Papierabfälle aus dem Internet (neues-deutschland.de)

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Die großen Online-Händler wie Amazon oder Zalando bekommen heutzutage viel Post. Denn der hohe Umsatz des Weihnachtsgeschäfts bringt viele Renditen: Wenn die Krawatte zu bunt war, waren die Handschuhe zu groß oder das Computerspiel war falsch. Die Tatsache, dass über das Internet bestellte Waren in der Regel kostenlos zurückgesandt werden können, wird in großem Umfang genutzt. Laut dem Handelsforschungsinstitut EHI Retail Institute liegt die Rücklaufquote allein in der Modebranche bei rund 40 Prozent – höher als bei allen anderen Gütern. Bei Kleidung und Schuhen ist es fast jede zweite Packung.

In den USA gibt es wegen der Rückkehr nach Weihnachten sogar einen "National Return Day". Zum Beispiel prognostiziert der UPS Paketdienst den absoluten Höhepunkt in Bezug auf die Retouren für den 2. Januar 2020. Über das UPS Netzwerk werden 1,9 Millionen Retouren erwartet. Das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Die USA stehen bei der Täuschung der Renditen nicht an vorderster Front. In Schweden werden beispielsweise rund 60 Prozent der Waren zurückgegeben. Nach Angaben des Bundesverbandes für E-Commerce und Versandhandel ist es jedes sechste Paket in Deutschland. Nach vorsichtigen Schätzungen der Forschergruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg wurden 2018 rund 280 Millionen Pakete retourniert. Dies entspricht nach Angaben der Forscher rund vier Prozent der versendeten Pakete – auch wenn Online-Händler versuchten, die Anzahl zu halten von den Rückkehr klein, indem Sie bessere Produktbeschreibungen verwenden. Infolgedessen landeten fast 20 Millionen Artikel im Papierkorb.

Neue Waren landen im Müll

Aber nicht nur Retouren, auch unverkaufte Waren werden zunehmend vernichtet. Nach aktuellen Recherchen des Norddeutschen Rundfunks, an die die Umweltorganisation Greenpeace Dokumente aus einem Amazon-Lager in Winsen an der Luhe durchgesickert hat, wird ein Container mit unbenutzten und nicht versandten neuen Gütern im Vorfeld von Weihnachten und Neujahr ein- oder zweimal wöchentlich abgeholt zur Müllverbrennungsanlage Hamburg gebracht wird. Keine Rücksendung, sondern Neuware, die Amazon im Auftrag von Drittanbietern anbietet.

Neben Retouren erhöht der Online-Handel auch den Verpackungsabfall. Wie das Umweltbundesamt (UBA) in einer November-Studie zeigt, haben Wirtschaft und Verbraucher im Jahr 2017 rund 226,5 Kilogramm Abfall pro Einwohner verursacht, drei Prozent mehr als im Vorjahr. 98,9 Kilogramm waren Pappe und Papier. Laut Umweltbundesamt: Tendenz steigend.

Karton und Papier sind umweltfreundlicher als Kunststoff, aber für die Produktion wird viel Wasser verwendet und CO2 erzeugt. Laut Statistischem Bundesamt hat die Papierindustrie allein im Jahr 2016 rund 9,6 Millionen Tonnen CO2 erzeugt.

Das Einkaufen im Internet gilt als Haupttreiber für den wachsenden Papierabfall. Die Paketdienstleister in Deutschland haben laut UBA-Bericht im Jahr 2017 knapp 1,7 Milliarden Sendungen zugestellt. Jede dieser Sendungen kam in einer Schachtel oder einer Versandtasche. "Im Online-Handel wird meist viel mehr Verpackungsmaterial verwendet, weil immer zusätzliche Umverpackungen notwendig sind", erklärt Katharina Istel vom Naturschutzbund Deutschland im ZDF. "Hier muss ein Umdenken sowohl für die Industrie als auch für die Verbraucher stattfinden", sagt UBA-Verpackungsexperte Gerhard Kotschik.

Immerhin will die Bundesregierung laut NDR-Bericht gegen die Zerstörung neuer Güter vorgehen. Im kommenden Jahr soll eine "Sorgfaltspflicht" für den Umgang mit Retouren und unverkauften Neuwaren eingeführt werden. Zu diesem Zweck ist eine Novellierung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes geplant, wie Sprecher für Umwelt und Wirtschaftsministerium bestätigten. Ziel ist es, die Händler zu ermutigen, die Produktion stärker an der Nachfrage auszurichten. Zerstörung sollte der letzte Ausweg sein: Es sollte nur erlaubt sein, wenn ein Verkauf oder eine Spende nicht mehr möglich ist, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen. Die Kritik an dem Vorschlag äußerte der Experte für Nachhaltigkeitsmanagement an der Leuphana Universität Lüneburg, Stefan Schaltegger. Er gehe davon aus, dass der Online-Handel dann "einfach nach neuen Schlupflöchern suchen" werde. Im Hintergrund gebe es immer noch das Problem, dass zu viele Produkte angeboten würden, sagte er im NDR. Stattdessen schlägt der Betriebswirt die Produktion nach Bedarf vor, d. H. Nur nach Bedarf. Stattdessen fordern Forscher der Universität Bamberg eine Rücknahmegebühr von 2,95 Euro pro Sendung.

Und der Kunde selbst? Der Rat für Nachhaltige Entwicklung empfiehlt, nur gezielt zu bestellen. Also nur, was er wirklich behalten will.

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