließlich rasch zunehmende internationale Anerkennung des ostdeutschen Staates.

Seit dem Grundabkommen zwischen der DDR und der BRD 1972/73 und der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa 1973 ist die DDR international ein gleichberechtigter Partner geworden. Oskar Fischer spielte dabei eine Schlüsselrolle, auch als zuverlässiger Unterhändler. Mitte und Ende der 1970er Jahre verging kaum eine Woche, in der das “Neue Deutschland” die Akkreditierung neuer Botschafter in Ostberlin und damit das Wachstum des diplomatischen Korps nicht meldete.

Fischer blieb über die Wendemonate im Herbst 1989 hinaus bis zu den Wahlen zur Volkskammer im März 1990 im Amt. Dies kann als Bestätigung seines Fachwissens angesehen werden. Nach dem Ende der DDR wurde es um ihn herum schnell still. Keine Skandale, keine öffentlichen Geständnisse. Er war keiner der späteren Besserwisser. Er lehnte Interviewanfragen ab. Am 2. April starb Oskar Fischer im Alter von 97 Jahren in Berlin.

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